Warchalowski, Adolf (1886–1928), Konstrukteur und Pilot

Warchalowski Adolf, Konstrukteur und Pilot. Geb. Wien, 22. 5. 1886; gest. ebd., 22. 5. 1928; röm.-kath. Sohn von →Jakob W. und dessen 2. Frau Amalia W., Bruder des Ing. Karl W. (geb. 15. 7. 1879; gest. 1939), Halbbruder von Josef W. (geb. 13. 12. 1869; gest. 14. 7. 1917) und →August W.; ab 1913 verheiratet mit Wilhelmine W. (geb. 27. 2. 1892). – W. betrieb allg. techn. Stud., die er in Wien und teils auch im Ausland absolv. Er betätigte sich anschließend hauptsächl. als Konstrukteur in verschiedenen Maschinenfabriken in Wien, Budapest und Brünn. Zuletzt trat er in die Fa. Werner & Pfleiderer in Wien-Ottakring ein, deren Dir. August W. war. Im Herbst 1909 wurde er zusammen mit seinem Bruder Karl nach Paris zu Henri Farman zur Pilotenausbildung und Übernahme eines Doppeldeckers entsandt und lernte in Mourmelon-le-Grand Fliegen. Nach seiner Rückkehr wurde in Wr. Neustadt ein Doppelhangar errichtet. Der erste vorsichtige Sprung gelang in Wr. Neustadt im November 1909, Anfang Februar 1910 folgte der erste Einzelflug, anschließend der erste Flug mit Betriebsleiter Heinrich Eisterer und Mitte des Monats die ersten Passagierflüge. Im selben Monat fand auch die erste Preiskonkurrenz statt: ein Dauerflug von 15 km (2.000 Kronen) und ein Passagierflug mit 5 km (4.000 Kronen). Anfang März gelang der erste Stundenflug in Österr., bei dem W. in 80–100 m Höhe flog. Bald darauf folgten ein 10 km-Preis der Aeronaut. Komm. sowie der erste Damen-Passagierflug mit Anna W. (10 min in 20–30 m Höhe). Im April 1910 legte W. als erster Österreicher die Pilotenprüfung ab. Auf den Erfahrungen mit dem „Farman“ aufbauend, wurde im Mai 1910 die Doppeldeckertype Warchalowski „Vindobona“ herausgebracht, mit der W. noch im selben Monat erstmals flog. Im Juni jenes Jahres nahm er am Budapester Meeting teil, flog mit Erzhgn. Augusta, der ersten Erzhgn. Österr., die einen Aeroplan bestieg, und pilotierte tags darauf Erzhg. Josef sowie neuerl. Erzhgn. Augusta. Beim 1. Preisfliegen in Wr. Neustadt errang er im Juli 1910 den ersten Dauerpreis mit 1 h 42 min und den ersten Geschwindigkeitspreis (10 km) mit 9 min 28 sek. Beim 2. Preisfliegen erzielte er den ersten Geschwindigkeitspreis (5 km) in 4 min 44 sek sowie den ersten Passagierpreis mit 4 min 36 sek. Im August 1910 führte W. einen Huldigungsflug für den K. anlässl. dessen 80. Geburtstags von Wr. Neustadt aus über Wien durch. Beim 3. Preisfliegen in Wr. Neustadt (September 1910) wurde er Zweiter im Überlandflug mit 24 min 37 sek (Wr. Neustadt–Neunkirchen–Wr. Neustadt) und gewann im selben Monat den ersten Höhenpreis mit 460 m (österr. Rekord) sowie den Tagespreis für diese Leistung. Ende Dezember 1910 gelang ihm der zehnte Dauerrekord mit Oblt. Asztalos mit 2 h 17 min, was ihm den Grünhutpreis für den besten Aviatiker des Jahres einbrachte. Im Februar 1911 wurde unter W.s Leitung die neue Fa. Österr.-ung. Autoplan-Werke GmbH in Wien in das Handelsreg. eingetragen, die den Doppeldecker und den „Autoplan“ von →Alfred v. Pischof in Serie erzeugen sollte. Mangels Aufträgen ging die Fa. jedoch im Mai 1914 in Liquidation. 1911 schenkten W. und August W. dem späteren K. →Karl und seiner Braut eine Bronzefigur mit einem Warchalowski-Doppeldecker. Im selben Jahr folgte W.s Ernennung zum Feldpiloten. Vom österr. Aero-Club wurde ihm 1912 die Verdienstmedaille in Silber verliehen. Nach dem Krieg wurde W. Dir. der Fa. Werner & Pfleiderer.

L.: Wr. Luftschiffer-Ztg., 1910, S. 75f., 88, 1911, S. 35, 429f.; Flug- und Motor-Technik, 1910, S. 283, 570ff.; Österr. Flug-Z., 1912, S. 279f.; E. Gabriel, „Fliegen 90/71“ 1, Wien 1971, S. 25, 54 (Kat.); R. Keimel, in: FLUG-Informationen 52, 2002, F. 1–2, S. 3ff. (m. B.); R. Keimel, Flugfeld Wr. Neustadt. Die Pionierzeit 1909–12 (= FLUG-Informationen 59), 2009, S. 8ff. (m. B.); E. Putz, W. Wien 1, 2009, bes. S. 64ff. (m. B.); WStLA, Wien.
(R. Keimel)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 487f.
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