Weidmann, Franz Carl (Karl) (1790–1867), Schriftsteller, Journalist und Schauspieler

Weidmann Franz Carl (Karl), Schriftsteller, Journalist und Schauspieler. Geb. Wien, 1. 2. 1790; gest. ebd., 28. 1. 1867; röm.-kath. Sohn des Hofschauspielers Joseph W. (geb. Wien, 24. 8. 1742; gest. ebd., 16. 9. 1810), Neffe des Dramatikers Paul W. (geb. Wien, 1744; gest. ebd., 1801). – W. schlug zunächst eine Laufbahn als Schauspieler ein und wirkte ab 1809 am Hoftheater nächst der Burg, gab diese Stellung jedoch auf und widmete sich seiner schriftsteller. Tätigkeit. Bereits 1815 veröff. er eine Smlg. „Gedichte“ vorwiegend patriot. Inhalts. Einige seiner dramat. Werke gelangten an österr. und dt. Bühnen zur Auff., wie etwa 1816 das dramat. Ged. „Clementine von Aubigny“ sowie 1823 das Schauspiel „Die Geächteten“ am Hofburgtheater oder das Zauberspiel „Der Ring des Glückes“ 1833 am Theater in der Josefstadt. Als Journalist bearb. er ein breites Feld von Themen, die sich insbes. auf Wien bezogen. So war er langjähriger Kunst-, Literatur- und Theaterkritiker für →Adolf Bäuerles „Allgemeine Theaterzeitung“, die „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode“ und andere Bll. Darüber hinaus verf. er zahlreiche Beitrr. zu Ereignissen des öff. Lebens, Biographien, Nekrologe oder Gelegenheitsdichtungen. W. war zeitlebens ein Anhänger der Monarchie und ein vehementer Gegner der Revolution von 1848, deren Ereignisse und Folgen er u. a. in den Abhh. „Gang und Richtung der Wiener-Revolution vom 13. März bis 6. Oktober 1848“ (in: „Austria. Oesterreichischer Universal-Kalender“ 10, 1849) und „Die Zustände Wiens seit 1. December 1848“ (ebd. 11, 1850) aus seiner Sicht interpretierte. 1854 übernahm er die Red. des christl.-konservativen Wochenbl. „Oesterreichischer Zuschauer“. Seine nachhaltigste Wirkung erzielte W. jedoch als Reiseschriftsteller. Berr. über seine Reisen durch die Monarchie und andere europ. Länder publ. er in dem Werk „Memorabilien aus meiner Reisetasche“ (2 Bde. in 3 Tle., 1822–23). Zahlreiche weitere, in mehreren Aufl. erschienene, mit Illustrationen und Karten versehene Reise- und Wanderführer sind u. a. den Alpengebieten Österr. sowie Wien und seiner Umgebung gewidmet. Auch der Ausbau der österr. Eisenbahnlinien in den 1840er- und 1850er-Jahren fand in W. einen Chronisten. Neben den tourist. Zielen entlang der neuen Bahnstrecken beschrieb er deren Baugeschichte und Infrastruktur („Panorama des Semmerings“, 1855). Dass er die von ihm detailreich geschilderten Reiseziele außerhalb der Monarchie tatsächl. besucht hatte, wurde von Zeitgenossen allerdings bezweifelt. W. war Mitgl. der Künstlerges. Die Ritter von der grünen Insel und des Österr. Alpenver.

Weitere W. (s. auch Wurzbach): F. C. W.s Wegweiser auf Streifzügen durch Oesterr. und Steyermark, 1820; F. C. W.s sämtl. Werke, 3 Bde., 1821–23; Panorama der österr. Monarchie, 3 Bde., 1839–40 (Reprint 2001); Wien’s maler. Umgebungen, 1844; Der Tourist auf der Südbahn von Wien bis Triest, 1852.
L.: Neues Fremden-Bl., 30. 1., WZ, 5. 2. 1867; ADB; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Wurzbach (m. W.); J. Kehrein, Biograph.literar. Lex. der kath. dt. Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller 2, 1871; F. Wienstein, Lex. der kath. dt. Dichter, 1899; Pfarre St. Josef ob der Laimgrube, Pfarre St. Stephan, beide Wien.
(Ch. Kanzler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 49f.
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