Bauer, Franz Josef (1927–1988), Politiker und Journalist

Bauer Franz Josef, Politiker und Journalist. Geb. Wien, 16. 3. 1927; gest. Wien, 1. 3. 1988; röm.-kath. Sohn des Gastwirts, Nationalratsabgeordneten und Wiener Stadtrats sowie Landtagsabgeordneten Franz Leopold Bauer (geb. Wien, 30. 10. 1901; gest. Wien, 6. 6. 1964). – Nach der Absolvierung des Realgymnasiums begann Bauer im Herbst 1945 das Studium der Geschichte an der Universität Wien, wo er der CV-Verbindung Norica beitrat; 1950 Dr. phil. mit einer Arbeit über den christlichsozialen Politiker Leopold Kunschak. Bauer engagierte sich gleich zu Beginn seines Studiums bei der gerade ins Leben gerufenen Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) und wurde 1947 Vorsitzender von deren Hauptausschuss an der Universität Wien. Nachdem Ende 1947 der Vorsitzende des Zentralausschusses der ÖH Fritz Köhler vermisst war – man ging von einer Verschleppung durch die sowjetische Besatzungsmacht aus, – wurde Bauer Anfang 1948 zu dessen Nachfolger gewählt und war damit oberster Studentenvertreter Österreichs. Er übte dieses Amt bis Anfang Juli 1949 aus. In seiner Amtszeit wurde von der ÖH der Entwurf eines neuen Hochschülerschaftsgesetzes vorgelegt, das 1950 beschlossen wurde. 1962/63 fungierte er als Präsident der Union Österreichischer Akademiker. Nach seinem Studium war Bauer ab Anfang 1951 zuerst Angestellter der Sozialversicherungsanstalt der Beamten, dann der Meisterkrankenkasse. 1955 wechselte er als Journalist zur Tageszeitung „Neues Österreich“, welche 1945 unter gemeinsamer Verwaltung von ÖVP, SPÖ und KPÖ entstanden war. 1957 ging er als Wirtschaftsjournalist zur „Wiener Zeitung“, wo er die Stellung eines Beamten erhielt (Oberredaktionsrat, ab 1978 Ministerialrat im Stand des Bundeskanzleramts). Als politisch Interessierten zog es Bauer in die Wiener Kommunalpolitik, wo bereits sein Vater gewirkt hatte. Hier war er 1953–55 2. Sekretär des Wiener ÖVP-Landtagsklubs. Gleichzeitig engagierte er sich in seinem Wohnbezirk Währing, wo er 1953–57 Bezirksrat war. Nach seiner Übersiedelung in den 9. Bezirk war er dort ab 1959 ebenfalls Bezirksrat und wurde 1964 zum Bezirksvorsteher gewählt, eine Funktion, die er allerdings nur ein halbes Jahr ausübte. 1964 wurde Bauer für die ÖVP in den Wiener Gemeinderat gewählt, dem er 1964–70 angehörte. Als ÖVP-Bezirksparteiobmann auf dem Alsergrund baute er seine innerparteiliche Position aus, so dass er nach der Niederlage der ÖVP bei den Wiener Landtags- und Gemeinderatswahlen 1969 zum ÖVP-Landesparteiobmann gewählt wurde und in dieser Funktion Leopold Hartl ablöste. Bauer wechselte nach den Wahlen 1970 in den Nationalrat, in dem er – mit Unterbrechung von Juni bis Oktober 1970 wegen einer Teilaufhebung der Nationalratswahlen und einer Wiederholung derselben im damaligen Wahlkreis 3 – bis 1977 saß. Im Nationalrat meldete er sich hauptsächlich zu Fragen der inneren Sicherheit zu Wort und gehörte dem ständigen Unterausschuss des Hauptausschusses an. Bauer versuchte sich als ÖVP-Landesparteiobmann u. a. mit markigen Sprüchen zu profilieren. So prophezeite er nach dem Wahlsieg Bruno Kreiskys 1970, dass dessen Regierung am „Schindanger der Geschichte“ landen werde. Als bei der Wiener Landtagswahl 1973 die ÖVP kaum an Stimmen dazugewann, vermehrte sich die Kritik an Bauer. Im Sommer 1976 wechselte Erhard Busek von der Bundespolitik (ÖVP-Generalsekretär) in die Wiener Landespolitik und löste Bauer im Oktober desselben Jahres als ÖVP-Landesparteiobmann ab. Als 1977 die Volksanwaltschaft errichtet wurde, wählte der Nationalrat Bauer zu einem der drei Volksanwälte. Dieses Amt (im Rang eines Staatssekretärs) übte er bis zu seinem Lebensende aus. Er war am Aufbau dieser Behörde maßgeblich beteiligt. Kurz vor seinem Tod überreichten ihm Bundespräsident Kurt Waldheim das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich und der Erzbischof von Wien Hans Hermann Kardinal Groër das Großkreuz des Päpstlichen Gregoriusordens.

L.: C. Forster, Die Geschichte der Österreichischen Hochschülerschaft, 1984, S. 150f.; Biographisches Handbuch der österreichischen Parlamentarier 1918–1993, 1993; Biographisches Lexikon des Österreichischen Cartellverbands (mit Bild, Zugriff 3. 8. 2023); Ehrenzeichenkanzlei der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei, Wien.
(Gerhard Hartmann)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)