Warchalowski, August (1873–1938), Industrieller

Warchalowski August, Industrieller. Geb. Wien, 13. 7. 1873; gest. ebd., 19. 6. 1938; röm.-kath. Sohn von →Jakob W. und Amalia W., (Halb-)Bruder des Fabrikanten Josef W. (geb. 13. 12. 1869; gest. 14. 7. 1917) sowie von →Adolf W. und Ing. Karl W., Vater von DI Viktor W. und DI Rudolf W.; ab 1897 verheiratet mit Anna W., geb. Wratschko, die beachtl. finanzielle Mittel mit in die Ehe brachte. – W. war als Kind Wr. Sängerknabe. Er absolv. ein techn. Stud. im sächs. Mittweida und wurde techn. Reisender bei Ganz & Co, Budapest. Von seinem Vater bekam er eine fundierte techn. und handwerkl. Ausbildung. W. war Verkaufsleiter bei der Ersten ung. Nähmaschinen Fabriks AG. 1896 erwarb er die Bäckereimaschinenfabrik E. Müller (Wien 17), produzierte verschiedene Maschinen für den Bäckerei- und Konditoreibedarf und beschäftigte um die Jh.wende bereits ca. 150 Arbeiter. Nach der Fusion mit der Fa. Werner & Pfleiderer (Wien 16) fungierte er als Dir. und Kommanditist. Er war Inhaber eines Patents für den größten Kunstbackofen der Welt (1897). 1913 gründete W. die Österr. Ind.werke Warchalowski, Eissler & Co., AG in Wien-Ottakring, deren Präs. und Gen.dir. er zusammen mit dem wohlhabenden Ing. Georg Eissler war. Erzhg. →Leopold Salvator stellte die Beziehungen zu den Heeres-Beschaffungsstellen her, was das Unternehmen i. d. F. zu einer der größten privaten Rüstungsfabriken Österr. machte. Erzeugt wurden Feldküchen („Gulaschkanonen“), Kochkisten, Munition und die berühmten Hiero-Flugzeugmotoren. Letztere wurden in Flugzeuge von Lohner, Phönix, Ufag und viele andere eingebaut, hauptsächl. 4- und 6-Zylinder-Reihenmotoren. W. und seiner finanziellen Hilfe ist es zu verdanken, dass seine Brüder Adolf und Karl die ersten Flugversuche mit einem Farman Biplan durchführen konnten, was in weiterer Folge in einer eigenen Produktion von W.-Flugapparaten im Rahmen der Österr.-ung. Autoplanwerke GmbH mündete. Während des 1. Weltkriegs wurde auch eine Lokomotivfabrik angeschlossen, die sich mit der Reparatur von Dampfloks befasste. Nach Kriegsende übernahm sie Großaufträge aus Italien und Rumänien. 1921 gab es 75 Reparaturstände für Dampflokomotiven, mit eigenem Eisenbahnanschluss in Wien-Hernals. Auf einer verbauten Fläche von rund 96.000 m² waren während des 1. Weltkriegs bis zu 3.000 Personen beschäftigt, für die eine Werksküche und separate Arbeiterwohnhäuser zur Verfügung standen. Sämtl. Gerätschaften wurden in der eigenen Fabrik erzeugt, deren Ausstattung von der Modelltischlerei über eine Schmiede bis zum Press-, Stanz- und Ziehwerk reichte. Eine Emailfabrik zur Herstellung von Straßenschildern und Kochgeschirr ging später in die Austria Email über. Kessel, Tanks und Bottiche wurden in der Brauereiabt. Ziemann erzeugt. W. war vor dem 1. Weltkrieg Kronen-Millionär und besaß Villen in Wien-Dornbach und Gmunden sowie das Gut Kaiserhof in Kleinzell bei Hainfeld. 1927 verkaufte er seinen gesamten Aktienbesitz der Ind.werke Warchalowski, Eissler & Co. AG (die 1925 mit der Staatseisenbahn-Ges. fusioniert wurden), widmete sich dem Ausbau und der Führung der von seinem Vater gegr. Motorenwerke in Wien 3 und unterstützte somit seine zwei Söhne. 1929 kaufte er die Gmundner Keramik und erzeugte (in Wien 3) mit deren Kacheln die ersten transportablen W.-Kachelöfen. Als zweite Sparte entstanden in weiterer Folge die Ind.werke Brüder Warchalowski, die sich auf den Vertrieb der Marke Frigidaire und die Herstellung von Kühlmaschinen, Kühlschränken und Kühlräumen spezialisierten. W. war ab 1910 Ritter des Franz Joseph-Ordens.

L.: WZ, 23. 6. 1938 (Parten); F. Mathis, Big Business in Österr., 1987, s. Reg.; M. Wehdorn – U. Georgeacopol-Winischhofer, Baudenkmäler der Technik und Ind. in Österr. 1, 1984, s. Reg.; E. Putz, W. Wien 1, 2009 (m. B.).
(E. Putz)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 69, 2018), S. 488
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