Weeber (Weber), Heinrich Cäsar (1811–1891), Forstwirt

Weeber (Weber) Heinrich Cäsar, Forstwirt. Geb. Teschen, Schlesien (Cieszyn, PL), 14. 2. 1811; gest. Turas, Mähren (Brno, CZ), 8. 3. 1891; röm.-kath. Sohn des Kaufmanns Philipp Weber und der Josepha Weber, geb. Liebich; ab 1842 verheiratet mit Franziska W., geb. Edle v. Welzenstein. – Nach Besuch des Gymn. absolv. W. die beiden phil. Jgg. an der Univ. Prag und begann 1830 die prakt. Arbeit beim Forstamt der Herrschaft Křeslitz. I. d. F. wirkte er bei einigen forstl. Vermessungen und Schätzungen in Böhmen und NÖ gem. mit →Christoph Liebig mit und wurde 1832 zur Betriebseinrichtung der Herrschaften des Bistums Breslau nach Freiwaldau, Friedeberg, Jauernig und Zuckmantel in Österr. Schlesien geschickt. Ab 1837 war er im Zuge dieser Aufgabe mit der Kopierung der Kataster-Aufnahmekarten des Grundbesitzes im Bistum Brünn beschäftigt, wo er sich 1838 beim mähr.-schles. Landrecht als Forst-Taxator beeiden ließ und bis 1840 an der Inventur der habsburg. Kronlehen in Mähren und Schlesien arbeitete. Nachdem ihm der Präs. der österr. Hofkammer, Peter Joseph v. Eichhoff, die Forstinspektion auf seinen Besitzungen in Mähren und Podolien übertragen hatte, erwarb sich W. den Ruf eines ausgez. Landgeometers, Forstwirts und Schätzmeisters. Im Rahmen solcher Tätigkeiten stud. er insgesamt 111 Herrschaften und Güter, darunter auch die Fürstl. Liechtenstein’schen Besitzungen. W. schrieb zahlreiche Aufsätze in Fachz., darunter die erste forstl. Bibliographie „Prospekt der deutschen Forstliteratur von ihrem Beginnen bis zum Jahre 1830“ (in: Oesterr. Bll. für Literatur und Kunst, Geschichte, Geografie, Statistik und Naturkde. 1, 1844). Monograph. publ. er den „Leitfaden für den Unterricht und die Prüfung des Forstschutz- und technischen Hilfspersonales in den k. k. österreichischen Staaten“ (1856, 7. Aufl. 1886), „Die Landgüter Mährens und Schlesiens nach ihren resp. Besitzern und Cultursflächen“ (1857, 2. Aufl. 1864 unter dem Titel „Die Landtäflichen und Lehen-Güter im Markgrafthum Mähren und Herzogthum Schlesien“) und „Boden und Clima in Beziehung auf Forst- und Landwirthschaft im österreichischen Kaiserstaate“ (1860). 1850–85 war er u. a. Red. der „Verhandlungen der Forst-Section für Mähren und Schlesien“ (ab 1870 „Verhandlungen der Forstwirthe von Mähren und Schlesien“). Anlässl. der Wr. Weltausst. 1873 beschrieb er in „Das Markgrafthum Mähren“ die landwirtschaftl. Verhältnisse der Region. W. war u. a. ab 1836 k. M. der mähr.-schles. Ges. zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskde. in Brünn und der Schles. Ges. für vaterländ. Cultur, 1849 Gründungsmitgl. des mähr.-schles. Forstver. und ab 1854 Korrespondent der Geolog. Reichsanstalt in Wien. 1873 erhielt er das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Nach ihm wurde 1886 die Rosa weeberi benannt.

Weitere W.: s. Wurzbach; Futák – Domin; Syniawa.
L.: WZ, 1. 11. 1873; Mähr. Tagbl., 10. 3. 1891; Wurzbach (m. W.); Ch. d’Elvert, Geschichte der k. k. mähr.-schles. Ges. zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskde. …, 1870, s. Reg.; Biographien zur Gallerie berühmter und verdienter Forstmänner, ed. G. v. Schwarzer, 1870, S. 25f.; Wr. Landwirthschaftl. Ztg. 41, 1891, S. 167; Oesterr. Forst-Ztg. 9, 1891, S. 103; J. Futák – K. Domin, Bibliografia k flóre ČSR do r. 1952, 1960, S. 651 (m. W.); Biografický slovník Slezska a severní Moravy 9, 1997, S. 124f.; K. Rodan, in: Acta historica Neosoliensia 9, 2006, S. 238ff.; M. Syniawa, Biograficzny słownik przyrodników śląskich 1, 2006, S. 398f. (m. B. u. W.); Kostel svatých Janů, Kostel Zvěstování Panny Marie, beide Brno, CZ.
(M. Svojtka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 37
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