Weidenhoffer, Emanuel (1874–1939), Politiker

Weidenhoffer Emanuel, Politiker. Geb. Napajedl, Mähren (Napajedla, CZ), 28. 1. 1874; gest. Graz (Stmk.), 18. 10. 1939; röm.-kath. Sohn von Emanuel W., Bez.richter von Napajedl, und dessen Frau Anna W., geb. Strážnická; verheiratet mit Hermine W., geb. Rzeppa. – W. maturierte am dt.sprachigen Obergymn. in Kremsier und stud. ab 1893 Rechtswiss. an der Univ. Wien; 1899 Dr. iur. Danach absolv. er sein Gerichtsjahr am Straflandesgericht Wien und trat i. d. F. als Rechtsberater in den Dienst der K. Ferdinands-Nordbahn. Bei den RR-Wahlen im Mai 1907 kandidierte W. erfolgreich für die Dt. Volkspartei. Im AH sprach er sich gegen die zunehmenden steuerl. Belastungen und für Einsparungen bei Militär und Marine sowie für eine effiziente Verwaltungsreform aus. W., der bereits 1899 in die Ver.- und 1904 in die Zentralleitung des Dt. Schulver. aufgenommen worden war, verlangte eine einheitl. dt. Verh.sprache in der Verwaltung und setzte sich für Dt. als alleinige Unterrichtssprache ein. Bei den RR-Wahlen im Juni 1911 kandidierte er für die Dt.freiheitlichen, verlor die Wahl allerdings gegen →Anton Schlinger. Anschließend übersiedelte er nach Graz, wo der Versuch, W. bei einer Ergänzungswahl im Oktober 1911 als dt.freiheitl. Kandidaten für den RR aufzustellen, aufgrund heftiger innerparteil. Widerstände misslang. Anfang Februar 1912 quittierte er den Dienst bei den Staatsbahnen und wurde bald darauf zum Chefred. des dt.nationalen „Grazer Tagblatts“ bestellt (bis Mai 1914). Im Februar 1915 avancierte W. zum leitenden Sekr. der Sektion Stmk. des Hauptverbands der Ind. Österr. und 1929 zu deren Verbandsanwalt. Nach den Gmd.ratswahlen vom November 1917 zog W. für die Dt.bürgerl. Vereinigung in den Grazer Gmd.rat ein, 1918–23 gehörte er diesem als Vertreter der Dt.demokrat. Partei an. Im Oktober 1923 wurde W. als Abg. der CSP in den Nationalrat gewählt. Dort verteidigte er 1926 die heftig umstrittene Bankenstützungsaktion der Regierung Ramek (→Rudolf Ramek). 1927 erneut in den Nationalrat gewählt, war W. im Oktober 1929 Hauptredner zum Boden-Credit-Anstalts-Gesetz. Im Folgejahr zog er ein weiteres Mal ins Parlament ein. Er galt als fleißiger, fachl. anerkannter, sachl. argumentierender und konsensorientierter sowie der demokrat. Tradition verpflichteter Politiker. Im Oktober 1931 wurde W. als Finanzminister in die Regierung Buresch (→Karl Buresch) berufen. Die Folgen der Creditanstalt-Krise und die Auflagen der Lausanner Anleihe waren die größten Herausforderungen in seiner Amtszeit. Unter →Engelbert Dollfuß wurde W. im Mai 1933 von Buresch als Finanzminister abgelöst. Er wechselte als Präs. des Verw.R. in die Creditanstalt. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde er seines Amts enthoben und zog sich nach Graz zurück.

L.: Adlgasser; F. Schausberger, Letzte Chance für die Demokratie, 1993, s. Reg. (m. B.); W. Fritz, Für K. und Republik. Österreichs Finanzminister seit 1848, 2003, S. 193f.; M. Dippelreiter, in: Auf der Suche nach Identität. FS für D. A. Binder, ed. G. Kastner, 2015, S. 123ff.; Website des Parlaments der Republik Österr. (m. B., Zugriff 29. 8. 2018); Pfarre Napajedla, CZ.
(F. Schausberger)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 46f.
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