Bayer, Fritz Otto (1900–1984), Chemiker

Bayer Fritz Otto, Chemiker. Geb. Rietzdorf, Steiermark (Rečica ob Paki, Slowenien), 12. 5. 1900; gest. Wien (?), 22. 2. 1984; evang. AB. Sohn von Alma Maria Bayer, geb. von Witte (geb. Dorpat, Russland / Tartu, Estland, 1. 11. 1868), und →Karl Joseph Bayer; ab 1932 verheiratet mit Anna Maria Bayer, geb. Baumann. – Bayer besuchte nach der Evangelischen Privatvolksschule in Graz ab 1911 die dortige Staatsoberrealschule, wo er 1919 maturierte. Während seiner Schulzeit musste er 1918 Kriegsdienst an der italienischen Front leisten. Danach begann er ein Chemiestudium an der Technischen Hochschule in Graz (1919–21), unterbrach dieses jedoch für Praktika in der Chlorfabrik Brückl (Kärnten) und bei der Dr. Alexander Wacker Gesellschaft für elektrochemische Industrie KG im bayerischen Burghausen. 1924 setzte er das Chemiestudium an der Universität Graz fort und wurde 1928 zum Dr. phil. promoviert. Danach begann er ein Medizinstudium an der Universität Graz, wechselte aber 1929 als Assistent an die Montanistische Hochschule in Leoben. Von dort flüchtete Bayer, der bereits 1932 der NSDAP beigetreten war, im Juli 1934 vor dem Standgericht nach Deutschland, wo er als Chemiker in der Aluminium-Industrie (Lautawerk) tätig war. Danach arbeitete er für die Schweizer Firma Krebs und Co. in Berlin, Zürich und Paris. Im Juni 1939 habilitierte er sich für chemische Technologie und Gasanalyse in Leoben und übernahm ab 1940 die beiden chemischen Lehrkanzeln an der Montanistischen Hochschule. 1942 folgte er einem Ruf als o. Professor für Technische Elektrochemie an die Technische Hochschule in Wien, wo er an kriegswichtigen Aufträgen arbeitete. 1945 wurde er als Mitglied der NSDAP und der SA seines Amts enthoben und man entzog ihm die Lehrtätigkeit. Ab 1947 arbeitete Bayer erneut in der Industrie (Leoben, Ebensee, Spanien und Zürich), 1949–50 als Ingenieurchemiker beim Leichtmetallwerk Bernhard Berghaus & Co. Danach erhielt er eine Anstellung bei der Deutschen Ton- und Steinwerkzeuge A.G. in Kassel, wo er bis zum Direktor aufstieg. 1954 erfolgte die Wiederverleihung der venia legendi aus chemischer Technologie und Gasanalyse an der Montanistischen Hochschule in Leoben. 1955 wurde er erneut zum o. Professor für Technische Elektrochemie an die Technische Hochschule in Wien berufen. 1959–61 amtierte er als Dekan der Fakultät für Technische Chemie; 1971 wurde Bayer emeritiert. Zu seinen Hauptarbeitsgebieten zählten die Elektrometallurgie, die Chlorkali-Elektrolyse und die Gasanalyse. Er hielt mehrere Patente zur Erzeugung von Reinsole in Bergwerken. 1968 erhielt er das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

W. (s. auch Kaiser): Gasanalyse. Methoden der Arbeitspraxis unter Berücksichtigung der physiologischen Wirkungen der Gase, 1938, 3. Aufl. 1960.
L.: 150 Jahre Technische Hochschule in Wien 1815–1965, 2, ed. H. Sequenz, 1965, S. 504f. (mit Bild); A. Schmidt, em. o. Univ. Prof. Dr. phil. Fritz Bayer, in: K. Kraus, Eines Rektors Zeit: Bericht des Rektors O. Univ. Prof. Dr. K. Kraus, 1993, S. 225f.; M. Kaiser, Die Geschichte der Lehrkanzel für Technische Elektrochemie an der Technischen Hochschule Wien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, techn. DA Wien, 2011, S. 28ff., 85ff. (mit Bild und W.); TU Wien / Personalakt Fritz Bayer; Montanuniversität Leoben / Personalakt Fritz Bayer.
(Paulus Ebner)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)