Weinfurter, Karel (1867–1942), Schriftsteller, Publizist und Mystiker

Weinfurter Karel, Schriftsteller, Publizist und Mystiker. Geb. Jičin, Böhmen (Jičín, CZ), 27. 5. 1867; gest. Prag, Protektorat Böhmen und Mähren (Praha, CZ), 14. 3. 1942. Sohn eines Beamten und ehemaligen Soldaten. – Nach dem Umzug der Familie 1880 besuchte W. die tschech. Realschule in Prag-Neustadt, die er 1884 vermutl. aus gesundheitl. Gründen abbrach, und arbeitete kurz als Postbeamter, danach bis 1906 im Kunsthandel von Nicolaus (Mikuláš) Lehmann. 1908–11 als Beamter im Rektorat der Prager tschech. Univ. angestellt, wirkte er jedoch weiterhin als freischaffender Publizist, Übers. und Red. u. a. beim Verlag →Josef Richard Vilímeks d. J. Unter dem Einfluss des Theosophen Friedrich Eckstein und des Hermetikers Adolf Franz Leonhardi wurde W. ein eifriger Befürworter von Esoterik, Yoga, christl. (Jacob Böhme, Meister Eckhart, Heinrich Suso) sowie ind.-hinduist. Mystik (v. a. Ramakrishna) in den böhm. Ländern und zum Vors. des Ver. Psyché ernannt. Die unorthodoxe Vereinigung aller Religionen und die innere Befreiung des Individuums fördernd, versammelte er zahlreiche Anhänger und Sympathisanten in der Loge U modré hvězdy um sich, u. a. den Photographen František Drtikol, →Gustav Meyrink, den Maler, Graphiker und Schriftsteller Josef Váchal und Jaroslav Vrchlický (→Emil Frida), war jedoch auch mit ausländ. Theosophen wie Alois Mailänder in Kontakt. Weiters gab W. die Z. „Okultní a spiritualistická revue“ sowie „Psyché“ heraus und übers. bzw. kommentierte einschlägige Fachliteratur und Belletristik aus dem Engl. (u. a. Paul Brunton, Ramana Maharshi), Dt., Französ. und Latein. (Thomas von Kempen). Daneben übers. er Belletristik, z. B. von Arthur Conan Doyle. In seinem eigenen Schaffen beschäftigte er sich ebenso mit der okkulten Lehre wie ihrer Geschichte und Rezeption (Rosenkreuzer, Freimaurerei), auch in Form von Parabeln, Märchen oder Ged.; aus der Sicht eines Theosophen interpretierte er u. a. die Bibel und beschäftigte sich weiters mit Astrol. und Entomol. W. starb an den Folgen von Verletzungen durch die Gestapo während eines Verhörs.

W. (s. auch Sanitrák, 2007): Divy a kouzla indických fakírů, 1911; Odhalená magie, 1922; Ohnivý keř, 3 Bde., 1923–28 (dt. 1930); Bible ve světle mystiky, 11 Bde., 1929–30; Jak bádati ve spiritualismu, 1930; Nauka Bílé lóže, 1932; Paměti okultisty, 1933. – Nachlass: Státní oblastní archiv v Praze, Praha, CZ.
L.: Lidové noviny, 19. 3. 1942; LČL; Beseda 3, 1945/46, S. 199; J. Loukotka, in: Filozofický časopis 28, 1980, S. 714f.; J. Scheufler, Mystický učitel K. W. a jeho doba, 1991 (m. B.); J. Sanitrák, Legenda K. W. Spolek Psyché a jeho osobnosti …, 2006 (m. B.); Konec zlaté éry, ed. J. Sanitrák, 2007 (m. B. u. W.); H. Binder, G. Meyrink …, 2009, s. Reg. (m. B.); E. Markvartová, in: Übergänge und Entgrenzungen in der Fantastik, ed. Ch. Lötscher u. a., 2014, S. 85f.; P. Kalač, in: Logos 2015, 2016, S. 96ff.
(V. Petrbok)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 70, 2019), S. 65
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