Weber (Veber), Henrik (Heinrich) (1818–1866), Maler

Weber (Veber) Henrik (Heinrich), Maler. Geb. Pest (Budapest, H), 24. 5. 1818; gest. Budapest (H), 14. 5. 1866; evang. Sohn eines Tuchhändlers. – Nach Absolv. des evang. Gymn. (1834) lernte W. bei dem Porträtmaler Johann Tobias Kaergling in Pest und stud. 1835–40 an der Wr. ABK bei →Leopold Kupelwieser, →Johann Nepomuk Ender und →Karl Gsellhofer (1837 Gundel-Preis). 1838–39 stellte er Genrebilder in Wien aus. Nach kurzem Aufenthalt in Pest, wo er als Porträtist arbeitete, reiste er im Sommer 1840 nach München, um sich zwei Jahre lang an der dortigen ABK weiterzubilden. 1842 kehrte er nach Pest zurück und stellte seine Bilder im Pester Kunstver. aus. 1845–47 unternahm er Stud.reisen nach Venedig, Ferrara, Bologna, Florenz, Livorno, Rom und Neapel („Neapolitanerin“, Magyar Nemzeti Galéria, Budapest), 1847 ließ er sich wieder in Pest nieder. W. zählte zu den charakterist. Malern des Biedermeier in Ungarn und arbeitete in vielen verschiedenen Gattungen. Sehr bekannt und beliebt sind seine Familienporträts („Der Komponist Mihály Mosonyi und seine Frau“, 1840er-Jahre, Magyar Nemzeti Galéria; „Die Familie Weber“, 1846, Budapesti Történeti Múz.), die eine intime und gemütl. Atmosphäre widerspiegeln. Seine Werke dokumentieren das bürgerl. Leben in Pest mit Präzision, Feingefühl und Humor („Der Pester Bürger“, 1840er-Jahre). Daneben schuf W. Genrebilder und Szenen aus der Geschichte Ungarns. In seinen kleinformatigen Historienbildern wählte er, statt der großen Ereignisse der ung. Geschichte, sentimentale Szenen („Tod des Feldherren János Hunyadi“, 1844; „König Matthias und die schöne Frau des Hirten“, 1845, Privatsmlg.; „König Salomon im Gefängnis“, 1847, Magyar Nemzeti Galéria). Nach 1850 wurden mehrere seiner Historienbilder als Lithographien – tw. von ihm selbst angefertigt – vervielfältigt. 1852 stellte er seine Arbeit „Zwei ruhende Löwen“ (Budapesti Történeti Múz.) aus. Sein „Einzug von Matthias Corvinus in Ofen … 1452“ (1846) wurde 1853 vom Pester Kunstver. als Kunstbl. ausgewählt und gedruckt. 1854 schuf W. Illustrationen für →Gábor Frh. Prónay v. Tótpróna u. Blatnicas „Vázlatok Magyarhon népéletéből“ (dt. „Skizzen aus dem Volksleben in Ungarn“, 1855) sowie für die von Sándor Balázs hrsg. WS „Ország Tükre“. 1855 hielt er sich nochmals für drei Monate in Italien auf. Da Henrik (Heinrich) W. ein sehr gängiger Name war, wurden ihm oftmals Bilder zugeschrieben, die zwar diese Signatur tragen, aber stilist. von seinen anderen Werken abweichen (z. B. „Kinder mit Spielzeug“, Magyar Nemzeti Galéria).

L.: M. Életr. Lex.; Művészeti Lex. I, II; Thieme–Becker; Wurzbach; Der Spiegel (Pest), 1845, S. 947, 1852, S. 747, 809; I. Nagy, in: Századok 8, 1874, S. 202; E. Koday, W. H. (1818–66), 1943; L. Beke u. a., Magyar művészet 1800-tól napjainkig, 2002, S. 288, 315ff., 330f.; G. Szvoboda Dománszky, A magyar biedermeier, 2011, S. 59, 64, 90, 92, 133, 146ff.; Sz. Rád, Das Leben und Werk des … Malers und Kunstprof. S. (A.) v. Wagner …, Diss. Würzburg, 2014, S. 31ff.; ABK, Wien.
(N. Veszprémi)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 29f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>