Bayr-Klimpfinger Sylvia, geb. Klimpfinger, Psychologin und Pädagogin. Geb. Wien, 1. 8. 1907; gest. Wien, 25. 7. 1980; röm.-kath. Tochter von Theresa Klimpfinger, geb. Eschner (geb. Wien, 27. 9. 1881), und dem Inspektor der Österreichischen Bundesbahnen Franz Xaver Michael Klimpfinger (geb. Wien, 28. 11. 1872); 1948–62 (Scheidung) verheiratet mit Rudolf Bayr (geb. Linz, Oberösterreich, 22. 5. 1919; gest. Salzburg, Salzburg, 17. 10. 1990). – Bayr-Klimpfinger besuchte nach der Volks- und Bürgerschule eine konfessionelle Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien-Döbling, wo sie 1926 das Reifezeugnis für Volksschulen erwarb. 1927–29 absolvierte sie die viersemestrigen hochschulmäßigen Lehrerbildungskurse am Pädagogischen Institut der Stadt Wien, im Juni 1928 bestand sie die Ergänzungsprüfung für Realgymnasien, die für die Inskription als o. Hörerin an der Universität Wien Voraussetzung war. Im Wintersemester 1928/29 nahm sie ihre Studien an der Universität Wien auf, wo sie neben den Vorlesungen und Seminaren an dem von Karl und Charlotte Bühler geleiteten Wiener Psychologischen Institut Lehrveranstaltungen aus Pädagogik, Philosophie, Physik und Mathematik belegte. 1932 promovierte sie mit einer von Egon Brunswik betreuten Dissertation über „Die Gestaltkonstanz in ihrer Entwicklung und Beeinflussung durch Übung und Einstellung“, die in Teilen in der Fachzeitschrift „Archiv für die gesamte Psychologie“ veröffentlicht wurde. Anfang Dezember 1933 wurde Bayr-Klimpfinger als Hilfslehrerin in den Schuldienst übernommen und mit Beginn des Schuljahres 1936/37 als provisorische Lehrerin an der Hauptschule für Mädchen in der Zeltgasse in Wien-Josefstadt angestellt. Im März 1940 wurde sie beurlaubt, um am Wiener Psychologischen Institut die Vertretung der dort eingerichteten Assistentenstelle zu übernehmen. 1943 habilitierte sich Bayr-Klimpfinger mit einer Arbeit über „Die Testmethode im Rahmen der Persönlichkeitsbeurteilung“ für das Gesamtfach der Psychologie. Ende März 1944 wurde sie am Psychologischen Institut zur planmäßigen Assistentin bestellt, worauf sie aus dem Schuldienst ausschied. Seit 1. Jänner 1941 war Bayr-Klimpfinger Mitglied der NSDAP, zudem gehörte sie der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), ab 1938 dem NS-Lehrerbund (NSLB) und – als Sachbearbeiterin – dem Reichsluftschutzbund (RLB) an. Mit der gesetzlichen Aufhebung aller an den Universitäten in der NS-Zeit durchgeführten Ernennungen und Habilitationen wurde ihr nach Kriegsende die Lehrbefugnis aberkannt. Als ehemaliges Parteimitglied musste sie sich einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen. In Richard Meister, der wieder den Lehrstuhl für Pädagogik übernommen hatte, fand sie einen Förderer und Fürsprecher: Noch vor dem Abschluss ihres Verfahrens übernahm er Bayr-Klimpfinger als nichtständige Hochschulassistentin in das von ihm geleitete Pädagogische Seminar. Nach ihrem Abgang aus dem Psychologischen Institut stellte ihr nun auch Hubert Rohracher, der Nachfolger Karl Bühlers, ein positives Gutachten in Bezug auf ihre Haltung zum Nationalsozialismus aus, das ihre Aussichten auf eine Weiterbeschäftigung an der Universität wesentlich verbesserte. 1948 wurde ihr schließlich die Lehrbefugnis wiedererteilt, 1950 erhielt sie den Titel einer ao. Universitätsprofessorin verliehen, 1955 wurde sie zur ständigen Hochschulassistentin bestellt und ein Jahr darauf auf ein neu eingerichtetes Extraordinariat für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie berufen. 1962 wurden die von Bayr-Klimpfinger am Pädagogischen Seminar aufgebaute kinderpsychologische Abteilung in das von Rohracher geleitete Psychologische Institut integriert und 1967 ihr Extraordinariat in eine o. Professur für Pädagogische Psychologie umgewandelt. Diesen Lehrstuhl hatte sie an der Universität Wien bis zu ihrer Emeritierung 1977 und danach noch für zwei weitere Jahre bis zur Neubesetzung mit Brigitte Rollett inne. Ihre wissenschaftliche Ausbildung hatte Bayr-Klimpfinger im Rahmen einer von Egon Brunswik zu Beginn der 1930er-Jahre am Wiener Psychologischen Institut geleiteten Arbeitsgruppe zur experimentellen Wahrnehmungspsychologie durchlaufen. Als sie nach der Entlassung Karl Bühlers an das Institut zur Vertretung der eingerichteten Assistentenstelle zurückkehrte, widmete sie sich ganz der Weiterführung der kinder- und jugendpsychologischen Forschungstradition, die Charlotte Bühler in Wien begründet und vertreten hatte. Insbesondere setzte sie auch die von Hildegard Hetzer und Charlotte Bühler entwickelte kinderpsychologische Diagnostik fort, u. a. in ihrer praktischen Tätigkeit im Rahmen der NSV. Nach dem Krieg ergänzte Bayr-Klimpfinger die Testreihen der Wiener Kleinkindertests um eine Testreihe für das siebente Lebensjahr („Eine Entwicklungsreihe für das 7. Lebensjahr“, in: Zeitschrift für Psychologie und Pädagogik 2, 1949). Von den 1950er-Jahren an machte sie die Kleinkinder- und Kindergartenpädagogik zu ihrem Forschungsschwerpunkt. Aus ihren stark anwendungsbezogenen Untersuchungen (z. B. über kindgerechtes Spielzeug, altersgemäße Kinderbücher, ab den 1960er-Jahren auch über die Auswirkung des neuen Massenmediums Fernsehen) ragen v. a. die Ansätze zu einer an Konzepten aus der Biologie orientierten Lebensraumforschung hervor. So bedürften Kleinkinder, um sich geschützt und sicher zu fühlen, klar abgegrenzter tätigkeitsspezifischer „Raumteilungen“ – eine Forderung, die es nach Bayr-Klimpfinger v. a. auch in der Kindergartenpädagogik umzusetzen galt. Sie war 1929–34 Mitglied des Zentralvereins der Wiener Lehrerschaft, 1934–38 Mitglied der Vaterländischen Front und ab 1954 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

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