Weiger, Josef Nepomuk (1811–1863), Zahnmediziner

Weiger Josef Nepomuk, Zahnmediziner. Geb. Nučitz, Böhmen (Nučice, CZ), 18. 3. 1811; gest. Speising, NÖ (Wien), 31. 5. 1863; mos., ab 1839 röm.-kath. Sohn des Tabaktrafikanten Heinrich W. und der Ludmilla W., geb. Feldmann, Vater von Stephanie Vergé (geb. 16. 12. 1860), die als Solotänzerin in London und Mailand, zuletzt (1890–96) an der Wr. Hofoper wirkte; ab 1839 verheiratet mit Aloisia W., in 2. Ehe mit Gabriele W., geb. Keiner (gest. Wien, 3. 4. 1891). – W. stud. ab 1836 als Chir. cand. med. an der Univ. Wien, nachdem er bereits in Prag den dreijährigen Wundarztkurs absolv. hatte. Ein Abschluss dürfte dort nicht erfolgt sein, da W. wegen „ungebührlichen Verhaltens“ einem Arzt gegenüber die Stadt verließ und nach Wien ging; 1837 Mag. chir., 1838 Mag. obstet., 1839 Mag. der Zahnheilkde. in Wien. Ab 1841 praktizierte er als Wund- und Zahnarzt in den Vorstädten Wieden und Neubau. In Neubau fungierte er zudem als Gerichts- und Gefangenen-Wundarzt der Stiftsherrschaft der Schotten. 1843 eröffnete W. eine Zahnarztpraxis in Wien. 1844 vertiefte er seine Kenntnisse auf einer Stud.reise nach Paris und London. Zurück in Wien, fungierte er ab 1845 auch als erster Armenzahnarzt; 1851 Dr. med. an der Univ. Padua. W. machte sich v. a. um die Einführung der 1847 in den USA bekannt gewordenen Äthernarkose in die Zahnmed. verdient. Gem. mit →Karl Eduard Hammerschmidt erforschte er anhand von Tier- und Selbstversuchen sowie durch Untersuchungen an Gesunden und an Patienten die chem. Grundlagen dieses Verfahrens. Dabei erkannten sie, dass Äther als Narkosemittel wesentl. weniger Nebenwirkungen hervorrief als das bisher eingesetzte Chloroform. Dennoch war sich W. bewusst, dass die Äthernarkose das Chloroform nicht völlig verdrängen werde, und propagierte daher eine von ihm erprobte exakt dosierte Mischung aus Äther und Chloroform im Verhältnis 4:1. Insgesamt führte W. selbst zahlreiche Narkosen erfolgreich durch. Seine Methodik der schmerzfreien und zahnerhaltenden Operationen wurde rasch über die Grenzen der Monarchie hinaus angewandt, etwa in Berlin und Leipzig. Im zahntechn. Bereich machte sich W. v. a. um die Verbesserung der kupferfreien Platina-Legierungen verdient. Publizist. trat er mit seinen beiden 1850 erschienenen Werken „Ueber Aether und Chloroform zur Erzielung schmerzfreier Operationen“ (Reprint 1979) und „Beweise der Unschädlichkeit des Schwefel-Aethers und der Nachtheile des Chloroform᾽s“ (Reprint 1979) hervor. W. war u. a. Mitgl. der Ges. für Natur- und Heilkde. zu Dresden, k. M. des Ver. der Zahnärzte in Berlin und Träger der großen goldenen Medaille für Kunst und Wiss.

Weitere W.: De aetheris sulfurici connubio cum chloroformio, med. Diss. Padua, 1851; Der zahnärztl. Rathgeber für Eltern und Erzieher ..., 1860.
L.: WZ, 5. 1. 1847; Czeike; B. Panning, in: WKW 141, 1991, S. 291ff.; P. Hüpper, Die zahnärztl. Chirurgie im Spiegel der Z. „Der Zahnarzt“, med. Diss. Würzburg, 2004, S. 36; G. R. Heckert, Odontol. im numismat. Spiegel, zahnmed. Diss. Gießen, 2006, S. 143ff.; Josephinum, Pfarre Lainz, Pfarre St. Florian, Pfarre Unsere Liebe Frau zu den Schotten, UA, alle Wien; UA, Padova, I.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 51
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