Weiss, Emanuel (Mendel) (1837–1870), Mediziner und Botaniker

Weiss Emanuel (Mendel), Mediziner und Botaniker. Geb. Rokitnitz, Böhmen (Rokytnice v Orlických horách, CZ), 9. 7. 1837; gest. Singapur, brit. Kronkolonie Straits Settlements (SGP), 25. 5. 1870 (Suizid); mos. Vorehel. Sohn des Händlers David W. (gest. Rokitnitz, 4. 5. 1862) und der Ludmilla Mahler, ab 1839 W. – Nach Besuch des Akadem. Gymn. in Wien (Matura 1856) stud. W. Med. an der dortigen Univ.; 1862 Dr. med., 1864 Dr. chir. 1864 trat er in Triest als prov. Korvettenarzt in die österr. Marine ein und segelte an Bord der Brigg „Huszár“ an der Ostküste der Adria bis nach Albanien. 1865 zum effektiven Korvettenarzt befördert, wurde W. 1866 als solcher dem Kanonenboot „Velebich“ zugewiesen und nahm danach an der Seeschlacht von Lissa teil. Ende 1866 wurde die „Velebich“ im Zusammenhang mit dem Aufstand auf Kreta in die Bucht von Souda entsandt, im Sommer 1867 erreichte sie auch die Küste von Kleinasien. Nach einem hier gescheiterten Suizidversuch in Folge eines Nervenleidens wurde W. bis zum Frühjahr 1868 beurlaubt und arbeitete danach im Marinespital in Pola. Ab Oktober desselben Jahres nahm er als Arzt auf der Korvette „Erzherzog Friedrich“ an der Ostasien-Expedition teil, die (bis Herbst 1869) im Verband mit der Fregatte „Donau“ durchgeführt wurde. Im November 1868 zum Fregattenarzt befördert, gelangte W. über Tanger, Teneriffa und Kapstadt nach Singapur, Hongkong und Peking. Auf der Reise oft kränkl., beging er schließl. Suizid. Seit seiner Schulzeit botan. interessiert, untersuchte W. zunächst Pflanzenvorkommen in der Stmk. und in Nordostböhmen, wobei er den Flechten und Moosen bes. Aufmerksamkeit schenkte. 1859 legte er seine erste umfangreiche Arbeit „Zur Flora der Sulzbacher Alpen in Unter-Steiermark“ (in: Österr. botan. Z. 9) vor, 1861 folgte „Zur Moosflora Böhmens“ (ebd. 11). Während der Expeditionen benutzte W. Landgänge, um Pflanzensmlgg. anzulegen. So entstanden „Floristisches aus Istrien, Dalmatien und Albanien“ (in: Verhh. der k.-kgl. zoolog.-botan. Ges. in Wien 16, 1866, und 17, 1867) im Zuge des Diensts auf der „Huszár“, die „Beiträge zur Flora von Griechenland und Creta“ (ebd. 19, 1869) während des Kreta-Aufstands 1867. Auf der Kykladeninsel Siros entdeckte er 1867 „Eine neue Kugeldistel-Art“ (ebd. 18, 1868). Die von W. in Istrien, Dalmatien und Albanien gesammelten Flechten wurden von Gustav Wilhelm Körber bestimmt und publ. („Lichenen aus Istrien, Dalmatien u. Albanien“, ebd. 17, 1867). Das Herbarium der Ostasien-Expedition (rund 6.500 Bogen) gelangte käufl. an das Magyar Nemzeti Múz. in Budapest, Dubletten daraus kamen an das Naturhist. Mus. in Wien. Dieser Smlg.bestand bildete die Basis für die bedeutende Publ. von →August Kanitz „Expeditio austriaco-hungarica ad oras Asiae orientalis. I. Anthophyta …“ (in: Természetrajzi Füzetek 2, 1878). Ab 1855 war W. Mitgl. der Zoolog.-Botan. Ges. in Wien, ab 1867 Korrespondent der Geolog. Reichsanstalt in Wien. Ihm zu Ehren wurde u. a. 1878 eine Traubenhyazinthe Muscari weissii benannt.

L.: NFP, 19. 11. 1868 (Abendbl.); Bohemia, 19. 2. 1871; Stafleu; Jahresber. ... akadem. Gymn. in Wien ... 1855–56, 1856, S. 32; M. v. Tommasini, in: Verhh. der k.-kgl. zoolog.-botan. Ges. in Wien 20, 1870, S. 621ff.; Botanik und Zool. in Österr. … 1850 bis 1900, 1901, s. Reg.; P. Ascherson – P. Graebner, Synopsis der mitteleurop. Flora 3, 1905, S. 128f.; J. H. Barnhart, Biographical notes upon botanists 3, 1965; J.-P. Frahm – J. Eggers, Lex. dt.sprachiger Bryologen, 2001; UA, Wien; Archiv der gewesenen Kultusgmd. Rokitnitz, IKG, Žamberk, beide CZ.
(M. Svojtka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 86f.
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