Torosiewicz (Torosiewitz), T(h)eodor von (1789–1876), Apotheker und Chemiker

Torosiewicz (Torosiewitz) T(h)eodor von, Apotheker und Chemiker. Geb. Stanislau, Galizien (Ivano-Frankivsʼk, UA), 6. 9. 1789; gest. Lemberg, Galizien (L’viv, UA), 2. 3. 1876. T. stammte aus einer ärml. Familie mit armen. Wurzeln, Bruder von Józef (Josephus, Juzef) T. (s u.). – Nach Besuch des Gymn. absolv. T. zunächst eine pharmazeut. Ausbildung in Lemberg und 1811/12 einen pharmazeut. Lehrkurs in Wien. 1819 gründete er in Lemberg die Apotheke Unter dem römischen Kaiser Titus mit einem chem. Laboratorium. Aufgrund gesundheitl. Probleme lehnte er eine Berufung als Prof. für Chemie an die chirurg. Abt. der med. Fak. ab. Durch zahlreiche Experimente in seinem eigenen Labor kam T. 1836 zu dem Schluss, dass Arzneimittel vor Zersetzung durch Sonnenlicht geschützt sind, wenn sie in farbigen Gläsern aufbewahrt werden. Bereits 1836 wurde das lichthemmende Apothekenglas, das in Glashütten Galiziens, des heutigen Österr. und Böhmens erzeugt wurde, verwendet. T.s bes. Interesse galt den Heilwässern und Kurorten. Als Erster in Galizien nahm er eine gründl. Analyse der Eigenschaften von Mineralwässern vor, untersuchte Hunderte von Quellen in West- und Ostgalizien sowie in der Bukowina und bestätigte das Vorhandensein von neuen Quellen bzw. solchen an unzugängl. Orten in den dortigen Karpaten. 1827 führte er erstmals eine chem. Analyse des Schwefelwassers in Lubień Wielki (Velykyj Ljubinʼ) durch, deren Ergebnisse er 1828 als „Physikalisch-chemische Analyse der mineralischen Schwefelquelle zu Lubień …“ publ. und die die Erschließung des Kurorts zur Folge hatte. 1828 analysierte er auch den Salzgehalt der Quelle in Stara Sól (Stara Sil). 1835 erforschte T. erstmals die Inhaltsstoffe des Mineralwassers in Truskawiec (Truskavecʼ), 1837 gelang ihm der Nachweis, dass die Jodquellen in Iwonicz-Zdrój die gleichen Eigenschaften aufwiesen wie die bekannte Adelheidquelle im oberbayr. Bad Heilbrunn. T. erwarb sich bes. Verdienste um den Ausbau moderner Kurorte wie Szkło (Šklo), Morszyn Zdrój (Moršyn) und Truskawiec. Darüber hinaus befasste er sich mit Bodenkde., Bromatol., Toxikol. und chem. Technik, darunter der Zuckergewinnung aus der Futterrübe, der Sirupbereitung aus Kartoffelstärke, der Raffinierung von Ripsöl, sowie mit chem. Analysen von Bier, Torf und Ackerkrume. Seine Fachbeitrr. erschienen in dt. und poln. Sprache, u. a. im „Repertorium für die Pharmacie“, in den „Medicinischen Jahrbüchern des kaiserl. königl. österreichischen Staates“, im „Pharmaceutischen Central-Blatt“, im „Archiv für die gesammte Naturlehre“, im „Rocznik wydzialu lekarskiego w uniwersytecie Jagiellonskim“, aber auch in Ztg. wie der „Gazeta Lwowska“. T. war u. a. Mitgl. der Krakauer Wiss. Ges. (Towarzystwo Naukowe Krakowskie), der ärztl. Ges. von Lemberg und Wien, der Pharmazeut. Ges. von München sowie 1860–76 Ehrenmitgl. der Ges. der Freunde der Wiss. in Posen/Poznań (Towarzystwo Przyjaciół Nauk). 1854 erhielt er das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Sein Bruder, der Mediziner und Mäzen Józef (Josephus, Juzef) T. (geb. Stanislau, 1784; gest. Lemberg, 1869), erforschte gem. mit Theodor T. Mineralquellen in den Karpaten und leistete ebenfalls einen wichtigen Beitr. zur Etablierung von Kurorten in Galizien. Darüber hinaus war Józef T. für sein soziales Engagement bekannt. Er förderte aus eigenen Mitteln Studenten an den Univ. Wien und Lemberg sowie Schulen, Kinderheime und Krankenhäuser. 1865 gründete er die Bildungsanstalt Zakład Naukowy im. dr J. T. für armen. Jugendliche.

Weitere W.: s. Wurzbach; Gąsiorowski; Kośmiński.
L.: Laibacher Ztg., 28. 4. 1854; Wurzbach (m. W.); L. Gąsiorowski, Zbiór wiadomości do historyi sztuki lekarskiéj w Polsce 3, 1854 (m. W.); Enc. Powszechna 25, 1867; S. Krawczykiewicz, Życiorys T. T. …, 1874; S. Kośmiński, Słownik lekarzów polskich, 1888 (m. W.); S. Orgelbrand, Enc. Powszechna 14, 1903; W. Roeske, T. T. …, 1962; S. Nicieja, Cmentarz Łyczakowski we Lwowie w latach 1786–1986, 1989, S. 375; Lex. historii Polski, ed. M. Czajka u. a., 1995. – Józef T.: A. Medyński, Ilustrowany przewodnik po cmentarzu Łyczakowskim, 1937, S. 15, 89; S. Nicieja, Cmentarz Łyczakowski we Lwowie w latach 1786–1986, 1989, S. 140, 144, 251; J. Smirnow, Katedra ormiańska we Lwowie, 2002, S. 66.
(M. Nadraga)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 412f.
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