Weber, Edmund (1900–1949), Funktionär und Journalist

Weber Edmund, Funktionär und Journalist. Geb. Wien, 8. 8. 1900; gest. ebd., 20. 5. 1949; röm.-kath. Sohn des Maschinisten Franz W.; ab 1922 verheiratet mit Emilie W., geb. Eichler. – W. besuchte die Bürgerschule und vier Jahre lang das Landespädagogium in Wien (1919 Matura). 1919–22 war er Red. des „Deutschen Volksblatts“ sowie Mitarb. des „Neuen Montagsblatts“ und fungierte als Korrespondent dt. Ztg. und dt.sprachiger Tagesztg. der Tschechoslowakei. Daneben besuchte er 1921–22 als ao. Hörer (Geschichte und Germanistik) die Univ. Wien. 1922–28 wirkte er als Red. der „Österreichischen Sonntags-Zeitung“ und 1922–24 als Mitarb. des „Neuen Wiener Journals“. 1924–34 arbeitete er als Pressereferent und Konsulent bei der nö. Landwirtschaftskammer und der Präs.konferenz der landwirtschaftl. Körperschaften Österr.; ab 1926 Leiter des von ihm gegr. Pressediensts „Agrarische Nachrichtenzentrale“ (ANZ). 1927–28 war er Vertreter des kath. Radiobunds im Radiobeirat der Österr. Radio Verkehrs AG (RAVAG), im September 1928 wurde er zum Konsulenten des Min. für Land- und Forstwirtschaft und gleichzeitig zum geschäftsführenden Vorstandsmitgl. und Dir. des Agrarverlags Wien bestellt, wobei die ANZ Teil des Verlags wurde. Aus diesen Jahren resultierte seine enge freundschaftl. Verbindung zu Leopold Figl und →Engelbert Dollfuß. Letzterer holte ihn im August 1932 in den Bundespressedienst, wo W. zunächst als Konsulent tätig war. Im Zuge der Reorganisation des staatl. Propagandaapparats übertrug ihm Dollfuß Anfang April 1933 prov. die Leitung der Amtl. Nachrichtenstelle; 1934 formelle Ernennung und HR. In dieser Funktion oblag ihm auch die stärkere Einbeziehung des österr. Rundfunks und die Erwiderung auf die nach dem Verbot der NSDAP gegen die österr. Regierung gerichteten Propagandasendungen des dt. Rundfunks. Nach dem Verbot der Sozialdemokrat. Arbeiterpartei bestimmte ihn Dollfuß zum Präs. des Verwaltungsausschusses der Druck- und Verlagsanstalt Vorwärts, deren Fortbestand W. sicherte. In dieser Funktion nahm er bestimmenden Einfluss auf die Umgestaltung der vormaligen sozialdemokrat. Parteipresse. W. behielt auch nach der Ermordung Dollfuß’ seinen Posten. Wenngleich er nicht über jene finanziellen Mittel zur Beeinflussung der Presse verfügte wie der Chef des Bundespressedienstes Eduard Ludwig, so war seine Bedeutung mindestens gleichwertig. Auf seine Anregung hin entstanden u. a. die illustrierte „Österreichische Woche“ und die „Arbeiter-Woche“. Im März 1938 von der Gestapo verhaftet, wurde er später angeklagt und im Dezember 1940 wegen angebl. Veruntreuung beim Vorwärts-Verlag zu zwei Jahren schweren Kerkers verurteilt. Nach Kriegsende zählte er zu den Mitbegründern der ÖVP. Er wurde zunächst Leiter der Presseabt. der nö. Landesregierung und übernahm auf Wunsch Figls im Jänner 1946 formell die Leitung der Pressesektion des Bundeskanzleramts. Tatsächl. war W. aber als Leiter der Hauptabt. Presse und Propaganda der ÖVP-Bundesparteileitung nach 1945 v. a. mit dem Wiederaufbau der Parteipresse betraut. Auf seine Initiative hin erfolgte die Gründung des Österr. Verlags als zentraler Presseverlag der Partei und die Wiedererrichtung des Agrarverlags. In seiner Funktion im ÖVP-Gen.sekretariat hatte W. auch Anteil am Erfolg der ÖVP bei den Nationalratswahlen im November 1945. Außerdem oblagen ihm 1946–48 die Führung von Verhh. und der Abschluss von Abkommen mit der kath. Kirche und der SPÖ in Presseverlagsfragen. Ab Herbst 1945 fungierte er als Vertreter der ÖVP im polit. Beirat der RAVAG; ab 1946 als Vors. des Aufsichtsrats der Austria Presse Agentur, ferner als Vizepräs. des Verbands der österr. Ztg.verleger. Im Zuge wachsender Differenzen zwischen ihm und Vertretern anderer Bünde, v. a. des Wirtschaftsbunds, bes. in der Frage der Gründung der „Wiener Tageszeitung“, legte W. 1947 seine Funktion als Verlagsleiter zurück und wechselte i. d. R. unter gleichzeitiger Ernennung zum Sektionschef. W. fungierte ab 1937 als Sektionsobmann und Kammervizepräs. der Österr. Pressekammer, war Mitgl. der Dt.-österr. Schriftstellergenossenschaft, des Journalisten- und Schriftsteller-Ver. „Concordia“ (1946 im prov. Vorstand), Mitgl. des Kuratoriums und geschäftsführender Vorstand (ab 1935) der Ges. für Ztg.kde., Mitgl. der Leo-Ges., stellv. Präs. der österr. Sektion der Paneuropa-Union, 1931 ehrenamtl. Pressekonsulent des Bundesmin. für Land- und Forstwirtschaft, 1936 stellv. Leiter des Bundespressediensts, 1937 ehrenamtl. Pressekonsulent des Reichsbauernrats. W. erhielt 1934 das Großoff.kreuz des Ordine della Corona d’Italia und 1936 den tschechoslowak. Řád bílého lva III. Kl.

W.: Sehnsucht. Traumland meiner Seele, 1920; Akkorde. Ein Zyklus, 1921; Der nö. Bauer, 1928; Bauernarbeit in NÖ, 1929; Aus der Geschichte der nö. Landes-Landwirtschaftskammer, 1932. – Ed.: Bauernschriften, 1928ff.; Dollfuß an Österr. Eines Mannes Wort und Ziel, 1935.
L.: NWT, 17., Kleine Volks-Ztg., 20. 12. 1940; Kleines Volksbl., 21., 26., WZ, 21. 5. 1949; Das interessante Bl. 55, 1936, Nr. 51, S. 2 (m. B.); Österreicher der Gegenwart, bearb. R. Teichl, 1951; R. Bohrn, Die „Amtliche Nachrichtenstelle“ in Liquidation, phil. DA Wien, 2009, passim, bes. S. 158f.; AdR, MA 12, UA, WStLA, alle Wien; Nö. LA, St. Pölten, NÖ.
(Th. Venus)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 27f.
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