Baumgärtel, Karl Emmerich (1887–1958), Schriftsteller und Journalist

Baumgärtel Karl Emmerich, Schriftsteller und Journalist. Geb. Mauer bei Amstetten (Amstetten, Niederösterreich), 18. 1. 1887; gest. Linz (Oberösterreich), 27. 8. 1958; röm.-kath., ab 1929 evang. Sohn des Stationsvorstands an der Kaiserin-Elisabethbahn Karl Baumgärtel und der Maria Antonia Baumgärtel, geb. Benezeder, Bruder von Emil Baumgärtel (geb. Wernersreuth, Böhmen / Vernéřov, Tschechien, 10. 1. 1885; gest. Wien, 27. 9. 1939), sozialdemokratischer Politiker, Vizepräsident der Arbeiterkammer und Sekretär des Bunds der Industrieangestellten Österreichs. – Baumgärtel lebte seit der Versetzung des Vaters in die Staatsbahndirektion 1899 in Linz. Dort absolvierte er das Staatsgymnasium, studierte zunächst zwei Semester Philosophie in Graz, wo der bibliografisch nicht verifizierbare Essay „Zur Psychologie des Glaubens“ (1910) entstanden sein soll, danach vier Jahre Jus in Wien, beides ohne Abschluss. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs im Kriegsfürsorgeamt Linz bzw. im Magistrat Linz beschäftigt, stand er von November 1917 bis November 1918 im Kriegseinsatz. Wie sein Bruder war er nach Kriegsende Mitglied im Linzer Soldatenrat. 1920–25 gehörte er dem neu gegründeten österreichischen Bundesheer an. Nach einem Intermezzo im Magistrat Linz versuchte sich Baumgärtel als Journalist, u. a. beim Linzer „Tagblatt“ und bei der „Oberösterreichischen Tageszeitung“, ehe er 1931 beim Wiener Verlag Lego anheuerte, ca. 1933 aber nach Linz zurückkehrte. In dieser Zeit wandte er sich dem Nationalsozialismus zu und fand im Rechtsanwalt und Gaupresseleiter der illegalen NSDAP Oberdonau Anton Fellner einen einflussreichen Mentor. Im Brotberuf 1934–38 vermutlich Oberösterreich-Korrespondent der „Wiener Neuesten Nachrichten“, übte Baumgärtel im Verbund mit Fellner bis 1938 erheblichen Einfluss auf die illegale NS-Presseszene in Oberösterreich aus (vgl. seine im Nachlass erhaltenen „Verse aus Österreichs Kampfzeit“). Literarische Anfänge datieren aus der Schulzeit (u. a. „Das Spiel vom alten und vom jungen Jahr“, 1905/06), später entstand vorrangig Lyrik, u. a. „Korona MCMXIII“ (1916), „Post festum“ (1919), „Die frühen Lieder“ (1921) und „Sommer“ (1925). Weitgehend autobiografisch sind „Die Gedichte des Knaben“ (1926) und „Lieder eines Arbeitslosen“ (1927, mit 28 Holzschnitten von Franz Katzer). 1921 war Baumgärtel Mitbegründer der ersten österreichischen Buchgemeinschaft „Bücherwurm“. Im Gegensatz zu heimischen Literaturkreisen, die ihn als Bohemien betrachteten, galt er in der Weimarer Republik als vielversprechendes Talent (Lyrikpreis des Bundes für freie Kunst in Berlin, 1921). Nach dem „Anschluss“ im März 1938 erfolgte Baumgärtels Aufstieg im Pressebereich des Reichsgaues Oberdonau (NSDAP-Nr. 6.296.406). Als Gauhauptstellenleiter im Gaupresseamt war er maßgeblich an den Presseerzeugnissen des Gaus beteiligt, allen voran am „Österreichischen Beobachter“ und an der „Volksstimme“ (ab 1943 „Oberdonau-Zeitung“). Auf literarischem Gebiet veröffentlichte Baumgärtel 1938–45 v. a. Gedichte im Linzer Jahrbuch „Stillere Heimat“ und in der Zeitschrift „Oberdonau“, darunter das Führergedicht „Kindheit in Braunau am Inn“ und „Bekenntnis 1943“; eine geplante Buchpublikation des in der „Stilleren Heimat“ vorabgedruckten Gedichtzyklus „Maja“ (1943) dürfte nicht zustande gekommen sein. 1943 übernahm Baumgärtel zusätzlich die Stelle eines Pressereferenten im Reichspropagandaamt Oberdonau. Auf publizistischem Gebiet spezialisierte er sich auf kunsthistorische Beiträge, wie u. a. „Künstler sehen die Heimat des Führers“ im Sonderheft zum 20. April 1943, Hitlers 54. Geburtstag, der Zeitschrift „Kunst und Volk“. Ebenfalls 1943 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Linz für seine in der „Stilleren Heimat“ publizierten Gedichte. 1946 beteiligte sich Baumgärtel an der Gründung der Notgemeinschaft oberösterreichischer Schriftsteller, 1947 wurde er wegen seiner NS-Vergangenheit verhaftet und für zwei Monate interniert. Danach konnte er krankheitshalber nicht mehr Fuß fassen, obwohl er sich in der Zeitschrift „Die Silberrose“ des Oberösterreichischen Künstlerbunds engagierte (u. a. „Das weite Land“, 1953), weiterhin regelmäßig in der „Stilleren Heimat“ publizierte und 1953 für „Das goldene Jahr“ (1952) den Kulturpreis der Stadt Linz erhielt. Die nach ihm benannte Straße in Linz-Katzbach wurde 2001 in Emil-Baumgärtel-Straße umbenannt.

Weitere W.: Naturmärchen, 1917; Frühling, 1921; Gedichte, ed. M. R. v. Stern, 1922; Königin durch meine Narrheit, 1923; Neuer Frühling (Feste der Blüte), 1926; Harah, 1929; Magdalena, 1931; Das Mitleidspiel, 1933; Der Streit der Väter, UA 1934 (gemeinsam mit F. Spindler); Winter, 1944; Und sie bauten einen Turm, 1957.
L.: Kosch; R. List, Katholische Dichtung in Österreich, 1934; Deutscher Literatur-Kalender 1932–1937/38; Standesbuch österreichischer Schriftsteller und Schriftstellerinnen, 1937; H. Kreczi, Städtische Kulturarbeit in Linz, 1959, S. 84; Kleine Offenhausener Literaturgeschichte, 1978; M. Gustenau, Die nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich 1933–1945, phil. Diss. Wien, 1990, S. 331ff.; H. Kreczi, Linzer Kulturpolitik miterlebt (1938–1947), in: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1991, 1992, S. 169ff.; M. Gustenau, Mit brauner Tinte. Nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich (1933–1945), 1992, s. Reg.; H. Strallhofer-Mitterbauer, NS-Literaturpreise für österreichische Autoren, 1994; E. Dambacher, Literatur- und Kulturpreise 1859–1949, 1996; A. Klaffenböck, Literatur im Reichsgau Oberdonau 1938–1945, in: „Kulturhauptstadt des Führers“. Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich, ed. B. Kirchmayr, 2008, S. 161ff.; K. Gradwohl-Schlacher, Karl Emmerich Baumgärtel, in: Literatur in Österreich 1938–1945, 3: Oberösterreich, 2014; UA, Wien; Pfarre Öhling, Niederösterreich; Universität Graz / Forschungsstelle Österreichische Literatur im Nationalsozialismus, Steiermark.
(Karin Gradwohl-Schlacher)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)