Baumann Rudolf, Veterinärmediziner. Geb. Wien, 10. 2. 1897; gest. Wien, 24. 12. 1961; röm.-kath. Sohn von Leopoldine Baumann, geb. Müller (geb. Wien, 14. 11. 1867; gest. Wien, 26. 5. 1948), und dem Oberrechnungsrat Anton Baumann (geb. Wien, 5. 3. 1866; gest. Wien, 5. 4. 1944); ab 1927 verheiratet mit Viktoria Baumann, geb. Grazoll (geb. Wien, 16. 9. 1898). – Nach dem Besuch des Gymnasiums 1908–15 wurde Baumann zum Kriegsdienst in den Infanterieregimentern Nr. 76 und Nr. 4 eingezogen und kam an der russischen Front sowie in Griechenland zum Einsatz. 1916 erlitt er eine schwere Verwundung und geriet in russische Gefangenschaft. Nach Ablegung der Matura 1918 studierte er an der Tierärztlichen Hochschule in Wien; 1922 Tierarztdiplom, 1923 Dr. med. vet. mit der Arbeit „Untersuchungen über die Staupepneumonie“ (in: Wiener Tierärztliche Monatsschrift 10, 1923). 1922 wurde er zum Hilfsassistenten an der Lehrkanzel für pathologische Anatomie und gerichtliche Tierheilkunde bestellt, im selben Jahr stieg Baumann zum ao. Assistenten auf und blieb an der Lehrkanzel bis November 1925. Von Dezember 1925 bis Februar 1928 arbeitete er als Vertragsbediensteter bei der Bundesanstalt für Tierseuchenbekämpfung in Mödling. 1929–30 hatte er die Position einer wissenschaftlichen Hilfskraft an der Lehrkanzel für pathologische Anatomie und gerichtliche Tierheilkunde inne. Nach Vorlegen seiner Habilitationsschrift „Über das Vorkommen morphologisch nachweisbarer Cholesterinester in verschiedenen pathologisch veränderten Organen der Tiere“ (in: Virchows Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medizin 277, 1930) wurde Baumann 1930 die venia docendi für das Fachgebiet allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie erteilt. Nach der Versetzung Rudolf Hartls in den Ruhestand 1932 betraute man Baumann bis 1934 mit der Supplierung der Vorlesungen, Übungen und Prüfungen aus der allgemeinen Pathologie, der pathologischen Anatomie und gerichtlichen Tierheilkunde. 1935 folgte seine Ernennung zum ao. Professor und zum Leiter der Lehrkanzel für allgemeine Pathologie, pathologische Anatomie und gerichtliche Tierheilkunde. 1936 wurde Baumann als Ordinarius für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie an die Veterinärmedizinische Fakultät der Landwirtschaftlichen Hochschule in Ankara berufen, wo er bis 1937 blieb. Während dieses Aufenthalts untersuchte er verschiedene Tierkrankheiten und sammelte Präparate, u. a. Theileria- und Gongylonema-Präparate vom Wiederkäuer und vom Schwein. Diese Präparate sind noch heute ein wichtiger Bestandteil der pathologischen Sammlung an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. 1938–40 war Baumann mit der Supplierung der Leitung der Lehrkanzel für Bakteriologie und Tierhygiene betraut und hielt Vorlesungen und Übungen zu diesem Themenbereich ab. 1941 wurde er zum o. Professor für allgemeine und gerichtliche Tierheilkunde ernannt. Ein Jahr später erfolgte die Einberufung zum Militärdienst. Nach einer kurzen Tätigkeit an der Veterinär-Ersatz-Abteilung XVII in Hollabrunn wurde er noch 1942 zum Heimatpferdepark XVII in Wien abkommandiert. Somit konnte er an die Tierärztliche Hochschule zurückkehren und die Leitung der Lehrkanzel übernehmen (1942 Oberveterinär, 1943 Stabsveterinär). Aufgrund seiner NSDAP- Parteianwärterschaft wurde Baumann 1945 der Lehrtätigkeit an der Tierärztlichen Hochschule in Wien enthoben, allerdings mit einer Genehmigung als o. Professor für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie weiterbelassen und mit der stellvertretenden Leitung des Anatomischen Instituts und der Abhaltung der Vorlesungen und Übungen aus der systematischen und topographischen Anatomie betraut. Nach der definitiven Aufhebung der Enthebungsverfügung im August 1946 wurde Baumann nach seiner Entnazifizierung 1948 erneut zum ao. Professor, 1952 zum o. Professor für allgemeine Pathologie, pathologische Anatomie und gerichtliche Tierheilkunde an der Tierärztlichen Hochschule in Wien ernannt. 1956 zwang ihn sein Gesundheitszustand in den vorzeitigen Ruhestand. Baumann verfasste über 70 Arbeiten, die ein breites Spektrum seines Fachs umfassen. Dazu kommen Beiträge in der von Valentin Stang und David Wirth herausgegebenen mehrbändigen Enzyklopädie „Tierheilkunde und Tierzucht“ wie auch im mehrfach aufgelegten „Lehrbuch der Allgemeinen Pathologie für Tierärzte und Studierende der Tiermedizin“ von Theodor Kitt. 1935–43 fungierte Baumann als Mitherausgeber der „Wiener Tierärztlichen Monatsschrift“, 1939–44 wirkte er bei der „Berliner und Münchener Tierärztlichen Wochenschrift“ mit. Baumann war ab 1946 korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, weiters Mitglied der Wiener tierärztlichen Gesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft der Veterinärpathologen Deutschlands. Er erhielt das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes sowie das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern.

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