Stählin, Heinrich August (1812–1861), Theologe

Stählin Heinrich August, Theologe. Geb. Brünn, Mähren (Brno, Tschechien), 6. 10. 1812; gest. ebd., 10. 4. 1861; evang. AB. Sohn des aus Lindau zugezogenen Kaufmanns Martin, Bruder von Gustav Adolf S. (s. u.). S., in der evang. Toleranzgmd. Brünn aufgewachsen, schlug nach Abschluß des evang. Gymn. in Teschen (Cieszyn) 1830 die Laufbahn eines Theologen ein. Nach dem Stud. an der evang.-theol. Lehranstalt in Wien wurde er 1834 in Brünn zum geistl. Amt ordiniert, wirkte dort zunächst als Vikar – neben J. G. Lumnitzer (s. d.) – und Lehrer, ab 1841 als zweiter Prediger ebenda und machte sich um den konfessionellen Ausgleich zwischen den Angehörigen des Augsburger und des Helvet. Bekenntnisses sehr verdient; 1839 Dr. phil. der Univ. Olmütz. Nach abgelegter Konkursprüfung wurde er 1845 zum Prof. für Systemat. Theol. AB an der evang.-theol. Lehranstalt in Wien ernannt, wo er 1846 seine Lehrtätigkeit aufnahm. Im selben Jahr wurde er als geistl. Rat in das Kollegium des Konsistoriums AB berufen. 1852/53 und 1853/54 Dekan der 1850 in den Rang einer Fak. erhobenen Lehranstalt, 1854–55 Prodekan. S. war auch Dr. theol. h. c. der Univ. Königsberg in Preußen. Sein Bruder Gustav Adolf S. (geb. Brünn, 17. 9. 1816; gest. ebd., 8. 9. 1905) übernahm die väterl. Fa. und übte im Rahmen der Evang. Kirche weltl. Funktionen aus: Als Kurator der evang. Pfarrgmd. Brünn hatte er wesentl. Antl. am Bau einer neuen Schule und an der Errichtung der von H. Frh. v. Ferstel (s. d.) geplanten Christuskirche; weiters wirkte er als Senioratskurator, ab 1863 als Kurator der Superintendenz Mähren-Schlesien AB, als Mitgl. der Gen.synode AB (1864–95) und des Synodalausschusses (1889–95). Er wurde mit dem Titel eines k. Rates und dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens (1887) ausgez.

W.: Für den Frieden unter den Christen beim Unterschiede der Glaubensbekenntnisse, 1855; Gelegenheitsschriften; Predigten; etc.
L.: Bautz; Wurzbach (s. u. Karl S.); G. Trautenberger, Geschichte der evang. Kirche in den kgl. Städten Mährens, 1864, S. 41; Aus der evang. Kirchen-Gmd. in Brünn, 1866, bes. S. 189; M. Taufrath, Kurze Nachrichten über die k. k. evang.-theol. Fak. in Wien …, 2. Aufl. 1871, S. 14f.; G. Frank, Die k. k. evang.-theol. Facultät in Wien …, 1871, S. 34f. – Gustav Adolf S.: Tagesbote aus Mähren und Schlesien, 9. 9. 1905; Heller 4; Die 6. o. Gen.synode der evang. Kirche AB (1895), ed. Th. Haase, 1898, S. 31f.
(K. Schwarz)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 78
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