Wegenstein, Carl Leopold (Leopold Michael) (1858–1937), Orgelbauer

Wegenstein Carl Leopold (Leopold Michael), Orgelbauer. Geb. Kleinhadersdorf (NÖ), 16. 4. 1858; gest. Timișoara (RO), 10. 3. 1937; röm.-kath. Sohn des Gastwirts Leopold W. und der Theresia W., geb. Köstinger, Vater von Richard W. (geb. 10. 6. 1886; gest. Timișoara, 24. 3. 1970), Josef W. (geb. 4. 3. 1894; gest. Timișoara, 14. 6. 1930) und Victor W. (geb. 9. 6. 1901; gest. Timișoara, 23. 10. 1964), die in W.s Betrieb eintraten, Schwiegersohn des Instrumentenbauers Josef Hromadka; ab 1885 verheiratet mit Maria W., geb. Hromadka. – W. absolv. seine Lehre in Wien und verbrachte seine Wanderjahre bei namhaften Orgelbauern in Dresden (Kaufmann, Jehmlich), Berlin (Dinze), Stuttgart (Weigle), Erfurt (Hickmann), Göttingen (Giesecke) und Luzern (Goll). Ab 1880 war er in der Werkstatt von Josef Hromadka in Temeswar tätig. 1886 erhielt er die Bürgerrechte, übernahm 1888 den Betrieb seines Schwiegervaters und gründete die Erste pneumat. Orgelbauanstalt Südungarns. 1893 eröff. er eine eigene Werkstatt mit modernen Dampfmaschinen und ab den 1920er-Jahren auch mit elektr. Geräten. 1896 erhielt W. auf der Budapester Millenniumsausst. für sein Opus 18, das später in der Katharinenkirche aufgestellt wurde, eine Ausz. Weitere große Instrumente entstanden für die Synagoge, die Maria-Radna-Kirche, die Millenniumskirche in Temeswar-Fabrikstadt und die St. Josef-Kathedrale in Bukarest. Für 30.000 Kronen erhielt W. 1908 den Auftrag zu einer Orgel für die Domkirche in Temeswar, die über 3 Manuale, 48 Register verfügte und elektr. betrieben wurde. Eine der größten und in der Orgellandschaft Vojvodina bedeutendsten Orgeln baute W. 1912 mit zwei Manualen und Pedal, 35 Registern, über 2.000 Pfeifen, pneumat. Traktur, Crescendowalze und zahlreichen festen und freien Kombinationen für die St. Gerhard-Kirche in Werschetz. 1913 waren 122 Orgeln fertiggestellt. W.s Unternehmen, das neben →Otto Rieger in Budapest und József Angster in Fünfkirchen zu den renommiertesten Orgelbaubetrieben in Ungarn zählte und in dem fast 400 Orgeln und Harmonien gebaut wurden, beschäftigte anfangs 9 Mitarb., Ende der 1930er-Jahre rund 50. Nach dem Eintritt seiner Söhne in das Unternehmen 1926 hieß die Fa. Carl Leopold Wegenstein und Söhne. 1937 folgte ihm Richard W. als Leiter nach. 1948 wurde die Fa. verstaatlicht und der Betrieb wenig später eingestellt.

L.: Neue Banater Ztg., 17. 7. 1975 (m. B.); K. Teutsch, Siebenbürgen und das Banat, 1997, S. 94f.; F. Metz, Die Kirchenmusik in Südosteuropa, 2003; W. Sand, Kronstadt. Das Musikleben einer multiethn. Stadt …, 2004, s. Reg.; F. Metz, Der Temeswarer Philharmon. Ver., 2005, S. 466; H. Binder – W. Kindl, in: Ars organi 54, 2006, S. 259; Ch. Bossert – M. G. Kaufmann, Die Orgel als europ. Kulturgut, 2007, S. 99; Orgel-information.de (Zugriff 13. 7. 2017); Website Ed. Musik Südost (Zugriff 13. 7. 2017); Pfarre Kleinhadersdorf, NÖ.
(I. Nawrocka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 38f.
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