Weiss (Weiß), Karl (Carl); Ps. Carl Karlweis (1850–1901), Schriftsteller und Beamter

Weiss (Weiß) Karl (Carl), Ps. Carl Karlweis, Schriftsteller und Beamter. Geb. Wien, 24. (nicht 23.) 11. 1850; gest. ebd., 27. 10. 1901; mos., ab 1889 evang. AB. Sohn des Eisenbahnbeamten Leopold W. und der Amalia W., geb. Deutsch, Vater der Schriftstellerin Marta Karlweis, geschiedene Stross (geb. Wien, 27. 4. 1889; gest. Lugano, CH, 2. 11. 1965), Ehefrau von →Jakob Wassermann, und des Schauspielers und Sängers Oskar Karlweis (geb. Hinterbrühl, NÖ, 10. 6. 1894; gest. New York City, NY, USA, 24. 1. 1956); verheiratet mit Emilie W., geb. Kraus. – Nach dem Besuch der Oberrealschule in Wien-Wieden versuchte sich W. als Schauspieler bei einem Wandertheater, schlug jedoch mit 18 Jahren auf Wunsch seiner Eltern die Laufbahn eines Beamten bei der k. k. priv. österr.-ung. Staats-Eisenbahnges. ein. In den Folgejahren bei weiteren Eisenbahnunternehmen beschäftigt, stieg er schließl. 1891 zum Oberinsp. der Gen.dion. der k. k. priv. Südbahn-Ges. auf, wo er bis zu seinem Tod angestellt war. Zugleich war W. – zunächst noch unter seinem Geburtsnamen – als Dramatiker und Prosaschriftsteller tätig. Während er mit seinen ab 1876 aufgef. dramat. Werken vorerst kaum Erfolge verbuchen konnte, errang er mit den Romanen „Wiener Kinder“ (1887), „Ein Sohn seiner Zeit“ (1892) und „Reich werden!“ (1894) sowie mit der Novellen- und Skizzensmlg. „Geschichten aus Stadt und Dorf“ (1889) literar. Anerkennung. Mit dem satir. Schwank „Der kleine Mann“, der 1894 mit →Alexander Girardi in der Hauptrolle am Raimund-Theater zur Urauff. kam und für den er 1896 mit dem Raimund-Preis ausgez. wurde, gelang ihm auch der Durchbruch als Bühnenautor. W.ʼ Volksstücke, Lustspiele und Komödien wie „Das grobe Hemd“ (uraufgef. 1897 am Dt. Volkstheater), „Das liebe Ich“ (uraufgef. 1898 ebd.) oder „Onkel Toni“ (uraufgef. 1899 ebd.) wurden in den Folgejahren v. a. am Dt. Volkstheater, aber auch an anderen Wr. und österr. Bühnen aufgef., ebenso in Dtld., wo er aber aufgrund des Lokalkolorits der Stücke nicht an die Erfolge in seiner Heimatstadt anknüpfen konnte. Einige dramat. Werke verf. er u. a. gem. mit →Hermann Bahr („Aus der Vorstadt“, uraufgef. 1893 am Dt. Volkstheater; „Wenn es euch gefällt“, uraufgef. ebd. 1899) und →Vinzenz Chiavacci („Laufen lassen“, auch „Einer vom alten Schlag“, uraufgef. 1886 am Berliner Wallner-Theater). Mit seinem hauptsächl. im Wr. Milieu angesiedelten, teils im Dialekt verf. Œuvre positionierte sich W. als Satiriker, dessen Sozialkritik allerdings stets milde und versöhnl. blieb. Seine wenige Tage vor seinem Tod am Dt. Volkstheater uraufgef. Komödie „Der neue Simson“ bewog →Karl Kraus, der sich in einem der Protagonisten wiedererkannte, zur Abfassung einer Zensurbeschwerde, deren Einreichung zwar aufgrund des Ablebens von W. unterblieb, die er aber in der „Fackel“ veröff. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller war W. Theaterkritiker und Feuilletonist, u. a. beim „Neuen Wiener Tagblatt“, bei der „Neuen Freien Presse“ und bei der „Gartenlaube“. Er gehörte ab 1888 dem Journalisten- und Schriftsteller-Ver. „Concordia“ an. Bereits schwer krank, beteiligte er sich an den Vorbereitungen zur Gründung des kurzlebigen, im November 1901 eröffneten und von →Felix Salten geleiteten Jung-Wr. Theaters zum Lieben Augustin. Zu seinem Freundeskreis zählten Bahr, Chiavacci, Ada Christen (→Christiane v. Breden) und Ludwig Ganghofer.

Weitere W.: s. Brümmer; Killy.
L.: NFP, 28. (Abendbl., Parte), 29. 10. 1901; Biograph. Jb. 7, 1905, S. 445; Brümmer (m. W.); Giebisch–Gugitz; Killy (m. W.); Kosch; Wurzbach; V. Chiavacci, in: Wr. Bilder 6, 1901, Nr. 45, S. 5ff.; K. Drbohlav, C. Karlweisʼ dramat. Werke bis zum ersten großen Erfolg 1894 und seine Prosaschriften, phil. Diss. Wien, 1949; A. Gruber, C. Karlweis, phil. Diss. Wien, 1949; A. L. Staudacher, Jüd.-protestant. Konvertiten in Wien 1782–1914, 2, 2004; IKG, Wien.
(Ch. Kanzler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 70, 2019), S. 95f.
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