Wang, Ferdinand Edler von (1855–1917), Forsttechniker

Wang Ferdinand Edler von, Forsttechniker. Geb. Bolechowitz, Böhmen (Bolechovice, CZ), 24. 12. 1855; gest. Wien, 26. 4. 1917; röm.-kath. Sohn von Nikolaus Wang, Gutsbesitzer in Bolechowitz, und dessen Frau Gabriele Wang, geb. D’Hoop; verheiratet mit Josefine Bamberger (geb. Kastengstatt, Tirol, 16. 7. 1860). – Nach dem Besuch der Oberrealschule in Wien stud. W. 1872/73 an der Ing.schule des Dt. Polytechn. Landesinst. in Prag, anschließend an der Ing.schule der TH in Wien. 1877 wechselte er an die BOKU (Stud.richtung Forstwirtschaft), wo er 1878 ein Absolutorium erhielt. 1874 war er als Einjährig-Freiwilliger in das Geniergt. Nr. 2 eingetreten. Seine Karriere beim Staatsforstdienst begann W. 1878 als Forsteleve in der Forst- und Domänen-Dion. Salzburg. Nach Ablegung der Prüfung für den forsttechn. Staatsdienst 1881 erfolgte ein Jahr später seine Ernennung zum Forstass., ab 1884 diente er schließl. als Forstinspektions-Adjunkt in Cilli. 1886 wurde W. der Wildbachverbauungs-Sektion Villach zugeteilt, im Folgejahr der Expositur dieser Abt. in Brixen. 1887 kam er als Hon.-Doz. für Wildbach- und Lawinenverbauung an die BOKU nach Wien, wo er 1890 ao. Prof., 1892 zusätzl. Hon.-Doz. für Photogrammetrie, 1894 für forstl. Bauing.wesen und 1911 für Stereophotogrammetrie sowie 1912 o. ö. Prof. wurde. Neben seiner Hochschultätigkeit wirkte er ab 1889 im Dep. für Forstpolizei und Wildbachverbauung des Ackerbau-Min. Als dort 1902 für die Agenden der Wildbachverbauung ein eigenes Dep. geschaffen wurde, übernahm W. dessen Leitung (1908 Min.Rat). Das Gesetz betreffend die Förderung der Landeskultur auf dem Gebiete des Wasserbaues (1904) ist auf seine Anregung und Verdienste zurückzuführen. Als Fachschriftsteller legte W. mit dem „Grundriss der Wildbachverbauung“ (2 Bde., 1901–03, Nachdruck 2011) ein richtungsweisendes Werk vor. Neben seiner Lehrtätigkeit im Wildbachverbauungsfach war er bestrebt, das Verständnis für den Wert der Verbauungen in weiten Kreisen zu wecken. Den hohen Stand der heim. Technik konnte er durch gelungene Darstellungen auf der Pariser Weltausst. 1900, der Adria-Ausst. in Wien 1913 und der Leipziger Baufach-Ausst. 1913 zur Geltung bringen. Im Österr. Ing.- und Architekten-Ver. war er 1910 und 1911 Obmann der von ihm initiierten Fachgruppe für Bodenkultur-Ing. und wiederholt Verw.R.-Mitgl. W. erhielt 1901 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens, 1914 wurde er Ritter des Leopold-Ordens. Anlässl. seines Ausscheidens aus dem aktiven Dienst erfolgte 1916 W.s Erhebung in den Adelsstand.

Weitere W.: Fortschritt und Erfolg auf dem Gebiete der Wildbachverbauung, 1890; Die Photogrammetrie oder Bildmesskunst im Dienste des Forsttechnikers, in: Mitth. des krain.-küstenländ. Forstver., 1893; Die Gesetze der Bewegung des Wassers und des Geschiebes, die Berechnung der Wasserabflußmengen und der Durchflußprofile, 1899; Die Wildbachverbauung, in: Geschichte der österr. Land- und Forstwirtschaft und ihrer Ind. 1848 bis 1898, 1900; Die Wildbach- und Lawinenverbauung, in: Hdb. der Forstwiss. 4, begründet von T. Lorey, 1903; Die Photogrammetrie, in: Th. Tapla, Grundzüge der niederen Geodäsie, 1908.
L.: Die K. K. Dt. TH in Prag 1806–1906, red. F. Stark, 1906, S. 479; Zur Gedenkfeier der Gründung der Forst-Lehranstalt Mariabrunn 1813 und der k. k. Hochschule für Bodenkultur in Wien 1872, 1913, S. 166, 171ff.; E. Böhmerle, in: Mitt. des Nö. Forstver. 44, 1917, S. 18f.; J. Marchet, in: Centralbl. für das gesamte Forstwesen 53, 1917, S. 65f.; ZÖIAV 69, 1917, S. 418 (m. B.); C. Leeder, in: Österr. Vjs. für Forstwesen, NF 35, 1918, S. 37; 60 Jahre Hochschule für Bodenkultur in Wien 2, 1933, S. 109f.; G. Strele, in: Bll. für Geschichte der Technik 5, 1938, S. 115f.; H. Partisch, Österreicher aus sudetendt. Stamme 4, 1967; 100 Jahre Hochschule für Bodenkultur in Wien 1, 1972, S. 291; H. Killian, Der Kampf gegen Wildbäche und Lawinen im Spannungsfeld von Zentralismus und Föderalismus 2, 1988, S. 198.
(P. Wiltsche)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 481
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