Weinmüller (Weinmiller), Carl Friedrich (1763–1828), Sänger

Weinmüller (Weinmiller) Carl Friedrich, Sänger. Geb. Dillingen, Hochstift Augsburg (Dillingen an der Donau, D), 8. 11. 1763 (Taufdatum); gest. Wien, 16. 3. 1828; röm.-kath. Sohn des Hof- und Reg.sekr. Johann Balthasar W. (geb. ca. 1732; gest. 28. 3. 1766) und dessen Frau Maria Anna W.; verheiratet mit der Schauspielerin Aloisia W., geb. Mörisch (geb. 1761; gest. Wien, 26. 2. 1852). – Bereits als Schulknabe fiel W.s musikal. Talent auf, worauf er mittels eines Stipendiums zur weiteren Ausbildung nach Wien geschickt wurde. W. strebte erst das Jusstud. an, wandte sich jedoch bald dem Gesang zu. Sein Debüt erfolgte in Wr. Neustadt in der Oper „Zemire und Azor“ von André-Ernest-Modeste Grétry. Weitere Auftritte absolv. W. in den Theatern von St. Pölten, Hainburg an der Donau und anderen Prov.städten der Monarchie. In Ofen und Pest wirkte er als erster Bassist, Regisseur und Operndir. Ein Gastspiel brachte ihn 1796 an das Kärntnertortheater in Wien, wo er in Carl Ditters v. Dittersdorfs Oper „Doktor und Apotheker“ mit großem Erfolg auftrat. Als engag. Mitgl. dieses Hauses (1796–1821) debüt. er in Joseph Wölfls „Das schöne Milchmädchen“. Auch seine Gattin erhielt ein Engagement als Schauspielerin am Hoftheater (1796–98). Weitere wichtige Rollen W.s waren Thoas in Christoph Willibald Glucks „Iphigenie in Tauris“, Lux in →Johann Bapt. Schenks „Der Dorfbarbier“, die Titelrolle in →Antonio Salieris „Axur, König von Ormus“, Thomas in →Joseph Weigls „Das Waisenhaus“, Richard Boll in „Die Schweizer Familie“, Fabian in „Die Uniform“, Meignelais in „Agnes Sorel“ von →Adalbert Gyrowetz und Zamoski in Luigi Cherubinis für Wien komponierter Oper „Faniska“ (1806). In vielen Urauff. gestaltete W. zentrale Partien im Kärntnertortheater und im Theater an der Wien. Zu seinen Mozartrollen zählten Osmin in „Die Entführung aus dem Serail“, Figaro in „Die Hochzeit des Figaro“, Leporello in „Don Juan“, Alfonso in „Mädchentreue“ („Così fan tutte“) und Sarastro in „Die Zauberflöte“. Bereits 1801 wurde ihm der Titel Kammersänger verliehen. W. übernahm das Fach des Bassisten →Ignaz Saal, übertraf aber seinen Vorgänger namentl. als Darsteller. Sowohl in ernsten Partien als auch in zahlreichen Buffo-Rollen erwarb er sich rasch die Zuneigung des Publikums im Kärntnertortheater ebenso wie im Theater an der Wien. Seine Bassstimme wurde als überaus klangvoll beschrieben, sie reichte vom tiefen D bis zum hohen F. W. war auch Sänger der Hofkapelle und trat oft in den Haydn-Oratorien als Bass-Solist auf. In vielen zeitgenöss. Opern von Franz Xaver Süßmayr, Nicolas Dalayrac, Étienne-Nicolas Mehul, Pierre Gaveaux, Gaspare Spontini und François-Adrien Boieldieu konnte er seine gesangl. und schauspieler. Talente entfalten. In →Ludwig van Beethovens Lebensgeschichte ist W. durch seine Darstellung des Kerkermeisters Rocco in der dritten Fassung des „Fidelio“ (1814) dokumentiert. Im Februar desselben Jahres sang er in Beethovens Akad. eine Arie aus dessen „Die Ruinen von Athen“. Im letzten Abschnitt seines Wirkens zog er sich auf kleinere Rollen zurück, wie den Sprecher in „Die Zauberflöte“ und Erbförster Cuno in Carl Maria v. Webers „Der Freischütz“. W. war einer der prägnantesten Opernsänger der Wr. Biedermeierzeit und erfuhr höchste Ausz. durch Kaiserhaus, Publikum und die zeitgenöss. Kunstwelt. Auch →Franz Schubert fand in seinem Tagebuch 1816 bewundernde Worte für ihn. W., der gelegentl. auch als Schauspieler auftrat und zeitweise das Amt des Regisseurs und Inspizienten innehatte, nahm seinen Bühnenabschied 1823 in der Rolle des Leporello.

L.: ADB; Eisenberg, Bühne; Kat. der Portrait-Smlg.; Kutsch–Riemens; MGG I; Schilling; Wurzbach; Wr. Z. für Kunst, Literatur, Theater und Mode, 1823, S. 1144, 1828, S. 798ff.; Biographie des A. Gyrowetz, 1848, passim; A. W. Thayer, L. van Beethovens Leben 3, 3.–5. Aufl. 1923, s. Reg.; A. Liess, J. M. Vogl, 1954, s. Reg.; A. Layer, in: Jb. des Hist. Ver. Dillingen an der Donau 64/65, 1963, S. 95ff.; Schubert. Die Dokumente seines Lebens, ed. O. E. Deutsch, 1964, s. Reg.; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1810 bis 1836, 2007, s. Reg.; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1794 bis 1810, 2011, s. Reg.; Pfarre Am Hof, WStLA, beide Wien.
(C. Höslinger)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 74f.
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