Weiß (Weiss), Johann (1794–1861), Graveur und Stempelschneider

Weiß (Weiss) Johann, Graveur und Stempelschneider. Geb. Wien, 1794 (?); gest. ebd., 29. 4. 1861; röm.-kath. W. stud. 1805–12 und 1818–24 an der ABK in Wien und erhielt neben dem Hof- (1816) und dem Reichel-Preis (1821) 1819 eines der vier k. Medaillen-Graveur-Stipendien, mit dem er für zwei Jahre nach Rom ging. Im November 1825 wurde W. neben →Leopold Heuberger zum zweiten Kammermedaillen-Graveurscholaren ernannt und damit der Hofmedaillen-Prägestämpeln-Smlg. zugeteilt. In dieser Funktion war er neben →Joseph Daniel Böhm für den Stempelschnitt von Münzen (ab 1830 für ung. Doppelgulden, Dukaten, Gulden, Zwanzigermünzen, Kreuzerstücke, Souverain d’ors, Scudi, Lire etc.) und Medaillen sowie für die Smlg. älterer Stempel verantwortl. Das von ihm gravierte Porträt K. →Franz II. (I.) wurde 1830 auf allen Münzen übernommen. W. blieb in dieser Funktion bis zur Einziehung der Stelle im April 1841 tätig. 1831–33 hielt er sich erneut für zwei Jahre in Rom im Atelier des dän. Bildhauers Bertel Thorvaldsen auf. Neben seiner Tätigkeit als Graveur schuf W. Lithophanien mit Landschafts- und Figurendarstellungen, die sowohl in die k. Smlg. aufgenommen als auch für die k. k. Porzellan-Fabrik gefertigt worden sein sollen. Bei den Akad.-Ausst. im St.-Anna-Gebäude sollen zwischen 1824 und 1834 mehrere seiner Arbeiten zu sehen gewesen sein: 1824 vier in Wachs bossierte Porträts, 1826 Wachs-Porträts von K. Franz II. (I.) und dessen Gemahlin Kn. →Karoline Auguste, von Fürst →Klemens Wenzel Lothar Metternich-Winneburg, Johann Stäger v. Waldburg und dessen Frau sowie zwei Zeichnungen („Die Entführung der Deianira“, „Die Erziehung des Achilles“), 1828, 1830 und 1834 stellte er nur Zeichnungen aus. 1849 wurde W. zum Graveuradjunkten und 1855 zum vierten Graveur am Wr. Hauptmünzamt ernannt, 1854 übernahm er die Katalogisierung und Aufstellung der Prägestempel-Smlg. in den Räumlichkeiten des von →Paul Sprenger neu erbauten Wr. Hauptmünzamts am Heumarkt. 1856 rückte W. zum dritten Graveur vor und wurde 1858 zweiter Münz- und Medaillengraveur. Unter seinen Medaillen befinden sich die noch unter K. Franz II. (I.) geschaffene mittlere Civil-Ehren-Medaille mit dessen Porträt von 1827 und 1831, die Reversseiten der ung. Krönungsjetons von 1830, Reversseiten der Verdienstmedaillen K. →Ferdinands I. von 1835 und der böhm. Krönungsjetons von 1836 sowie zahlreiche Preis- und Porträtmedaillen etwa von Metternich, Thorvaldsen und Hans Canon (→Johann Bapt. Straschiripka). 1847 führte er sämtl. Punzierungspunzen für Gold und Silber aus.

L.: Forrer; Thieme–Becker; Wurzbach; E. Fiala u. a., Kat. der Münz- und Medaillenstempelsmlg. in Wien 4, 1904, S. 1363f.; W. Wagner, in: Röm. hist. Mitt. 14, 1972, S. 108; A. Mayr, J. D. Böhm (1794–1865), phil. DA Wien, 2012, S. 17, 19, 54; ABK, Finanz- und Hofkammerarchiv, beide Wien.
(A. Mayr)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 88f.
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