Wallentin, Ignaz (1852–1934), Pädagoge und Fachschriftsteller

Wallentin Ignaz, Pädagoge und Fachschriftsteller. Geb. Wien, 1. 2. 1852; gest. Baden (NÖ), 29. 5. 1934; röm.-kath. Vater u. a. des Min.rats im Unterrichtsmin. Egon W. und des Dermatologen Rudolf W.; verheiratet mit Anna W. (gest. Baden, 1939). – Nach der Matura am Akadem. Gymn. 1869 stud. W. an der Univ. Wien und zugleich am dortigen polytechn. Inst. Naturwiss. und Mathematik; 1873 Dr. phil. Im selben Jahr legte er die Lehramtsprüfung ab und war zunächst supplierender Gymn.lehrer in Wien, ehe er 1874–79 Mathematik und Physik am 2. dt. Staatsrealobergymn. in Brünn unterrichtete. 1875 habil. sich W. als Priv.Doz. an der TH in Brünn für Experimentalphysik und lehrte dort 1875–79 mathemat. Physik. 1879 kehrte er nach Wien zurück und wirkte bis 1889 als Lehrer am Staatsgymn. in Wien 9. Anschließend fungierte er bis 1894 als Dir. des Staatsgymn. in Troppau. Im selben Jahr erfolgte erneut ein Wechsel zurück nach Wien an das Franz-Joseph-Gymn., dem er bis 1902 als Dir. vorstand. Im letzten Drittel seiner berufl. Laufbahn war W. Landesschulinsp. für realist. Fächer in NÖ und wurde in dieser Funktion vom Min. mehrfach als Berater und Gutachter hinzugezogen. 1918 trat er i. d. R. Wiss. befasste sich W. v. a. mit Fragen zur Elektrizitätslehre und übers. u. a. Éleuthère Mascarts „Traité d’électricité statique“ als zweibändiges „Handbuch der statischen Elektricität“ (1883–86) sowie Gaston Plantés „Phénoménes électriques de l’atmosphére“ als „Die elektrischen Erscheinungen der Atmosphäre“ (1889). In erster Linie ist W. jedoch als Lehrbuchautor zu nennen. Zu seinen auflagenstärksten Schulbüchern zählen das „Lehrbuch der Physik für die oberen Classen der Mittelschulen und verwandter Lehranstalten“ (1879, 12. Aufl. 1900) sowie die „Grundzüge der Naturlehre für die unteren Classen der Gymnasien“ (3. Aufl. 1893, 13. Aufl. 1924). In den Jahresberr. der Gymn., an denen er als Lehrer und Dir. tätig war, veröff. er didakt. Artikel. In seiner Freizeit widmete er sich der Entomol. Von Jugend an sammelte W. insbes. Wasserkäfer und Schmetterlinge. Seine wechselnden berufl. Stationen spiegeln sich in seinen von Fachkreisen anerkannten Smlgg. wider. Darüber hinaus war W. in berufsnahen Ver. aktiv. 1908 erhielt er den Orden der Eisernen Krone III. Kl., 1931 das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österr.; 1901 Reg.Rat, 1912 HR.

Weitere W. (s. auch Poggendorff 3–4): Maturitätsfragen aus der Mathematik, 1879, 14. Aufl. 1937; Zur Geschichte des k. k. Franz-Joseph-Gymn. in Wien …, in: 23. Jahresber. über das k. k. Franz-Joseph-Gymn. in Wien 1896/97, 1897; Einleitung in die theoret. Elektrizitätslehre, 1904; Prakt. Methodik des physikal. Unterrichts, 1914. – Ed.: Excursionsbuch, 1913, 2. Aufl. 1914; Lehrausflüge in Wien und dessen näherer Umgebung, 3 Bde., 1923.
L.: WZ, 19. 7. 1879, 1. 10. 1901, 31. 5. 1934; Das Vaterland, 8. 2. 1889; RP, 31. 5. 1934; Poggendorff 3–4 (m. W.); A. Hinrichsen, Das literar. Dtld., 2. Aufl. 1891; K. Hellmer, Geschichte der k. k. TH in Brünn, 1899, S. 79; O. W. Beyer, Dt. Schulwelt des neunzehnten Jh. in Wort und Bild, 1903, S. 339f. (m. B.); Z. des Österr. Entomologen-Ver. 19, 1934, S. 62f. (m. B.); UA, Wien; Pfarre Baden-St. Stephan, NÖ.
(J. Pircher)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 457f.
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