Baumann Franz, Architekt. Geb. Innsbruck (Tirol), 19. 3. 1892; gest. Innsbruck, 28. 8. 1974. Sohn der aus Ried im Oberinntal stammenden Johanna Baumann, geb. Unterlechner (1856–1924), und des Postamtsdieners Josef Baumann (1848–1929), dessen Vorfahren aus dem Ötztal stammten, Bruder u. a. von Maria Baumann, verheiratete Prachensky, Frau des Architekten und Malers Theodor Prachensky; ab 1922 mit Elsa, geb. Ploner, verheiratet. – Neben einer Maurerlehre ab 1906 besuchte Baumann 1907–11 die Staatsgewerbeschule in Innsbruck. 1911–12 folgte er seinem späteren Schwager nach Meran, wo er für Musch & Lun, Büro für Architektur und Ingenieurbau, sowie 1913 für den Architekten Adalbert Erlebach arbeitete. Dort wurde er nachhaltig durch Gustav Birckenstaedt beeinflusst, der im Hotelbau, als Berater der 1912 eröffneten Vigiljochbahn in Lana und federführend im Heimatschutz tätig war. Ab 1913 im Wehrdienst, wurde Baumann im 1. Weltkrieg an der Südfront eingesetzt (nach eigenen Angaben am Pasubio und 1917 bei der Asiago-Offensive; nach schwerer Verwundung erfolgte die Genesung in Prag). 1918/19 Bauleiter im österreichischen Militärbauamt und 1919 kurzzeitig Mitarbeiter von Lois Welzenbacher, wechselte er noch im selben Jahr zur Baufirma Grissemann & Walch, bei der er bis 1927 blieb. 1923 legte er die Baumeister-Prüfung ab. In seiner Freizeit nahm Baumann an Wettbewerben teil und gewann erste Preise, u. a. 1927 für die Stationsgebäude der Innsbrucker Nordkettenbahn. Er eröffnete ein eigenes Büro und realisierte bis 1939 seine Hauptwerke: bis 1928 die Stationen Hungerburg, Seegrube und Hafelekar der Nordkettenbahn samt Innenraumgestaltungen, 1930 das Hotel Monte Pana in St. Christina (Südtirol) und 1932/33 das Hotel Hochfirst in Obergurgl. Mit seinem Schwager führte er u. a. 1929–31 die Hauptschule Hötting (heute Innsbruck) aus. Hinzu kamen Ausstellungsbeteiligungen, z. B. 1933 an der Triennale in Mailand. 1933–37 besuchte Baumann auf Drängen von →Clemens Holzmeister den Ziviltechnikerlehrgang, um offiziell den Berufstitel Architekt tragen zu können (Vereidigung am 28. August 1937). 1932 wurde er Mitglied in der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs (Z. V.) und leitete 1935–39 die Landesgruppe Tirol. Baumann sympathisierte mit den Nationalsozialisten und trat am 30. Juni 1938 in die Reichskammer der bildenden Künste ein. Im Widerspruch zur NS-Gauleitung Tirols und teils mithilfe von Albert Speer setzte er sich aber für die Erhaltung von Denkmälern im Zentrum Innsbrucks ein, die einer Prachtstraße mit einem Hitler-Monument weichen sollten – mit der Folge, dass ihm öffentliche Aufträge und die Leitung der Z. V. entzogen wurden. 1944–53 war er am Innsbrucker Stadtbauamt angestellt und beteiligte sich nach dem 2. Weltkrieg an mehreren Wiederaufbau-Projekten. Nach dem Krieg bemühte sich Baumann um Korrektur seines Rufs, ein ehemaliger Nationalsozialist zu sein. Baumann zählt zu den Hauptvertretern der klassischen Moderne in Tirol (auch „Tiroler Moderne“). Sein Selbstverständnis als Architekt wurzelte im Heimatschutz und dem Anliegen, gewachsene, agrarisch geprägte Landschaften, bäuerliches Kulturgut und historische Zeugnisse zu erhalten und an diesen Bestand künstlerisch anzuschließen. Im urbanen Kontext suchte er zum Teil die Nähe zum Neuen Bauen. Wie andere Architekten in Österreich stand er aber einer doktrinären Interpretation der Moderne mit Vorbehalten gegenüber. Für ihn führte die Neue Sachlichkeit in ihrem rigorosen Verzicht auf kulturelle Symbole zu einer Emotionsarmut, die mit der alpinen Umwelt und den durch sie geformten Menschen nicht vereinbar war. In Reaktion darauf entwarf er Seilbahnstationen, Landhäuser, Berghotels und -gaststätten in einer Synthese von Moderne mit Metaphern, die assoziativ auf die Bedingungen im Gebirge verweisen – begleitet von einem holistischen Gestaltungsansatz, von der architektonischen Gesamtfigur bis hin zu Möbeln und Details wie Türgriffen. Baumann hinterließ mit den Stationen der Nordkettenbahn Ikonen des Bauens in den Alpen, die auch nach mehreren Umbauten von ihrer Wirkung nichts eingebüßt haben. Hiervon haben sich z. B. eine massive, skulptural anmutende Tischgruppe für wartende Bergsteiger:innen und Skifahrer:innen (Hungerburg) sowie zeitlos-moderne Stuben mit Sitzgelegenheiten, Leuchten etc. (Seegrube, Hafelekar) bis heute erhalten. Zeit seines Lebens war Baumann auch künstlerisch tätig und fertigte Aquarelle seiner Bauten und Projekte an, die vielfach veröffentlicht wurden. Über 600 Planzeichnungen befinden sich im Archiv für Bau.Kunst.Geschichte an der Universität Innsbruck. Baumann wurde 1962 Ehrenmitglied der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs. 1964 erhielt er den Berufstitel Technischer Rat und 1972 den Professorentitel verliehen.

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