Weber von Ebenhof, Philipp Freiherr (1818–1900), Verwaltungsbeamter

Weber von Ebenhof Philipp Freiherr, Verwaltungsbeamter. Geb. Cerhenitz, Böhmen (Cerhenice, CZ), 30. 4. 1818; gest. Linz (OÖ), 21. 7. 1900; röm.-kath. Sohn des Herrschaftsbeamten Jakob Weber und der Franziska Weber, geb. Freytag, Adoptivsohn seines Onkels, des Gubernialrats und Kreishptm. von Chrudim Wenzel Ritter W. v. E. (1781–1865), Bruder von →Ferdinand Ritter W. v. E. sowie des Sektionschefs im k. k. Ackerbaumin. Ernst Ritter W. v. E. (1823–1893), Vater u. a. des HR des Verwaltungsgerichtshofs Octavian Frh. W. v. E. (1858–1928); ab 1853 verheiratet mit der Grundbesitzerstochter Emma Freifrau W. v. E., geb. Lorenz (1831–1920). – Nach einem Stud. an der Univ. Prag trat W. 1838 als Konzeptspraktikant in den polit. Dienst der Landesverwaltung ein. 1846 als Gubernialkonz. ins Präsidialbüro des böhm. Landesguberniums in Prag berufen, ging er 1847 mit Erzhg. →Stephan Victor, der zum ung. Palatin ernannt worden war, nach Ungarn. Nach der Aufhebung der Grundherrschaft wurde er 1849 Bez.hptm. in Hohenmauth, 1850 stellv. Stadthptm. von Prag sowie Polizeirat I. Kl. 1858 als Statthaltereirat in die böhm. Statthalterei berufen und 1859 zum HR und Polizeidir. von Wien befördert, wechselte er 1860 als Min.rat ins Innenmin., wo er 1864 zum Sektionschef avancierte. 1865 zum Statthalterei-Vizepräs. der nö. Statthalterei ernannt, stieg er schließl. 1870 zum Statthalter von NÖ auf. Nach der Abberufung von →Sigmund Gf. v. Thun u. Hohenstein im selben Jahr wurde W. v. a. wegen seiner Tschech.kenntnisse zum Statthalter von Mähren berufen. Nur zwei Jahre später ersetzte er →Alexander Frh. v. Koller als Statthalter von Böhmen, nicht zuletzt seiner Vertrautheit mit den örtl. Verhältnissen sowie seiner Erfahrungen aus dem Polizeidienst wegen. W. arbeitete ganz im Sinne der Regierung und trat der tschech. Opposition vehement entgegen. Zum Antritt der Regierung Taaffe wurde er – als Zeichen des guten Willens gegenüber der tschech. Bevölkerung – als Statthalter abberufen und 1881 zum Statthalter von OÖ bestellt. Diese scheinbare Degradierung sollte durch die Verleihung des Ordens der Eisernen Krone I. Kl. etwas gemildert werden. W. wurde allg. als apolit. und fachl. versierter Bürokrat angesehen, der unter verschiedenen Regierungen tätig sein konnte. 1889 trat er i. d. R. Bereits 1869 hatte W. den Orden der Eisernen Krone II. Kl. erhalten und war in den Frh.stand erhoben worden; 1872 w. Geh. Rat, 1874 Großkreuz des Franz Joseph-Ordens, 1888 Großkreuz des Leopold-Ordens.

L.: Das Vaterland, 17. 6. 1874; Prager Abendbl., 23. 7. 1900; Wurzbach; A. Starzer, Beitrr. zur Geschichte der nö. Statthalterei, 1897, S. 398ff.; Paměti a listář dr. A. Pražáka 2, ed. F. Kameníček, 1927, passim; A. Vyskočil, Slovník představitelů politické správy na Moravě v letech 1850–1918, 2011; HHStA, Wien; Národní archiv, Praha, Pfarre Dobřichov, beide CZ.
(M. Klečacký)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 32f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>