Waller, Johann Ritter von (1811–1880), Pathologe und Dermatologe

Waller Johann Ritter von, Pathologe und Dermatologe. Geb. Flöhau, Böhmen (Blšany, CZ), 12. 10. 1811; gest. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 17. 10. 1880. Sohn des Karl W. und der Maria Anna W., geb. Rudiger. – W. absolv. 1831 das Gymn. in Saaz, besuchte danach die phil. Vorbereitungskl. in Prag, ehe er an der dortigen Univ. Med. stud.; 1838 Dr. med. et chir. Zunächst Sekundararzt in der Anstalt für Nervenkranke, war er 1839–43 als Ass. an der med. Klinik für Wundärzte tätig. 1843 erhielt er eine Stelle als Primararzt an der 2. internen Abt. im Prager AKH. 1844–45 suppl. er die Lehrkanzel der prakt. Med. für Wundärzte. 1847 wechselte W. als Primararzt an die Abt. für Hautkrankheiten und Syphilis im AKH, wo er sich 1848 für dieses Fach habil. und die Erlaubnis bekam, an seiner Abt. Vorlesungen und Übungen abzuhalten; 1851 ao. Prof. für Dermatol. und Syphilidol., fungierte er zwei Jahre lang als Dir. sämtl. Prager Krankenhäuser. 1855–58 Dekan der med. Fak., suppl. er 1856 den Lehrstuhl für allg. Pathol. und Pharmakol. und wurde 1859 zum o. Prof. für Pathol. und Therapie, Pharmakol. und Rezeptierkde. ernannt. Ab den 1860er-Jahren widmete er sich verstärkt patholog. Fragestellungen. 1864 setzte er die Eröffnung einer propädeut. Abt. im AKH durch, wo →Philipp Knoll seine Nachfolge antrat, als W. 1879 i. d. R. trat. Bes. verdient machte sich W. um die Konstituierung des selbstständigen Fachs der allg. und experimentellen Pathol. Auf seinen Vorschlag hin wurde 1872 ein spezieller Lehrstuhl für experimentelle Pathol. eingerichtet. Seine Arbeiten, darunter zusammenfassende Referate über Krankheiten des Nervensystems, über die Physiol. und Pathol. der Harnorgane und der männl. Geschlechtsorgane sowie Artikel zur Syphilidol., veröff. er hauptsächl. in der „Vierteljahrschrift für die praktische Heilkunde“. Zu seinen bedeutendsten Forschungsergebnissen gehören neue Erkenntnisse über die Ansteckungsgefahr und Behandlung der sekundären Syphilis, wobei er die Richtigkeit seiner Theorien experimentell an Patienten nachwies. Erwähnenswert sind seine Arbeiten „Die Contagiosität der secundären Syphilis“ (in: Vjs. für die prakt. Heilkde. 8, 1851) und „Weitere Beiträge betreffend die Contagiosität der secundären Syphilis nebst einem Anhange über die Inokulation der Syphilis bei Thieren“ (ebd.). W. war Mitgl. mehrerer Berufsverbände, so ab 1860 ständiges Mitgl. der Gesundheitskomm. für Böhmen. Ab 1870 war er zudem Mitgl. des Unterrichtsrats. 1871 wurde ihm der Orden der Eisernen Krone III. Kl. verliehen. Im selben Jahr wurde er in den Ritterstand erhoben.

Weitere W.: s. Kružicová.
L.: ADB; Egerländer Biograf. Lex. 2; Otto; Pagel; Rieger; Wurzbach; Prager med. WS 5, 1880, S. 418; Die Dt. Karl-Ferdinands-Univ., 1899, s. Reg.; Biografický slovník pražské lékařské fak. 2, 1993; Dějiny Univ. Karlovy 1802–1918, 3, ed. J. Havránek, 1997, s. Reg.; Z. Kružicová, Dějiny dermatovenerologie na pražských lékařských fak. v letech 1790–1945, med. Diss. Praha, 2013, S. 64ff. (m. B. u. W.); Státní oblastní archiv v Litoměřice, CZ.
(M. Makariusová)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 458
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