Beck, Rudolf (Adam) (1875–1963), Journalist

Beck Rudolf (Adam), Journalist. Geb. Brünn, Mähren (Brno, Tschechien), 29. 11. 1875; gest. Pressbaum (Niederösterreich), 27. 1. 1963; altkath. Vater von Ernst Roman Beck (geb. 11. 1. 1914; gest. Jänner 1943), Redakteur der „Volkszeitung“; verheiratet mit Pauline (Paula) Beck (geb. Klagenfurt/Klagenfurt am Wörthersee, Kärnten, 2. 6. 1879). – Beck begann seine journalistische Laufbahn 1895 in Troppau als Lokaljournalist bei der deutschnationalen „Freien Schlesischen Presse“, von der er 1899 zur regierungsfreundlichen „Silesia“ nach Teschen wechselte. 1901 ging er nach Brünn und kam ein Jahr später nach Wien, wo er zuerst in der Redaktion der „Reichswehr“ und nach deren Einstellung 1904 ab 1905 vornehmlich als Gerichtssaalberichterstatter bei der „Illustrierten Kronen-Zeitung“ tätig war. 1907 bis zur Einstellung der Zeitung im März 1919 arbeitete er als Gerichtsreporter und Kommunalredakteur beim „Fremden-Blatt“. Daneben war er bis 1915 verantwortlicher Redakteur der „Montags-Revue“. Nach dem Ende des Erscheinens des „Fremden-Blatts“ war Beck außerdem für den von Benno Karpeles herausgegebenen „Der neue Tag“ tätig. Nachdem dieser ebenfalls im April 1920 eingestellt wurde, arbeitete er bis 1933 als Gerichtssaalberichterstatter für die „Wiener Allgemeine Zeitung“ und das „Illustrierte Wiener Extrablatt“, wobei er in seiner langjährigen Tätigkeit über zahllose große und kleinere Prozesse berichtete. Wegen der Sachlichkeit und Korrektheit seiner Beiträge genoss er bei der Richter- und Staatsanwaltschaft großes Ansehen. Ab 1933 schrieb er darüber hinaus für die „Wiener Zeitung“, die „Reichspost“ und die „Volkszeitung“. Von 1934 bis 1938 war Beck als Redakteur des „Neuigkeits-Weltblatts“ tätig. Nach dem „Anschluss“ wurde er pensioniert, konnte aber nach seiner Aufnahme in den Reichsverband der Deutschen Presse wieder für das „Neuigkeits-Weltblatt“ schreiben. Beck war ab Mai 1907 Mitglied des Journalisten- und Schriftstellervereins „Concordia“ und ab 1918 Mitglied der gewerkschaftlichen Organisation der Wiener Presse sowie Mitbegründer und 1919–38 Vorstandsmitglied der Vereinigung der Gerichtssaalreferenten der Wiener Tagespresse, die sowohl um das Ansehen des Standes bemüht war als auch Initiativen zur Liberalisierung des Presserechts setzte. Beck war ab 1934 Mitglied der Vaterländischen Front, galt aber seit längerer Zeit als mit dem Nationalsozialismus sympathisierend. Im Oktober 1938 wurde er auf Vorschlag des NS-Stillhaltekommissars Vorstandsmitglied der „Concordia“, deren Vermögen in der Folge von diesem eingezogen wurde. Ab Juli 1940 Mitglied des Reichsverbands der Deutschen Presse, gehörte er außerdem der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und dem Reichskolonialbund an. Nach Kriegsende bis zu seiner Pensionierung war Beck neuerlich als Gerichtssaalberichterstatter tätig und belieferte die „Wiener Zeitung“, die „Austria Presseagentur“ und die „Rathaus-Korrespondenz“. Beck bekleidete 1921–24 auch hohe Funktionen innerhalb der altkatholischen Kirche: Er war Pressereferent und zugleich Redakteur der Zeitschrift „Der Alt-Katholik“, ferner Kirchenrat und Synodalsekretär, legte nach Differenzen über eine Personalie seine Funktionen im Oktober 1924 jedoch zurück. Im Juli 1940 erfolgte seine Ernennung zum Ersatzmitglied des Reichskirchenrats. Beck war Träger des Ritterkreuzes des österreichischen Verdienstordens (1937).

L.: Neue Schlesische Zeitung, 10. 3. 1901; Kleine Volks-Zeitung, NFP, 15. 12. 1935; Das interessante Blatt, 8. 4., Neues Wiener Journal, 17. 4. 1937; WZ, 29. 11. 1955, 30. 11. 1956; Rathaus-Korrespondenz, 7. 3. 1961; Neues Österreich, 29. 1. 1963; Stern–Ehrlich, S. 258; Der Journalist 1, 1918, Nr. 12, S. 10, 3, 1920, Nr. 1, S. 12; Der Alt-Katholik, Sondernummer, 1. 10. 1921, 20, 1921/22, Nr. 11, S. 2, 56, Februar 1963, S. 2; I. Hartl, Das Fremdenblatt, phil. Diss. Wien, 1949, S. 23; Sudetendeutsche Zeitung, 1960, F. 50, S. 5; H. Partisch, Österreicher aus sudetendeutschem Stamme 1, 1961, S. 95; F. Stamprech, Die älteste Tageszeitung der Welt. Werden und Entwicklung der „Wiener Zeitung“, 2. Aufl. 1977, S. 452; P. Eppel, „Concordia soll ihr Name sein …“. 125 Jahre Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia“, 1984, S. 270; Ch. Halama, Altkatholiken in Österreich. Geschichte und Bestandsaufnahme, 2004, S. 487, 491, 493, 641, 689; S. Pixner, Pressepolitik in der NS-Zeit – Eine gruppenbiographische Analyse der RedakteurInnen der 1943 eingestellten Tageszeitung „Neuigkeits-Welt-Blatt“, sozialwiss. DA Wien, 2010, S. 53f.; ÖStA Wien / AdR, Präsidentschaftskanzlei, Gz. 3419/PK-1937; ÖStA Wien / AdR, BMfI, GA Nr. 41.546 betr. Rudolf Beck; ÖStA Wien / AdR, BKA-Inneres, Vereinsbüro der Polizeidirektion Wien, Gz. VIII-2731.
(Theodor Venus)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)