Schmidt, Anton (1826-1892), Fabrikant und Politiker

— Anton Schmidt, Fabrikant und Politiker. Geb. Schildberg, Mähren (Štíty, Tschechoslowakei), 9. 12. 1826; gest. Großullersdorf, Mähren (Velké Losiny, Tschechoslowakei), 28. 3. 1892. Vater der Fabrikanten Anton, Richard und Maximilian S. (alle s. unten); nach Besuch des Gymn. in Reichenau a. d. Kněžna (Rychnov nad Kněžnou) und Olmütz (Olomouc) begann S. eine kaufmänn. Lehre in Brünn (Brno) und besuchte Vorlesungen an der Techn. Hochschule in Wien, worauf er sich im Großhandel betätigte. Nachdem sein Vater Anton J. S. 1848 zum Abg. in das dt. Parlament in Frankfurt gewählt worden war, übernahm S. die Leitung des väterlichen Geschäfts in Schildberg und später gem. mit seinem älteren Bruder Gustav auch dessen Leinwandfabrikation. 1855 erwarb er die Papiermühle (sie galt als die älteste der Österr.-ung. Monarchie) und Bleiche in Großullersdorf und betrieb dort nach dem Ableben seines Bruders (1871) eine Papier- und Leinenerzeugung im eigenen Namen, jedoch unter der Fa. Ant. J. Schmidt u. Söhne. Bes. die anerkannt guten Filtereigenschaften der Ullersdorfer Papiere führten zu einer neuen Blüte dieser Papiermühle in den 80er Jahren des 19. Jh.s. Der Hauptsitz der Fa. befand sich in Großullersdorf, eine – 1917 aufgelöste – Niederlage in Wien. 1860 kaufte die Fa. eine ehemalige fürstlich liechtensteinsche Mahlmühle in Olleschau (Olšany) und errichtete dort eine Fabrik für Schreib-, Druck- und Verpackungspapier, die jedoch v. a. wegen der hohen Frachtkosten nicht gedieh; sie wurde 1864 von einer AG übernommen, die ab 1870 auch das später verbreitete Zigarettenpapier Marke „Olleschau“ herstellte, wobei die Lieferschwierigkeiten der französ. Konkurrenz in den Krisenjahren 1870/71 genützt wurden. S. hatte sich inzwischen der Politik gewidmet: 1861 von der Olmützer Handels- und Gewerbekammer in den mähr. Landtag entsandt, wo er sich bes. volkswirtschaftlichen Fragen und dem Verkehrswesen widmete, war er auch durch eine Reihe von Jahren Gemeindevorsteher von Großullersdorf, 1879–91 Reichsratsmitgl. und durch sieben Jahre auch Vorstand des von ihm mitbegründeten Teßthaler landwirtschaftl. Fortbildungsver., der sich erst dem Seidenanbau, später auch anderen Fragen der Landwirtschaft widmete. S. nützte die Liberalisierung in der Habsburgermonarchie nicht nur als Fabrikant, der die Möglichkeiten des erhöhten Papierbedarfs etwa im Pressewesen erkannte, sondern auch als Standesvertreter auf Reichsebene und wurde für seine wirtschaftliche und polit. Tätigkeit 1886 mit dem Goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgez. Schon während seiner Lebenszeit wurde die Unternehmung von seinen Söhnen Anton S. (geb. Großullersdorf, 22. 1. 1857; gest. ebenda, 18. 4. 1935), Richard S. (geb. Großullersdorf, 22. 12. 1859; gest. ebenda, 11. 4. 1933) und Maximilian S. (geb. Großullersdorf, 8. 11. 1862; gest. ebenda, 29. 5. 1938) mitgeführt. Während Anton S. bis 1917 die Wr. Geschäftsstelle leitete, danach mit Richard die Ullersdorfer Papiermühle, betreute Maximilian v. a. die Textilfabrik, wo er auch die Anfertigung der feinen Toledo-Arbeiten einführte. Alle drei Brüder erweiterten die Fabrik und errichteten 1913 bei ihr ein Elektrizitätswerk, das gleichzeitig auch die Gemeinde mitversorgte. Auch sie waren lange Jahre in der Gemeindeverwaltung tätig und erwarben sich vielfache Verdienste im Ver.- und Genossenschaftswesen der Gemeinde und des ganzen Bez. Maximilian S. war 1908–1938 Kammerrat der Handels- und Gewerbekammer Olmütz.

L.: (tw. auch für die Söhne): N. Fr. Pr. und Mähr.-schles. Correspondent vom 31. 3. 1892 (beide Abendausg.); Großind. Österr. 5, S. 41, Erg.Bd. 3, S. 174; Hahn, 1879–1885; Knauer; H. Heller, Mährens Männer der Gegenwart 1, 1885, S. 57f., 4, 1890, S. 140; Der polit. Bez. Mähr.-Schönberg . . ., 1938, S. 146f.; Heimat und Welt. Sein und Leben, 1960, S. 365f.; Altvaterland, (1986), S. 263ff.
(J. Mentschl – F. Spurný)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 242f.
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