Wehrenfennig, (Karl) Hermann d. Ä.; fälschl. auch Wehrenpfennig (1822–1881), Architekt

Wehrenfennig (Karl) Hermann d. Ä., fälschl. auch Wehrenpfennig, Architekt. Geb. Goisern (Bad Goisern, OÖ), 28. 5. 1822; gest. Wien, 10. 2. 1881; evang. AB. Sohn des evang. Pfarrers Johann Theodor W. (geb. Gosau, OÖ, 27. 4. 1794; gest. Goisern, 26. 1. 1856) und der Maria Theresia W., geb. Overbeck, Vater von Hermann W. d. J. (s. u.); verheiratet in 1. Ehe ab 1849 mit Maria Anna Edle v. Gapp (1819–1854), in 2. Ehe mit Wilhelmine W. – W. entstammte einer ursprüngl. aus Süddtld. kommenden evang. Pfarrersfamilie. Er stud. 1837–42 am Wr. polytechn. Inst. und 1842–43 an der ABK unter →Peter Nobile. 1843 wurde er als Praktikant in der k. k. Baudion. angestellt. In den frühen 1850er-Jahren wirkte er als Ing.Ass. in der Bauabt. des Handelsmin. und führte die Pläne von →Paul Eduard Sprenger für den Umbau des Stifts Garsten in eine Strafanstalt aus. 1856–58 verantwortete er als Ing. 2. Kl. den Umbau des ehemaligen Klosters im böhm. Karthaus Walditz in ein Gefängnis, 1859 entwarf er Pläne für die österr. Schule in Konstantinopel. 1868 Obering., 1872 Baurat und 1880 Oberbaurat, war er bis 1872 im Min. des Innern, dann bei der nö. Statthalterei angestellt. Neben seiner amtl. Tätigkeit, die u. a. ab 1873 anstelle des nach einer undurchschaubaren Affäre abgezogenen Franz Wilt die Bauinspektion von →Theophil Frh. v. Hansens ABK, die Mitwirkung an den Vorplanungen zum Wr. Justizpalast und die Mitgl.schaft in der Wr. Stadterweiterungs-Comm. umfasste, profilierte sich W. im Wohn- und Villenbau sowie als Spezialist für protestant. Sakralarchitektur. In der Wr. Ringstraßenzone errichtete W. mehrere Wohn- und Geschäftshäuser, u. a. das Haus Fatton am Schubertring (1863). Die Villa von →Otto Klusemann in Gmunden (1873) gilt als exemplar. Gattungswerk des Strengen Historismus. Als Kirchenarchitekt war er v. a. in OÖ tätig, wo bedeutungsmäßig die evang. Kirche von Gmunden (1871–76) herausragt, doch dürfte sein Einfluss auf diesem Gebiet nicht zuletzt wegen seiner familiären Verflechtungen deutl. weitreichender gewesen sein als bisher erfasst. Die W. früher zugeschriebene evang. Kirche von Hallstatt stammt allerdings nicht von ihm. W. war ab 1864 Mitgl. des Österr. Ing.- und Architekten-Ver., wirkte bis 1873 als Dir. der Allg. Wr. Bau-AG und erhielt 1877 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens. Sein Sohn, der Architekt Hermann W. d. J. (geb. Neukematen/Brandstatt, OÖ, 9. 5. 1851; gest. Wien, 23. 5. 1904; evang. AB), stud. 1867–72 an der TH Wien und war anschließend bei der ersten Trassierung des Donau-Oder-Kanals und bei den Donaustrombauten tätig. 1874 wurde er Bauadjunkt bei der nö. Statthalterei und 1882 zum Ing. für den Staatsbaudienst in NÖ ernannt; 1889 Obering., 1899 Oberbaurat im Min. des Innern. In diesen Funktionen wirkte er u. a. in leitender Stellung bei der Bauexpositur in Horn, ab 1887 in der Hochbauabt. des techn. Dep. der nö. Statthalterei (Leitung der Abt. für die techn. Geschäfte bei den Wr. Krankenanstalten), 1894 wurde er in das Hochbau-Dep. des Min. des Innern berufen, ab 1895 fungierte er als Baurat und Leiter sämtl. Kasernenbauten. Ab Ende Dezember 1898 arbeitete er als Bauführer beim Bau der Neuen Burg mit. 1898 wurde er mit dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens ausgez.

Weitere W. (s. auch Architektenlex.): Evang. Kirchen in Gröbming, 1850–53 (Zuschreibung), Gosau, 1858–69, Vöcklabruck, 1872–75; Wohnhäuser Todesco, 1861 (Walfischgasse), 1865 (Hegelgasse), 1869 (Karlsplatz, alle Wien 1).
L.: NFP, 11., 12. (Parte) 2. 1881; Die Wr. Ringstraße 1, 2, 4, 8/4; Der Bautechniker 1, 1881, S. 54; M. Oberhammer, Sommervillen im Salzkammergut … 1830 bis 1918, 1983, S. 80f.; B. Prokisch, Stud. zur kirchl. Kunst OÖ im 19. Jh. 1–2, phil. Diss. Wien, 1984, s. Reg.; S. Bachner, Die evang. Kirchen des Historismus in OÖ, phil. DA Wien, 1994, S. 47, 50ff., 59, 64ff., 76ff.; E. Kirste, Der evang. Kirchenbau in der Stmk. bis 1914, phil. DA Wien, 1996, S. 56f.; E. H. Schuller, Die Evang. Kirche in Vöcklabruck und … K. H. W., phil. DA Salzburg, 2001; Geschichte der bildenden Kunst in Österr. 5, ed. G. Frodl, 2002, S. 214; E. H. Schuller, in: Jb. des Oö. Musealver. 153, 2008, S. 429ff.; M. Schiebinger, Der Sakralbau des Vormärz in Österr. …, phil. Diss. Wien, 2015, S. 416f.; Architektenlex. Wien 1770–1945 (online, m. W., Zugriff 11. 9. 2018); ABK, evang. Pfarre Wien-Innere Stadt, Pfarre Unsere Liebe Frau zu den Schotten, Pfarre Maria Treu, TH, alle Wien. – Hermann W. d. J.: ZÖIAV 56, 1904, S. 489 (m. B.); evang. Pfarre Wien-Innere Stadt, TH, beide Wien.
(W. Krause – Ch. Gruber)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 42f.
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