Weger, Josef (Joseph) (1782–1840), Maler, Radierer und Kupferstecher

Weger Josef (Joseph), Maler, Radierer und Kupferstecher. Geb. Castlruth, Tirol (Kastelruth/Castelrotto, I), 23. 3. 1782; gest. Wien (?), 1840 (?); röm.-kath. Sohn des Christian W., eines Malers und Anstreichers, der auch Grödner Holzschnitzereien fasste, und der Maria W., geb. Gostner. – W. erhielt seine erste Ausbildung bei seinem Vater. Mit 18 Jahren ging er nach Brixen und verdingte sich als Anstreicher, daneben malte er Porträts und versuchte sich in der Miniaturmalerei. Einige Jahre später wechselte er nach Bozen, von wo ihn Ende 1806 ein Gönner mit nach Wien nahm. Dort besuchte er die ABK, absolv. zunächst die Kl. für Elementarzeichnung bei Hubert Maurer und stud. bis 1808 Modell- und Antikenzeichnen, vermutl. bei →Franz Caucig. Wahrscheinl. zählte auch →Johann Bapt. v. Lampi d. Ä. zu seinen Lehrern an der Akad. Um 1809 beendete er seine Ausbildung und betätigte sich in Wien v. a. als Maler von Miniaturbildnissen auf Elfenbein, u. a. von Erzhgn. Elisabeth und Erzhg. →Rudolf. Im selben Jahr reiste er als Ges. eines italien. Gf. nach Ungarn, wo er bis 1815 blieb. Dort arbeitete er in der Zeit der napoleon. Kriege erfolgreich als Porträtist. Nach Tirol zurückgekehrt, fertigte er neben Porträts auch Landschaftsbilder und wirkte als Kupferstecher und Radierer. Ab 1819 entstand die Bilderfolge „Haupt-Charaktere vom Volke und Lande Teutsch-Tirols“ mit erläuternden Texten (Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, Innsbruck), in der er die vier hist. Landestle. Tirols anhand der klimat. Bedingungen sowie der Eigenschaften und Trachten der dort lebenden Volksgruppen darstellte. Die Ser. wurde in Ztg. lanciert und im Kasinosaal in Innsbruck öff. ausgest., wodurch er große Bekanntheit erreichte. Er entwarf zwischen ca. 1820 und 1827 eine ähnl. Folge für den italien.sprachigen Raum („Der Kreis Roveredo“, „Der Kreis Trient“, „Der Kirchtag“, „Brautleute mit Begleitung“, „Das Scheibenschießen“, „Feierlicher Aufzug der Tiroler Schützen in Bozen“), die von Alessandro Angeli radiert und von Giuseppe Antonio Marietti in Trient mit einem dt.-italien. Text versehen und verlegt wurden. Mit seinen Trachtengruppen lieferte W. Vorbilder, die aufgrund der damals vorherrschenden Vorliebe für Trachtenbilder viele Nachahmer fanden. 1833 bzw. 1835 schenkte W. dem Ferdinandeum ein Mappenwerk mit insgesamt 101 kleinformatigen Bildnissen der bei der Gründung des Mus.ver. bzw. des Mus. beteiligten Persönlichkeiten („Gezeichnete Porträts sowohl von des Ferdinandeums Begründer als desselben ersten Vorstande, der ersten Curatoren, und ersten Verwaltungs-Ausschusse …“), das u. a. →Karl Gf. Chotek, →Andreas Frh. v. Dipauli, Abt →Alois Röggl, →Alois Pfaundler v. Sternfeld, →Franz Maria Unterberger und →Josef Oellacher zeigt. Die Zeichnungen beweisen W.s Meisterschaft auf dem Gebiet des Biedermeier-Porträts: Mit präzise gesetzten Strichen werden die charakterist. Merkmale des Porträtierten wiedergegeben.

Weitere W.: A. Hofer nach dem Leben gemahlt zu Bozen 1809, nach 1809 (Stadtmus. Hall in Tirol); Huldigung an K. Franz I. durch die Tiroler, 1822 (Österr. Nationalbibl., Wien).
L.: Bote für Tirol, 21. 9. 1820; Tiroler Anzeiger, 30. 4. 1932; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; Wurzbach; Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst 13, 1822, S. 350; F. Tschischka, Kunst und Alterthum in dem österr. Kaiserstaate, 1836, S. 406; H. Hochenegg, Die Tiroler Kupferstecher …, 1963, S. 90, 143; H. Fuchs, Die österr. Bildnisminiatur 2, 1982; W. Telesko, Kulturraum Österr., 2008, S. 296; ABK, Wien.
(U. Marinelli)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 39
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