Weigl, Karl (1881–1949), Komponist

Weigl Karl, Komponist. Geb. Wien, 6. 2. 1881; gest. New York City, NY (USA), 11. 8. 1949; bis 1899 mos., ab 1926 evang. Sohn des Musikers und Bankbeamten Ludwig W. (1856–1902) und dessen Frau Gabriele W., geb. Stein (1859–1938); 1910–13 mit der Sopranistin Elisabeth (Elsa) Pazeller (1881–1943), in 2. Ehe ab 1921 mit der Musiktherapeutin und Komponistin Valerie (Vally) W., geb. Pick (1884–1992), verheiratet. – Ab 1896 erhielt W. Privatunterricht bei Alexander (v.) Zemlinsky. Nach der 1899 erfolgten Matura am Franz-Joseph-Gymn. stud. er am KdM in Wien Klavier und Komposition (u. a. bei Anton Door und →Robert Fuchs) sowie Musikwiss. an der Univ. Wien (→Guido Adler), wo er 1903 mit einer Diss. über Emanuel Aloys Förster zum Dr. phil. prom. wurde. 1904–06 wirkte er als Solokorrepetitor an der Wr. Hofoper. I. d. F. lebte W. als freischaffender Komponist in Wien. In dieser Zeit wurden sein Streichsextett (1906) und sein 3. Streichquartett A-Dur (1909) durch →Arnold Rosé uraufgef. Stilist. knüpfte er mit seinen an Grundtonarten gebundenen Werken an die Klangwelt der Spätromantik an, deren Ästhetik er nie zugunsten zeitgleich auftretender progressiverer Strömungen verließ. Mit der Urauff. seiner 1. Symphonie (1908) in Zürich 1910 errang W. seinen ersten großen Erfolg im Ausland, im selben Jahr erhielt er einen Gen.vertrag der Wr. Universal-Edition und den Beethoven-Preis der Ges. der Musikfreunde in Wien für sein 3. Streichquartett. 1912 wurde dem bis dahin ung. Staatsbürger die österr. Staatsbürgerschaft verliehen. 1914–18 absolv. er den Kriegsdienst aufgrund seiner Kurzsichtigkeit mit Büroarbeit in Wien, Karlovac und Agram. Ab 1918 war W. Lehrer am Neuen Wr. Konservatorium, daneben unterrichtete er privat Musiktheorie und Komposition. 1924 gewann er mit seiner Kantate „Weltfeier“ (1910/11) den Preis der Stadt Wien. 1928 erhielt W. den Titel Prof., ab 1929 war er als Nachfolger von Hans Gál Lektor für Musiktheorie und Harmonielehre am Inst. für Musikwiss. der Univ. Wien. Zu seinen Schülern zählten u. a. Kurt Adler, Hanns Eisler, Erich Wolfgang Korngold, Czesław Marek, Daniel Sternberg und Erich Zeisl. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten entfielen ab 1933 sämtl. Auff.möglichkeiten im Dt. Reich. Aufgrund seiner jüd. Herkunft emigrierte W. im Herbst 1938 von Wien über Frankreich und England in die USA, wo er musikal. Gelegenheitsjobs annahm, Privatstunden gab und schließl. als Lehrer an verschiedenen Musikinst. arbeitete. In den USA, deren Staatsbürger W. 1944 wurde, entstanden u. a. seine Violasonate (1940), drei Streichquartette und die beiden letzten Symphonien. 1967 wurde am Mannes College of Music in New York City der K. W. Memorial Fund eingerichtet, 1999 kam es zur Restrukturierung der K. W. Foundation in San Rafael, Kalifornien.

Weitere W. (s. auch Website der K. W. Foundation; Davison): Märchenspiel Der Rattenfänger von Hameln; 6 Symphonien (u. a. Apocalyptic); Klavierkonzerte; Violinkonzert; Rhapsodie für Klavier und Orchester; 8 Streichquartette; Chorsätze; Lieder. – Teilnachlässe: New York Public Library, NY, Library of Congress, Washington, D.C., Yale Univ., New Haven, CT, alle USA; Österr. Nationalbibl., Wienbibl. im Rathaus, beide Wien.
L.: Grove, 2001; Hdb. der Emigration 2; MGG II; oeml; R. Specht, in: Die Musik 9/2, 1909–10, S. 14ff.; R. St. Hoffmann, in: Musikbll. des Anbruch 3, 1921, S. 282ff., 5, 1923, S. 200f.; P. Müller, in: Allg. Musik-Ztg., 1926, S. 441ff.; W. Oberkogler, Das Streichquartettschaffen in Wien von 1910 bis 1925, 1982, S. 142ff.; The Music of K. W. …, ed. St. Davison, 1987 (m. B. u. W.); W. Szmolyan, in: Österr. Musikz. 44, 1989, S. 644f.; Yearbook of Interdisciplinary Studies in the Fine Arts 2, 1991, S. 579ff.; Musikgeschichte Österr. 3, ed. R. Flotzinger – G. Gruber, 2. Aufl. 1995; Website der K. W. Foundation (m. B. u. W., Zugriff 8. 9. 2018); WStLA, Wien.
(Ch. Heindl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 53
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