Weis, Wenzl (1858–1929), Photograph und Vereinsfunktionär

Weis Wenzl, Photograph und Vereinsfunktionär. Geb. Tachau, Böhmen (Tachov, CZ), 28. 11. 1858; gest. Wien, 14. 12. 1929; röm.-kath. Sohn des Kurschmieds Josef W. und der Eleonora W.; verheiratet mit Luise W. (gest. Wien, 1919), die sich um die Armenpflege verdient machte. – W. absolv. ab 1872 eine Photographenlehre bei Ernst Pflanz in Marienbad. Anschließend arbeitete er in Ateliers in Innsbruck, Graz und Wien, wo er vorerst als Kopierer, dann als Ass. bzw. Retuscheur und lange Zeit hindurch als Geschäftsleiter tätig war. 1888 besuchte er Kurse an der Wr. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproduktionsverfahren (später hielt er auch solche an der Graph. Lehr- und Versuchsanstalt), übernahm 1898 das Atelier Margit in Wien 3, Landstraßer Hauptstraße, das ab 1899 unter Atelier W. Weis firmierte, und spezialisierte sich auf Porträts, insbes. auf Männerbildnisse. Bereits 1900 erfolgte seine Ernennung zum Hofphotographen des Erzhg. Karl Stefan. Zwischen 1901 und 1914 war er regelmäßig in Wr. Ausst. vertreten. Ab 1909 Mitgl. der Österr. Komm. zur Vorbereitung der österr. Teilnahme an der Internationalen photograph. Ausst. in Dresden, auf deren Sonderausst. er seine Arbeiten präsentierte (Goldene Medaille), und Gruppenobmann für „Berufsphotographie“. Er gehörte 1882 zu den Mitbegründern des Ver. photograph. Mitarb., als dessen Obmann er ab 1891 fungierte (1901 Ehrenmitgl.). W. war ab 1895 Mitgl. der Photograph. Ges., ab 1903 des Österr. Photographen-Ver., wurde dessen Obmann und 1907 dessen Ehrenmitgl. 1905 war er Mitbegründer der Wr. Fachgenossenschaft der Photographen (erster Vorsteher 1905–13) und unterstützte 1908 die Gründung eines Reichsverbands der Photographen-Genossenschaften Österr. Daneben war er auch publizist. tätig und fungierte ab 1904 als verantwortl. Schriftleiter der ersten acht Jgg. der „Österreichischen Photographen-Zeitung“ sowie 1911–19 des Fachjournals „Der Bund. Monatsschrift für die Interessen der österreichischen Berufsphotographen“. W. engag. sich in zahlreichen Artikeln für Belange der Berufsphotographie, beginnend mit der „Sonntagsruhe“ für Atelierbetriebe bereits in den 1890er-Jahren, ferner für einen Befähigungsnachweis für die Ausübung des Photographengewerbes (1911 tw. erfüllt), eine Fachschule für Photographenlehrlinge und für die Eingliederung der Photographie in die handwerksmäßigen Gewerbe. Weiters polemisierte er gegen die Schleuderpreise mancher Photobetriebe und die Billigprodukte der Ateliers in den Warenhäusern. W. gilt als der bedeutendste Interessensvertreter der Berufsphotographie in Österr. vor 1914, nach dem 1. Weltkrieg zog er sich aus dem öff. Leben zurück. 1929 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österr.

L.: WZ, 15. 3. 1929; Österr. Photographen-Ztg. 5, 1908, S. 184ff.; S. F(rey), in: Allg. photograph. Ztg. 10, 1928, Nr. 12, S. 1f., 11, 1929, Nr. 4, S. 1f. (m. B.), 12, 1930, Nr. 1, S. 1ff.; Photograph. Korrespondenz 66, 1930, S. 52f.; T. Starl, Lex. zur Fotografie in Österr. 1839 bis 1945, 2005; T. Starl, Bio-Bibliografie zur Fotografie in Österr. (online, Zugriff 28. 10. 2018); Pfarre Landstraße-St. Rochus, Wien; Pfarre Tachov, CZ.
(T. Starl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 77f.
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