Weil, Edmund (1879–1922), Mediziner und Bakteriologe

Weil Edmund, Mediziner und Bakteriologe. Geb. Neustadtl bei Tachau, Böhmen (Stráž, CZ), 16. 4. 1879; gest. Praha, Tschechoslowakei (CZ), 15. 6. 1922; mos. Sohn des Kaufmanns Simon W. und der Adelheid W., geb. Kohner. – Nach dem Besuch des Gymn. in Eger und der Matura 1897 in Pilsen stud. W. Med. an der dt. Univ. Prag; 1903 Dr. med. Zunächst widmete er sich in Berlin und Prag der patholog. Anatomie, 1905 wurde er Ass. an der serolog. Abt. des Inst. für Hygiene an der dt. Univ. Prag; 1909 Habil. für Hygiene. Mit dem Neuropsychologen und Bakteriologen Viktor Kafka entwickelte er 1911 eine Methode zum Nachweis metaluet. Prozesse im Liquor (W.-Kafka-Reaktion). Aufgrund seiner immunolog. Forschungen wurde W. 1913 zum ao. Prof. vorgeschlagen, die Ernennung erfolgte wegen des Ausbruchs des 1. Weltkriegs jedoch erst 1915. W. widmete sich v. a. der Bakteriol. und der Serol., und zwar in der gesamten Breite der zu seiner Zeit relativ neuen Fachgebiete. Während des 1. Weltkriegs war er in Labors an der Galizien- und der Balkanfront tätig, wo die mangelhaften hygien. Bedingungen damals nur schwer beherrschbare Epidemien verursachten. W. stud. daher insbes. die Rezeptoren von Typhus- und Paratyphus-Stämmen. Bis heute gültig ist seine Entdeckung der serodiagnost. Reaktion bei Fleckfieber-Erkrankungen, die er gem. mit seinem Schüler, dem Bakteriologen und Chemiker Arthur Felix, machte (W.-Felixsche Fleckfieberreaktion, 1916). Die Erforschung des Fleckfiebers wurde ihm jedoch zum Verhängnis, als er sich in Lemberg bei Laborversuchen mit diesem Erreger ansteckte und i. d. F. verstarb. W. zählte zu den Bakteriologen von Weltrang. Zahlreiche Beitrr. verf. er für die „Wiener klinische Wochenschrift“. 1915 erhielt er das Off.kreuz des Franz Joseph-Ordens.

W. (s. auch Wolff): Über die Wirkungsweise des Streptokokkenimmunserums, in: Z. für Hygiene und Infektionskrankheiten 75, 1913; Untersuchungen über die experimentelle Fleckfieber-Infektion und -Immunität, in: Z. für Immunitätsforschung und experimentelle Therapie 37–38, 1923 (gem. m. F. Breinl).
L.: Prager Tagbl., 16., 17. 6. (Parte), Grazer Tagbl., 5. 7. 1922; Masaryk; F. Breinl, in: Lotos 70, 1922, S. 287ff. (m. B.); G. Wolff, in: Ergebnisse der Hygiene Bakteriol. Immunitätsforschung und Experimentellen Therapie, ed. W. Weichardt, 5, 1922, S. 532ff. (m. W.); O. Bail, in: An der Stelle der feierl. Inauguration des Rektors der Dt. Univ. in Prag 1927/28, 1929, S. 20f.; O. Klein – P. Svobodný, in: Hygiene und Judentum, ed. N. Goldenbogen u. a., 1995, S. 23ff.; J. Janko, Vědy o životě v českých zemích 1750–1950, 1997, s. Reg.; L. Hlaváčková – P. Svobodný, Biograph. Lex. der Dt. Med. Fak. in Prag 1883–1945, 1998; P. Svobodný – L. Hlaváčková, Dějiny lékařství v českých zemích, 2004, S. 155 (m. B.); Národní archiv, UA, beide Praha, CZ.
(M. Makariusová)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 55f.
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