Wambacher, Hertha (1903–1950), Physikerin

Wambacher Hertha, Physikerin. Geb. Wien, 9. 3. 1903; gest. ebd., 25. 4. 1950; röm.-kath. Tochter des Fabrikanten Ferdinand W. (1865–1931) und der Maria W., geb. Logar (1869–1949). – W. besuchte zunächst die Übungsschule der Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien 1 und wechselte dann an das Mädchengymn. in Wien 6. Ab 1922 stud. sie Chemie an der Univ. Wien und besuchte auch jurid. Vorlesungen. Aus gesundheitl. Gründen musste sie ihre Ausbildung jedoch 1924 unterbrechen und entschied sich danach für das Stud. der Physik; 1932 Dr. phil. mit der „Untersuchung der photographischen Wirkung radioaktiver Strahlungen auf mit Chromsäure und Pinakryptolgelb vorbehandelten Filmen und Platten“ (in: Mitt. des Inst. für Radiumforschung 274, 1931), die i. d. F. den Schwerpunkt ihrer gesamten wiss. Arbeit ausmachte. Ihre Karriere begann W. als Mitarb. am II. Physikal. Inst. der Univ. Wien bei Georg Stetter. Gem. mit Marietta Blau gelang es ihr 1932, die Energie von Protonen zu bestimmen, die bei Kernprozessen durch die Einwirkung von Neutronen entsteht. I. d. F. wandten sich Blau und W. der Frage zu, ob man mit Hilfe der von Blau entwickelten photograph. Methode die kosm. Höhenstrahlung näher charakterisieren könne. 1937 gelang es ihnen, auf Platten, die vier Monate lang der Strahlung exponiert gewesen waren, Bahnspuren von Atomkernbruchstücken zu erkennen, die von einem gem. Punkt ausgingen, sog. Zertrümmerungssterne. Die Berr. über diese Ergebnisse, die die Berechnung der extrem hohen Energien der aus der Tiefe des Alls kommenden Teilchenstrahlung ermöglichten, fanden weltweit Beachtung. W., die bereits im März 1934 der illegalen NSDAP beigetreten war, erhielt im April 1938 eine Stelle als Ass. 3. Kl. am Vereinigten I. und II. Physikal. Inst. der Univ. Wien; 1940 Priv.Doz. für Physik, 1941 Ernennung zum Doz. neuer Ordnung. 1945 ihres Amts enthoben, wurde sie in die UdSSR verschleppt. Nach ihrer Rückkehr 1946 hielt sie noch einige Jahre als Mitgl. der Ges. für Natur und Technik populäre Vorträge, veröff. Beitrr. in „Natur und Technik“, der Z. dieser Ges., und war in der Ind.forschung erfolgreich tätig. 1936 erhielt sie gem. mit Blau den Haitinger-Preis, 1937 den Ignaz L. Lieben-Preis der Österr. Akad. der Wiss.

Weitere W.: s. Bischof, 2000, 2002.
L.: Poggendorff 7a; G. Wagner, in: Natur und Technik 4, 1950, S. 142; G. Stetter, in: Österr. Chemiker-Ztg. 51, 1950, S. 234; G. Stetter – H. Thirring, in: Acta physica Austriaca 4, 1950, S. 318ff.; B. Bischof, Physikerinnen, Wien 1998, S. 20f. (Kat., m. B.); B. Bischof, Frauen am Wr. Inst. für Radiumforschung, formal- und naturwiss. DA Wien, 2000, S. 137ff. (m. W.); B. Bischof, in: Wissenschafterinnen in und aus Österr., ed. B. Keintzel – I. Korotin, 2002 (m. B. u. W.); R. Rosner, in: Die wiss. Welt von gestern, ed. R. W. Soukup, 2004, S. 314ff. (m. B.); D. Angetter – M. Martischnig, Biografien österr. PhysikerInnen, 2005, S. 152f.; F. Steger – H. Friedmann, in: Strahlenschutz aktuell 45, 2011, S. 12f. (m. B.); UA, Wien.
(R. W. Soukup)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 478f.
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