Becker-Donner Etta (Violetta), geb. Jelinek-Donner, Ethnologin und Museumsdirektorin. Geb. Wien, 5. 12. 1911; gest. Wien, 24. 9. 1975; röm.-kath. Tochter von Gustav Jelinek-Donner (1884–1969), Oberinspektor der Reichsbahn, und Elisabeth Jelinek-Donner, geb. Klaudy (geb. 19. 3. 1889; gest. 1970), Mutter der Textilkünstlerin und Dichterin Franka Lechner; ab 1941 verheiratet mit Hans Sydonius (von) Becker (geb. Pola, Istrien / Pula, Kroatien, 22. 9. 1895; gest. Santiago, Chile, 16. 12. 1948, ermordet). – Becker-Donner besuchte drei Jahre lang das Realgymnasium in Wien-Hietzing und übersiedelte 1925 nach der Scheidung der Eltern mit der Mutter nach Bad Goisern, wo sie Privatunterricht erhielt, um sich auf die Externistenmatura vorzubereiten. Mit 16 Jahren zog sie allein nach Wien zurück, inskribierte ab Oktober 1928 als ao. Hörerin an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien und studierte ebendort neun Semester Ethnologie, Afrikanistik, Orientalistik und vergleichende slawische Sprachwissenschaft. Nebenbei lernte sie weiter für die Externistenmatura, die sie jedoch nie ablegen sollte. Bereits im Jänner 1934 brach sie zu ihrer ersten Forschungsreise nach Liberia auf, bei der sie linguistische und ethnologische Studien durchführte, wobei ihr Vater sie finanziell unterstützte. Im Juni 1935 kehrte sie mit einer umfangreichen Sammlung zurück, die sie 1936 am Institut für Ägyptologie und Afrikanistik der Universität Wien ausstellte und dann an das Staatliche Museum für Völkerkunde in Berlin verkaufte. Von November 1936 bis Juli 1937 setzte sie ihre Forschungen in Liberia fort, diesmal u. a. mit finanzieller Unterstützung des Wiener Geschäftsmanns Friedrich Wolff-Knize mit der Auflage, eine Sammlung für das Wiener Museum für Völkerkunde mitzubringen. 1937 stellte sie die Sammlung dort aus. Die Ergebnisse ihrer Forschungen verarbeitete sie in populärwissenschaftlichen Zeitungsartikeln und Vorträgen, die ihr in Österreich einen hohen Bekanntheitsgrad verschafften. Am 1. November 1938 wurde sie als wissenschaftliche Hilfskraft am Museum für Völkerkunde angestellt. Anfangs arbeitete sie in der Bibliothek und übernahm dann zunehmend Aufgaben im Rahmen der Afrikasammlung. Im Juli 1940 promovierte sie mit der Dissertation „Die Sprache der Mano“ unter Wilhelm Czermak als Erst- und dem gerade nach Wien berufenen Ordinarius für Völkerkunde Hermann Baumann als Zweitgutachter. Nach dem Krieg wurde Becker-Donner 1947 zur wissenschaftlichen Assistentin im Museum befördert. Von Juli 1947 bis Oktober 1949 ließ sie sich vom Museumsdienst beurlauben und folgte ihrem Mann, dem ehemaligen Widerstandskämpfer Hans Becker, nach Chile, wo dieser im österreichischen diplomatischen Dienst als Geschäftsträger wirkte. Nach seiner Ermordung kehrte sie mit den beiden Töchtern nach Wien zurück und nahm ihren Dienst am Museum, nun als Amerikanistin, wieder auf. 1954 und 1956 führte sie Feldforschungen in Nordbrasilien durch. 1955 wurde sie zur Leiterin des Museums für Völkerkunde in Wien bestellt und erhielt 1963 den offiziellen Titel Direktorin. 1952 war sie zum Kustos II. Klasse und 1959 zum Kustos I. Klasse befördert worden. Becker-Donner war die erste weibliche Direktorin eines Bundesmuseums in Österreich und behielt diese Funktion bis zu ihrem Tod. Während ihrer Amtszeit setzte sie zahlreiche strukturelle und technische Innovationen um, erweiterte den Personalstand und förderte die Forschung am Museum. Neben ihrer Leitungsfunktion war sie selbst weiterhin wissenschaftlich tätig und führte Feldforschungen in Guatemala und Costa Rica durch. Auf sämtlichen ihrer Forschungsreisen erwarb sie Sammlungsobjekte, insgesamt sind 2.884 im Bestand des Weltmuseums Wien verzeichnet. Hervorzuheben ist besonders ihre wissenschaftliche Edition des Zwettler Codex 420, eines Berichts des Jesuitenmissionars Florian Baucke über seinen Aufenthalt in Paraguay („Zwettler-Codex 420 …“, 1959), sowie ihr damals neuartiges Forschungsinteresse an lateinamerikanischer populärer Kunst, der sie 1972 eine umfangreiche Publikation und Ausstellung widmete, die im Anschluss daran in Deutschland, Belgien und den Niederlanden gezeigt wurde. Auf ihre Initiative ging zudem die Gründung des Österreichischen Lateinamerika-Instituts in Wien 1965 zurück, dessen erste Präsidentin sie zehn Jahre lang war. 1967/68 setzte sie sich für die Eröffnung einer österreichischen Schule in Guatemala ein (heute Instituto Austriaco Guatemalteco). Becker-Donner ist Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen: „Hinterland Liberia“ (1939) und „Kunst und Handwerk in Nordostliberia“ (1940) etwa stellen bis heute wichtige Standardwerke dar. 1947 gründete sie mit ihrer Kollegin Annemarie Schweeger-Hefel die Zeitschrift „Archiv für Völkerkunde“, die bis heute unter dem Namen „Archiv des Weltmuseums Wien“ herausgegeben wird und in der sie auch selbst publizierte. Sie war ab 1963 Vorstandsmitglied und 1969–75 Präsidentin der Österreichischen Ethnologischen Gesellschaft sowie 1965–75 Ausschussrätin der Wiener Anthropologischen Gesellschaft. Die wirkliche Hofrätin Becker-Donner erhielt 1959 den Preis der Stadt Wien für Geisteswissenschaften.

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