Wándza (Vándza) von Somkút und Perecsen, Mihály (1781–1854), Schauspieler, Theaterdirektor, Schriftsteller, Maler und Kupferstecher

Wándza (Vándza) von Somkút und Perecsen Mihály, Schauspieler, Theaterdirektor, Schriftsteller, Maler und Kupferstecher. Geb. Perecsen, Ungarn (Pericei, RO), 12. 10. 1781; gest. Miskolcz (Miskolc, H), 1854; evang. HB. W. lernte zunächst bei dem Maler Gottfried Neuhauser in Klausenburg. Anschließend besuchte er 1808–09 gem. mit Pál Balkay, Sámuel Kiss, Elek Marczinkey und Sámuel Nagy die Wr. ABK. In Wien schloss er mit →Ferenc v. Kazinczy sowie Emanuel Schikaneder Bekanntschaft. Letzterer scheint maßgebl. Einfluss auf W. ausgeübt zu haben, denn nach der Rückkehr nach Siebenbürgen eröffnete W. 1810 mit Unterstützung von Ilona Baronin Wesselényi v. Hadad ein Theater in Klausenburg. 1812–20 Wanderschauspieler und Dir. der Truppen in Neumarkt, Miskolcz, Szegedin, Debreczin und Großwardein, wirkte W. als Schauspieler, Regisseur und Bühnenmaler. Er spielte u. a. die Titelrollen in William Shakespeares „Hamlet“ und „Macbeth“ sowie in Karl Friedrich Henslers „Rinaldo Rinaldini“ und trat auch als Karl in Friedrich Schillers „Die Räuber“ in Erscheinung. Als Regisseur und Bühnenmaler legte er bes. Wert auf Bühnenbilder, szen. Bühnenattraktionen, Ballett- und Tanzeinlagen sowie Lichteffekte. Seine Inszenierungen wurden in der Korrespondenz zwischen →Gabriel Döbrentei und Kazinczy ausgesprochen gelobt (1811). Des Weiteren wirkte W. als Dramatiker, u. a. als Autor eines Lustspiels über den ung. Räuberhptm. Márton Zöld („Zöld Martzi, vagy az úton álló haramia“, 1815). Ab 1820 gestaltete er zwar Bühnenbilder und szen. Attraktionen für die Schauspieltruppen in Miskolcz und Kaschau, war aber theatral. nicht mehr aktiv und befasste sich fast ausschließl. mit Malerei und Kupferstecherei. So entwarf er u. a. das Titelbl. der berühmten, gegen die Spracherneuerung gerichteten Spottschrift „Mondolat“ (1813). Seine Porträts, Stillleben und Historiengemälde – z. B. die 1828 in Pest ausgest. Bildnisse über die erste Begegnung Matthias Corvinus’ mit dessen späterer Gemahlin Beatrix v. Aragón bzw. über die Vermählung der ung. Kgn. Maria I. mit Sigismund v. Luxemburg – sind größtenteils verschollen. Das vor einigen Jahren in den Smlgg. des Miskolczer Herman-Ottó-Mus. aufgetauchte Gemälde des ung. Fürsten Kund („Kund vezér“) sowie das 1831 entstandene, K. →Ferdinand I. darstellende Kniestück („V. Ferdinánd“, József Attila Múz., Makó) zeugen von einem talentierten Maler.

L. (s. auch Vándza): M. Életr. Lex.; Művészeti Lex. I, II; Szinnyei; Thieme–Becker; ÚMÉL; Színészeti lex. 2, 1930; D. Tóth, A magyar népszínmű zenei kialakulása, 1930, passim; Magyar színművészeti lex. 4, 1931; M. Csery-Clauser, in: Erdélyi Múz. 13 (47), 1942, S. 262ff.; D. Pataky, A magyar rézmetszés története, 1951; Színházi kislex., 1969; Gy. Seregélyi, Magyar festők és grafikusok adattára, 1988; Magyar színháztörténet 1, ed. Gy. Székely – F. Kerényi, 1990, s. Reg.; B. Tarcai, in: A Herman Ottó Múz. Évkönyve 30–31/1, 1993, S. 375ff.; Magyar színházművészeti lex., 1994; T. Szabó, in: Múz. kutatások Csongrád megyében 1998, 2000, S. 55ff.; A. Pirint, in: Herman Ottó Múz. Évkönyve 39, 2000, S. 341ff.; J. Papp, in: Ars Hungarica 28, 2000, S. 197ff.; Új magyar irodalmi lex. 3, 2. Aufl. 2000; Színészkönyvtár (nur online, Zugriff 26. 11. 2016).
(Á. Z. Bernád)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 480f.
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