Weiß, Eduard; ursprüngl. Weiß Laurenz (1801–1869), Schauspieler und Sänger

Weiß Eduard, ursprüngl. Weiß Laurenz, Schauspieler und Sänger. Geb. Mariahilf, NÖ (Wien), 10. 6. 1801 (Taufdatum); gest. Wien, 22. 11. 1869; röm.-kath. Sohn des bürgerl. Messerschmiedmeisters Joseph W. und dessen Frau Anna W.; in 1. Ehe mit der Ballettmeisterin →Josephine W., in 2. Ehe mit einer Schwester der Hofschauspielerin Therese Grafenberg verheiratet. – Über W.ʼ Werdegang ist nichts bekannt. Seine Bühnenlaufbahn begann er vermutl. als Komiker und Sänger in Lemberg. 1826–27 und 1831–35 war er als Bassist am Wr. Hofoperntheater engag. und soll über eine sonore Stimme verfügt haben. Bekannt wurde er i. d. F. jedoch als (Gesangs-)Komiker an verschiedenen Wr. Vorstadtbühnen wie dem Theater in der Leopoldstadt, dem Theater an der Wien (1845–47), insbes. jedoch am Theater in der Josefstadt. Geschätzt wurde er v. a. in Stücken →Ferdinand Raimunds, so als Valentin, Rappelkopf oder Bauer als Millionär. Aufsehen erregte er 1844 als Darsteller in →Friedrich Kaisers Posse „Der Krämer und sein Commis“, einer Persiflage auf einen bekannten Wr. Kaufmann, die mit dem Verbot des Stücks endete. Weitere Rollen waren u. a. Werther in →Karl Meisls Parodie „Werthers Leiden“ (nach Ferdinand Kringsteiner) oder Isaac Stern in O. F. Bergs (→Ottokar Franz Ebersberg) „Einer von unsere Leut“. W. unternahm zahlreiche Gastspielreisen, u. a. nach Pest, München, Pressburg und Dresden. 1867 stand er als Rabbi Ephraim in Kaisers „Neu-Jerusalem“ zum letzten Mal auf der Bühne. Seine 1. Frau, die er wiederholt während ihrer Gastspiele in den USA besucht hatte, hinterließ ihm ein Vermögen, das er jedoch größtenteils durch Spekulation verloren haben soll. Auch erlitt er mehrfach Einbußen durch finanzielle Krisen des Theaters in der Josefstadt unter verschiedenen Dir., denen er mit privaten Mitteln aushalf. Verarmt und erblindet, lebte er zuletzt im Versorgungshaus.

L.: Zwischen-Akt, 25., Die Presse, Morgen-Post, NWT, 26. 11. 1869; Kat. der Portrait-Smlg.; Wurzbach; C. Glossy, Theatergeschichtl. Ausst. der Stadt Wien, Wien 1892, S. 172 (Kat.); H. A. Mansfeld, in: Jb. der Ges. für Wr. Theaterforschung 11, 1959, S. 167; Pfarre Mariahilf, Wien.
(E. Offenthaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 85f.
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