Wanderley, Germano (1845–1904), Architekt und Lehrer

Wanderley Germano, Architekt und Lehrer. Geb. Recife (?) (BR), 21. 4. 1845; gest. Brünn, Mähren (Brno, CZ), 31. 10. 1904; evang. AB. Vater des Architekten Hugo W. (geb. Eckernförde, Dt. Reich/D, 10. 3. 1871; gest. Brünn, 9. 6. 1904), der 1896–99 an der Wr. ABK bei →Otto Wagner lernte; verheiratet mit Valeska W. – W. stud. in Hamburg, Siegen und an der Berliner Bauakad. Ab 1868 wirkte er als Lehrer an der städt. Baugewerkschule Eckernförde und ab 1875 als Prof. der Baukde. an der dt. Staats-Gewerbeschule in Brünn, wo er u. a. →Leopold Bauer, Josef Hoffmann und →Adolf Loos unterrichtete. In Eckernförde entwarf W. neue Gebäude für die Baugewerkschule und das Krankenhaus (1870). I. d. F. spezialisierte er sich auf die Errichtung landwirtschaftl. Gebäude („Die ländlichen Wirtschaftsgebäude in ihrer Construktion, ihrer Anlage und Einrichtung“, 4 Bde., 1876–86); sein Projekt für eine Gehöftanlage wurde in der Land- und forstwirtschaftl. Ausst. in Wien 1890 mit der silbernen Medaille prämiert. Später erbaute er auch Mietshäuser, einige gem. mit dem Baumeister Johann Zoufal in Brünn. Als Architekt verwendete er eine breite Stilpalette des Späthistorismus. Im Neugot. Stil baute er die Kirche St. Florian (gem. mit Vojtěch Dvořák und Karel Welzl, 1898–99) und das Pfarrhaus von St. Jakob (1900–02). Im Stil der italien. Neorenaissance projektierte er in Brünn das Dt. Haus (2. Preis, 1886, nicht realisiert) und das Allg. K. Franz Joseph-Versorgungshaus (1888–89). Eine neobarocke Formensprache wählte er für die Villa Langer (1888–91), im Stil der dt. Neorenaissance wurde die Bibl. (1892) sowie im klassizist. Barock die Sparkasse erbaut (alle Zwittau). Eklektizismus zeigt sich an den Fassaden des Mietshauses der Familie Emmer in Mähr. Schönberg (1897) oder im Valentin Gerstbauer’schen Stiftungshaus in Brünn (1899–02). Daneben verf. er Fachbücher, u. a. das mehrfach aufgelegte mehrbändige „Handbuch der Bau-Constructionslehre“ (1873, 2. erw. Aufl. 1877). W. war Mitgl. des Mähr. Kunstver. sowie des Ver. der Baumeister in Mähren und Schlesien und wurde 1898 zum Baurat ernannt. Weiters gehörte er der Jury vieler architekton. Wettbewerbe an, so z. B. für den Brünner städt. Gen.regulierungsplan (1902), und war Mitgl. der Prüfungskomm. für Bewerber um Bau-, Maurer-, Steinmetz-, Zimmer- und Brunnenmeister-Berechtigungen (1894).

Weitere W.: Süderschanzen-Denkmal, 1870 (Eckernförde); Villa mit Wirtschaftsgebäude, 1882 (Tłumacz); Wirtschaftshof, 1882 (Kis-Borsa); Wanniecks Warenhaus, 1883 (Brünn); Evang. Kirche, 1890 (Chrostau).
L.: Tagesbote aus Mähren und Schlesien, 11. 3. 1890, 31. 10., 1., 3. 11. 1904; Jahres-Ber. der k. k. Staats-Gewerbeschule in Brünn 3ff., 1876/77ff.; Dt. Südmährerbl. 2, 1904, Nr. 44, S. 9; Der Bautechniker 24, 1904, S. 1011, 25, 1905, S. 4; P. Zatloukal, in: Vlastivědný věstník moravský 47, 1995, S. 14ff.; M. Magniová, G. W., architekt poslední čtvrtiny 19. století, DA Brno, 1997; P. Genz, Bauen über die Region hinaus. Architekten aus der Baugewerkschule Eckernförde 1868–1968, 2006, S. 12ff.; P. Zatloukal, A Guide to the Architecture of Brno 1815–1915, 2006, s. Reg.
(J. Galeta)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 479f.
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