Węclewski, Zygmunt (1824–1887), Altphilologe

Węclewski Zygmunt, Altphilologe. Geb. Meseritz, Preußen (Międzyrzecz, PL), 1. 5. 1824; gest. Lemberg, Galizien (L’viv, UA), 14. 8. 1887; röm.-kath. Sohn des Gerichtsbeamten Sylwester W. und dessen Frau Tekla Węclewska, geb. Zakęska. – W. absolv. 1845 das Gymn. in Posen und stud. anschließend bis 1848 klass. Philol. an der Univ. Breslau bei Friedrich Hasse und Karl Ernst Christoph Schneider. 1848–63 war er Oberlehrer am kath. Gymn. in Posen. 1863 wurde W. mit der Diss. „De Sophoclis Oedipo Rege commentatio“ an der Univ. Halle prom. und zog im selben Jahr nach Warschau, wo er einen o. Lehrstuhl für klass. Philol. an der Szkoła Główna Warszawska übernahm. 1869 wurde er anlässl. der Umgestaltung der Hochschule in eine rein russ. Univ. von der Regierung entlassen. Drei Jahre lang blieb W. ohne feste Stelle und nahm erst im Herbst 1872 einen Ruf nach Lemberg an. Dort wurde er o. Prof. für klass. Philol. an der Univ., die kurz zuvor polonisiert worden war, und unterrichtete bis zu seinem Tod. Er war Leiter des Lehrstuhls für klass. Philol. und der latein. Abt. des philolog. Seminars sowie des philolog. Proseminars; 1875/76 Dekan der phil. Fak., 1877/78 Rektor der Univ. Zu seinen Schülern und Studenten zählten u. a. der Altphilologe und spätere Priv.Doz. an der Univ. Lemberg Michał Jezienicki sowie →Ivan Franko. Als großer Kenner des Altertums, bes. der antiken Literatur und des antiken Theaters, war W. Autor zahlreicher Monographien und Aufsätze zu verschiedenen Problemen der klass. Philol., der alten Geschichte und der Geschichte der poln. Forschungstätigkeit im Bereich des Altertums. Darüber hinaus veröff. er ein latein.-poln. („Słownik łacińsko-polski do autorów klasycznych“, 1851) sowie ein griech.-poln. Wörterbuch („Słownik grecko-polski“, 1869), die beide mehrfach aufgelegt wurden. Seine größte Leistung war die Übers. sämtl. Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides ins Poln., die unter dem Titel „Tragicy greccy“ erschienen (3 Bde., 1873–82). Einige Übers. von Werken anderer antiker Autoren (z. B. Thukydides, Demosthenes, Cicero und Tacitus) aus der Feder von W. sind als Ms. erhalten geblieben und werden in der Univ.bibl. L’viv aufbewahrt. W. gab auch einige mittelalterl. und neuzeitl. Quellen zur Geschichte Polens heraus. Er war ab 1873 o. Mitgl. der AU in Krakau.

Weitere W. (s. auch Smereka): De rebus Epidauriorum, 1854; Historya literatury greckiéj, 1867; Wiadomość o życiu i pismach G. E. Grodka, 1876. – Nachlass: Univ.bibl., L’viv, UA.
L.: Gazeta Lwowska, 24. 8. 1887; Wurzbach; F. Majchrowicz, in: Eos 1, 1894, S. 113ff.; S. Mieczyński, in: Szkoła Główna Warszawska (1862–69), 1, 1900, S. 161ff. (m. B.); S. Węclewski, Wspomnienia o Z. W., jego pochodzeniu, rodzinie i zawodzie naukowym, 1934 (m. B.); J. Smereka, in: Eos 39, 1938, S. 217ff. (m. B. u. W.).
(K. Królczyk)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 35
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