Weingartner, (Paul) Felix; eigentl. Weingartner Edler von Münzberg (1863–1942), Dirigent, Komponist und Musikschriftsteller

Weingartner (Paul) Felix, eigentl. Weingartner Edler von Münzberg, Dirigent, Komponist und Musikschriftsteller. Geb. Zara, Dalmatien (Zadar, HR), 2. 6. 1863; gest. Winterthur (CH), 7. 5. 1942; evang. Sohn des Telegraphendir. Guido Edler W. v. M. (1836–1868) und dessen Frau Caroline, geb. Strobl (1837–1916); ab 1891 verheiratet mit Marie Juillerat, ab 1903 mit Feodora Freiin v. Dreifus, ab 1912 mit der Sängerin Lucille Marcel (1877–1921), ab 1922 mit der Schauspielerin Betty Kalisch (Calisch), ab 1923 mit der Dirigentin Carmen Studer. – W. übersiedelte nach dem Tod des Vaters mit seiner Mutter nach Graz, wo er Musikunterricht bei W. A. Remy (→Wilhelm Mayer) erhielt. Erste Klavierstücke verschafften ihm 1880 ein österr. Staatsstipendium. Nach der Matura (1881) begann er in Leipzig an der phil. Fak. der Univ. wie auch am Konservatorium zu stud. (1883 Mozart-Preis), i. d. F. ging er auf Anraten seines Förderers →Franz v. Liszt nach Weimar. Im dortigen Hoftheater wurde 1884 seine erste Oper „Sakuntala“ aufgef. 1884–97 folgte eine Kapellmeisterlaufbahn in Königsberg, Danzig, Hamburg, Frankfurt am Main, Mannheim und Berlin, wo er auch als Dirigent der Symphoniekonzerte der Kgl. Kapelle hohes Ansehen erlangte und insbes. durch seine Beethoven-Interpretationen hervorstach. Geschätzt wurden seine präzise, meist nur die rechte Hand mit dem Taktstock einsetzende Schlagtechnik und die zurückhaltende Zeichengebung. Ab 1897 wirkte er als Konzertdirigent in Berlin, München sowie auf Tourneen im In- und Ausland, die bis nach Südamerika führten. 1908–11 war W. Dir. der Wr. Hofoper, bis 1927 regelmäßig Dirigent der Konzerte der Wr. Philharmoniker, 1912–14 Opernkapellmeister in Hamburg, 1914–19 Gen.musikdir. in Darmstadt, 1919–24 Dir. der Wr. Volksoper, ab 1927 Dir. der Musikschule des Konservatoriums und Dirigent in Basel sowie 1935/36 Dir. der Wr. Staatsoper. Ab 1936 lebte er in Interlaken in der Schweiz. W. schuf ein umfangreiches kompositor. Werk, das neben zehn Opern nach eigenen Libretti sieben Symphonien, die symphon. Dichtungen „König Lear“ (1897) und „Frühling“ (1930), ein Violinkonzert, Kammermusik, Klavierstücke, Chorsätze sowie Lieder umfasst. Daneben entstanden Fachpubl. wie „Über das Dirigieren“ (1895, 5. Aufl. 1920), literar. Werke und seine „Lebenserinnerungen“ (1923, Nachdruck 2013). W. war Dr. h. c. der Univ. Basel (1929), Prof. h. c. der Liszt Ferenc Zeneművészeti Egyetem in Budapest sowie Mitgl. der Kungliga Musikaliska Akad. in Stockholm. 1939 erhielt er die Goldmedaille der Royal Philharmonic Society in London. Sein Nachlass befindet sich in der Univ.bibl. Basel, ein Splitternachlass mit Briefen in der Wienbibl. im Rathaus.

Weitere W. (s. auch Müller; Krause; Im Mass der Moderne): Opern: Orestes, 1901, Dame Kobold, 1914, Die Dorfschule, 1918, Meister Andrea, 1918. – Publ.: Die Lehre von der Wiedergeburt und das musikal. Drama, 1895; Die Symphonie nach Beethoven, 1898, 4. Aufl. 1926; F. Schubert und sein Kreis, 1929; Terra. Ein Symbol, 1933; Unwirkliches und Wirkliches, 1936.
L.: Grove, 2001 (m. B.); HLS; MGG I (m. B.), II; Müller (m. W.); oeml; E. Krause, F. W. als schaffender Künstler, 1904 (m. B. u. W.); F. Günther, F. v. W., 1917; F. v. W., ed. W. Jacob, 1933; P. Krakauer, F. W. als Dir. der Wr. Oper 1908 bis 1911 und 1935/36, geisteswiss. Diss. Wien, 1981; C. Hellsberg, Demokratie der Könige. Die Geschichte der Wr. Philharmoniker, 1992, s. Reg.; Im Mass der Moderne. F. W. …, ed. S. Obert – M. Schmidt, 2009 (m. B. u. W.).
(Ch. Heindl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 67f.
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