Slavíček, Antonín (1870-1910), Maler

Slavíček Antonín, Maler. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 16. 5. 1870; gest. ebd., 1. 2. 1910 (Selbstmord). – Schwiegervater von R. Medek (s. d.), Großvater des Malers Mikuláš Medek (geb. Praha, 3. 11. 1926; gest. ebd., 23. 8. 1974). Nach Absolv. des Realgymn. 1885 hielt sich S. 1886–87 in München auf, stud. anschließend bis 1891 und 1894–99 an der Prager ABK Landschaftsmalerei bei Mařák (s. d.) und übernahm nach dessen Tod interimist. bis 1900 die Abt.; 1903–06 führte er gem. mit Vladimír Županský und Šaloun (s. d.) eine Privatschule für Malerei in Prag. S. stellte seine Arbeiten – hauptsächl. Landschaften – u. a. 1901 in Wien in der Galerie Miethke und gem. mit der Künstlervereinigung Mánes, deren Mitgl. er war, im Wr. Künstlerhaus aus; 1904 war er auch auf der Weltausst. in St. Louis präsent. In seiner Kunstauffassung wurde S. nicht nur von Mařák, sondern bes. auch von Chittussi (s. d.) geprägt, der die künstler. Ansichten der Schule von Barbizon nach Böhmen vermittelt hatte. Den direkten Zugang zu den französ. Impressionisten fand S. erst 1907 durch eine Ausst. derselben in Prag; im selben Jahr unternahm er noch eine Stud.reise nach Paris. In seinem Œuvre setzte sich S. anfängl. intensiv mit der Problematik von Licht und Farbe auseinander, später versuchte er vermehrt die Reliefmodellierung der Landschaft herauszuarbeiten. 1903–06 hielt er sich wiederholt im Gebiet der Böhm.-Mähr. Höhe, bes. in Kameniček (Kameničky), auf und versuchte während dieser Phase, in seinen Bildern das gefühlsmäßig erlebte Motiv durch Farbflecken zu interpretieren (z. B. Bei uns in Kameničky, 1904). Einen weiteren Schwerpunkt bildete S.s Bestreben, seine Heimatstadt – sowohl die hist. als auch die zeitgenöss. Teile – stimmungsvoll zu erfassen (z. B. Regnerischer Abend, Prager Kai, 1902). In seinen späteren Bildern (u. a. Elisabethbrücke, Marienplatz, beide 1906) gewann sein impressionist. Sehen an Dynamik und zunehmend wurde die Darstellung Prags als moderne Stadt, z. Tl. in großformatigen Panoramabildern (Prag von Ládví aus, Prag von der Letná aus gesehen, beide 1908) sowie schließl. die des Prager Sankt-Veits-Doms ein zentrales Thema, wobei er die monumentale Komposition der Architektur zu vermitteln suchte. 1909 erkrankte S. schwer und wandte sich, da er aufgrund einer Lähmung nicht mehr der Pleinairmalerei nachgehen konnte, dem Stilleben zu. S., zu dessen Schülern u. a. Gustav Macoun und Otakar Nejedlý gehörten, zählt trotz seines kurzen Wirkens zu den bedeutendsten tschech. Impressionisten, wobei seine künstler. Spannweite und Aussage jedoch weit über die impressionist. Form hinausreichen. Seine Arbeiten sind u. a. in der Národní galerie in Prag ausgest. Sein Onkel Josef S. (geb. Tischitz, Böhmen / Tišice, Tschechien, 13. 3. 1818; gest. Prag, 27. 9. 1867) stud. 1838–41 an der Univ. Prag Jus, 1845 Dr. jur., und wirkte dann im Gerichtsdienst in Prag, Königgrätz (Hradec Králové) und Neuhaus (Jindřichův Hradec). 1858 o. Prof. für Zivil- und Strafrecht und Strafprozeßordnung an der Univ. Prag (erstmals an dieser Univ. in tschech. Sprache). Neben Abhh. u. a. in der jurist. Fachz. „Právník“ publ. Josef S. eine Einführung in das Stud. des materiellen Strafrechts.

W.: s. u. J. Kotalík, A. S. 1870–1910. – Josef S.: Úvod ve stud. trestního práva hmotného, 2 Tle., 1866; Nauka o právé trestním, 2 Tle. (Ms.); etc.
L.: Prager Tagbl., 2., WZ, 3. 2. 1910 (A.); Otto, Erg.bd.; Thieme–Becker; Toman; A. Matějček, A. S., 1921; ders., in: Umění 3, 1930, S. 19ff.; F. Kovárna, A. S., 1930; V. Novotný, in: Volné směry 24, 1932, S. 121; Jubilejní výstava díla A. S., Praha 1932 (Kat.); V. V. Štech, in: Umění 6, 1933, S. 33ff., 119ff.; F. Kovárna, České malířství let devadesátých, 1940; V. V. Štech, Čtení o A. S., 1947; V. Nezval, A. S., 2. Aufl. 1955; (J. Kotalík), A. S. 1870–1910, Praha 1965 (Kat., m. B., W. und L.); (ders.),České malířství 20. století ze sbírek Národní galerie v Praze 1, Praha 1971 (Kat.); J. Tomeš, A. S., 1973; Enc. českého výtvarného umění, 1975; Die tschech. Malerei des 19. Jh. aus der Nationalgalerie Prag, Wien 1984, S. 58f. (Kat.); Tschech. Kunst 1878–1914 …, Darmstadt 1984, S. 317ff. (Kat., m. B.); Neue Enz. der tschech. bildenden Kunst 2, 1995; O. Macková, in: Böhmen im 19. Jh., ed. F. Seibt, 1995, S. 313f.; The Dictionary of Art 28, 1996. – Josef S.: Bohemia, 28., 30., Národní listy, 28., 29. 9. 1867; Otto; Rieger; Wurzbach; M. Navrátil, Almanach českých právníků, 1930; J. Morávek, První česká stolice na pražské univ., 1970.
(Ch. Gruber – J. Morávek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 350f.
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