Weiser (Weisser), Anton (1812–1879), Unternehmer

Weiser (Weisser) Anton, Unternehmer. Geb. Tracht, Mähren (Strachotín, CZ), 21. 6. 1812; gest. Wien, 25. 5. 1879; röm.-kath. Aus einer Winzerfamilie in Bratelsbrunn stammend. Vater von Anton W. (s. u.), Großvater der Industriellen Franz Xaver Anton W. (geb. 10. 2. 1877; gest. 7. 7. 1920), Karl W. und Josef Viktor W., der ab 1908 Gen.vertreter des französ. Automobilherstellers Société Lorraine de Dietrich & Co aus Lunéville und später auch des italien. Unternehmens Isotta Fraschini aus Mailand war. – Nach einer Sattlerlehre kam W. nach Wien, wo er ab 1829 in der Sattlerei von Ludwig Laurenzi zuletzt als Werkmeister tätig war. 1839 machte er sich in der Alservorstadt selbstständig. In den 1860er-Jahren zog er mit seiner Fa. in eine eigens erbaute Wagenfabrik in der Porzellangasse in Wien 9, die über modernste Werkzeugmaschinen verfügte. 1869 nahm W. seinen Sohn Anton W. als Teilhaber in die Fa. mit auf. W. engag. sich in der Sattler-Genossenschaft (ab 1854 deren Untervorsteher), war weiters in der Lokalpolitik tätig und machte sich in der Armenpflege und -fürsorge verdient. Er war Bez.vorstand-Stellv. in Wien 9, Armenrat und Ortsschulrat. 1863 gründete W. den Männergesangver. Arion, dessen Vorstand er bis zu seinem Tod war. 1876 erhielt er das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Sein Sohn Anton W. (geb. Wien, 12. 10. 1846; gest. Krems/Krems an der Donau, NÖ, 11. 2. 1918; röm.-kath.) arbeitete bereits früh im Unternehmen seines Vaters mit, übernahm es nach dessen Tod und baute es aus. Zuerst entstand in der Seegasse in Wien 9 eine Niederlassung, später auch eine in Ottakring. Man exportierte weltweit und unterhielt in Triest, Budapest, Breslau, Konstantinopel, Kairo und Alexandria ständige Vertretungen. 1894 wurde Anton W. zum k. pers. Hoflieferanten ernannt. 1897 k. k. Hof-Wagenfabrikant, begann Anton W. um 1900 mit dem Bau von Autokarosserien. Nach seinem Rückzug aus der Fa. übergab er das Unternehmen an seine Söhne Karl, Franz und Josef Viktor W., die 1909 die Produktion auf den Automobilbau umstellten (bereits um 1907 waren einige Automobile unter dem Markennamen Weiser entstanden). 1912 begründeten sie in Eßling zusammen mit der Aviatik GmbH aus Mülhausen die österr.-ung. Flugzeugfabrik Aviatik GmbH, die 1914 unter der Leitung von →Karl Illner mit dem Bau von Flugzeugen begann.

L. (tw. auch für Anton W.): Grazer Ztg., 14. 8. 1876; Morgen-Post, 27. 5. 1879; O. Waibl, Der Wr. Männer-Gesangsver. „Arion“ 1863–88, 1888, S. 5ff.; A. Wolf, in: Das Heimatmus. Alsergrund. Mitt.bl. … 29, 1966, S. 4, 108, 1986, S. 8; E. M. Auer – A. Wolf, Alt-Wr. Wagenbauer und ihre Fahrzeuge. „Oldtimer 1800–1918“, Wien 1967, S. 77 (Kat.); H. Seper, Österr. Automobilgeschichte: 1815 bis heute, 1986, S. 90, 287; Th. Köppen, in: Achse, Rad und Wagen 9, 2001, S. 36ff.; Virtuelle Oldtimer Ztg., 8. 7. 2015 (online, Zugriff 1. 10. 2018); Pfarre Rossau, Wien. – Anton W.: FB, 17. 2. 1918; F. Mathis, Big Business in Österr. 1, 1987, S. 209; H. H. Linz – H. Schrader, Die Internationale Automobil-Enz., 2008; Pfarre Krems-St. Veit, NÖ.
(S. B. Weiss)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 79f.
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