Weiss (Weiß), Albert Maria (Adalbert Gottlieb); Ps. Heinrich von der Clana (1844–1925), Theologe, Priester und Schriftsteller

Weiss (Weiß) Albert Maria (Adalbert Gottlieb) OP, Ps. Heinrich von der Clana, Theologe, Priester und Schriftsteller. Geb. Indersdorf, Bayern (Markt Indersdorf, D), 22. 4. 1844; gest. Fribourg (CH), 15. 8. 1925; röm.-kath. Sohn des Arztes Franz Paula W. und der Catharina W., geb. Steiger. – Nach dem Besuch des Ludwigsgymn. in München 1853–61 stud. W. 1861–63 an der Univ. München zunächst Phil. und oriental. Sprachen, 1863–66 auch kath. Theol. 1866 trat er ins Priesterseminar der Erzdiözese München-Freising ein und wurde im Folgejahr ordiniert. Der Erhalt eines der Heckenstallerʼschen Stipendien erlaubte W. ein Prom.stud. in kath. Theol., das er 1870 abschloss. 1870–75 wirkte er als Repetent am Priesterseminar in Freising und stellte außerdem im Auftrag des Verlegers Benjamin Herder die Stichwörter für die 2. Aufl. von dessen „Kirchenlexikon“ zusammen. Die intensive Beschäftigung mit der Lehre des Thomas von Aquin weckte W.ʼ Interesse für den Dominikanerorden, dessen drittem Orden er 1872 beitrat. 1875 gab eine Begegnung mit →Heinrich Suso Denifle den Anstoß, in den ersten Orden einzutreten. W. wurde 1876 in Graz eingekleidet und legte 1877 die Profess für die österr. Ordensprov. ab. Abgesehen von zwei mehrmonatigen Unterbrechungen – einer Mitarb. 1883/84 an der Thomasausg. (Editio Leonina) in Rom und der Mitwirkung 1887/88 bei einem Klostergründungsversuch in Luxemburg – widmete W. sich die folgenden Jahrzehnte hauptsächl. der akadem. Lehrtätigkeit: 1877–83 als Lektor am Gen.stud. des Ordens in Graz (Hebr., Moraltheol., Kirchenrecht), 1884–86 als Lektor am Stud.haus des Ordens in Wien (Kirchenrecht, -geschichte, Exegese), 1890–92 als Prof. für Ges.lehre zunächst an der phil., dann an der jurist. Fak. der Univ. Fribourg, 1892–94 erneut als Lektor am Gen.stud. in Graz (Homiletik, Hebr.), 1894/95 als Lektor am Stud.haus in Wien (Hebr., Homiletik) und ab 1895 an der theol. Fak. der Univ. Fribourg (zunächst als Prof. für Fundamentaltheol., ab 1897 für Apologetik; 1896/97 und 1902/03 Dekan). Nach seiner Emer. 1919 zog W. als Spiritual ins Dominikanerinnenkloster im schweizer. Weesen, 1921 in den Konvent St. Hyazinth in Fribourg. W. vertrat sehr konservative Positionen. Seiner Beteiligung an der Entwicklung der kath. Ges.lehre, etwa durch seine Mitwirkung 1883 in der sog. Union de Fribourg, ab 1884 im Wr. Kreis des →Karl Emil Frh. v. Vogelsang und im dt. Gewerkschafts- und Zentrumsstreit, sowie seinen Einmischungen in die Politik, z. B. 1894/95 gegen die christl.soziale Partei →Karl Luegers, waren kaum Erfolg beschieden. Bedeutend war W. hingegen in der Profilierung der kath. Apologetik seiner Zeit („Apologie des Christentums“, 4 Bde., 1878–1904, 6. Aufl. 1924, Übers. in drei Sprachen; „Die religiöse Gefahr“, 1904, 3. Aufl. 1924; „Liberalismus und Christentum“, 1914). Größte Breitenwirkung erreichte er durch seine schriftsteller. Tätigkeit, die er mit zum Tl. polem. Artikeln v. a. in den „Historisch-politischen Blättern“ und der Linzer „Theologisch-praktischen Quartal-Schrift“ führte, aber auch mit erbaul.-asket. Werken wie „Lebensweisheit in der Tasche“ (1893, 16. Aufl. 1924) und „Kunst zum Leben“ (1900, 12. Aufl. 1924). 1895 erhielt er vom Orden den Ehrentitel eines Magister in Sacra Theologia.

Weitere W.: s. S. Szabó, in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum 32, 1924, S. 349ff., 34, 1926, S. 606.
L.: Bautz; HLS; LThK; A. M. W., Lebensweg und Lebenswerk, 1925 (m. B.); S. Szabó, in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum 34, 1926, S. 603ff.; O. Weiss, Modernismus und Antimodernismus im Dominikanerorden, 1998, S. 134ff.
(W. Hoyer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 83f.
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