Weinberger, Josef (1855–1928), Verleger

Weinberger Josef, Verleger. Geb. Liptószentmiklós, Ungarn (Liptovský Mikuláš, SK), 6. 5. 1855; gest. Wien, 8. 11. 1928; mos. Sohn eines Goldschmieds, Vater u. a. von Franz W. (geb. Wien, 28. 5. 1895; gest. 20. 5. 1917; gefallen); verheiratet mit Mathilde W., geb. Golwig (geb. 22. 1. 1864; gest. 13. 9. 1935). – W. kam mit seiner Familie in den 1860er-Jahren nach Wien (ab 1894 österr. Staatsbürger). Nach einer kaufmänn. Ausbildung eröffnete er 1885 gem. mit Carl Hofbauer eine Kunst- und Musikalienhandlung in der Kärntnerstraße (Wien 1). Ab Anfang 1889 widmete er sich vorwiegend dem Verlagsgeschäft, gründete in Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Friedrich Hofmeister-Verlag eine Niederlassung und erhielt 1890 die Konzession für einen Musikalienverlag in Wien, den er auf dem Kohlmarkt (Wien 1) errichtete. 1894 vergrößerte W. seinen Bestand durch die Übernahme des Musikverlags von Artaria & Co. sowie mehrerer Werke aus dem Verlag von Vincenz Kratochwill. Ein Jahr später kaufte er über 1.500 Theaterwerke von Kratz und gründete eine Niederlassung in Paris. Hier erkannte er die Vorteile der seit 1851 bestehenden französ. Urheberrechtsgesellschaft SACEM für Komponisten, Autoren und Musikverleger und gründete 1897 mit Verlegerkollegen nach dem französ. Vorbild die AKM. W. zählte zu den Autoren der Statuten und wurde zum ersten Präs. gewählt, ein Amt, das er bis zu seinem Tod behielt. Im selben Jahr schloss er einen Exklusivvertrag mit →Gustav Mahler und kaufte die Hofmusikalienhandlung von dessen Agent →Gustav Lewy. Ab 1898 war er Mitgl. des Sachverständigenkollegiums für Tonkunst im Bereich Urheberrecht. 1901 wurde er Mitbegründer und geschäftsführender Verw.R. der Universal-Edition, die bis 1911 in seinen Büroräumen ihren Sitz hatte. Durch persönl. Beziehungen zu vielen Komponisten konnte W. im Laufe der Zeit seinem Verlagskat. große Namen, wie etwa →Friedrich Smetana, →Johann Strauß (Sohn), Ermanno Wolf-Ferrari, →Franz Lehár und Emmerich Kálmán, hinzufügen. Da sein als Nachfolger vorgesehener Sohn Franz im 1. Weltkrieg fiel, übernahm Otto Blau, Sohn seiner Schwägerin, der seit 1922 im Verlag tätig war, W.s Verlag nach dessen Tod. W. war k. Rat (1903), Träger des kgl. preuß. Roten Adler-Ordens IV. Kl. (1908), Ehrenpräs. der AKM auf Lebenszeit (1925), Ehrenpräs. des Musikschutzes und Cavaliere dellʼOrdine della Corona dʼItalia. Nach ihm ist der J. W.-Fonds des Österr. Musikerverbands benannt.

L.: Neues Wr. Journal, 18. 10. 1897; WZ, 18. 6. 1905, 10. 11. 1928; NFP, 10. 11. 1928 (Parten); Grove, 2001; MGG I, II; oeml; Oesterr.-ung. Buchhändler-Correspondenz 38, 1897, S. 591f.; Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel 69, 1928, S. 280; J. Michel – R. Toeman, 100 Jahre Bühnen- und Musikalienverlag J. W., 1985 (m. B.); 100 Years Remembered. A history of the theatre and music publishers J. W. Vienna Frankfurt am Main London. 1885–1985, 1985 (m. B.); M. G. Hall, Österr. Verlagsgeschichte 1918–38, 1, 1985, s. Reg. Bd. 2; 100 Jahre AKM, 1997, passim; I. Waldingbrett, in: Österr. Musikz. 58, 2003, H. 11–12, S. 66f. (m. B.).
(M. Kornberger)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 62f.
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