Beer Max, Journalist und Diplomat. Geb. Wien, 8. 6. 1886; gest. New York City, New York (USA), 27. 10. 1965; mos. Sohn von Peter Ferdinand Beer und Ernestine Beer, geb. Reichmann, Vater des Mathematikers Peter Ferdinand Beer (geb. Binic, Frankreich, 8. 8. 1915); verheiratet mit Marthe Beck, geb. Le Gouaille (geb. Quintin, Frankreich, 21. 10. 1880). – Beer studierte Germanistik und Französisch in München, Lausanne, Paris, Kiel und Würzburg, wo er 1910 bei Karl Marbe mit einer Dissertation über „Die Abhängigkeit der Lesezeit von psychologischen und sprachlichen Faktoren“ promovierte. Danach erwarb er einen juristischen Abschluss in Paris und war dort anschließend als Korrespondent für deutsche Blätter tätig. Nach Kriegsausbruch ging er nach Bern, wo er im Auftrag der Presseabteilung der deutschen Gesandtschaft zahlreiche gegen Frankreich, England und Russland gerichtete Broschüren verfasste. 1915 erschien eine kommentierte Auswahl aus Dokumenten verschiedener Weißbücher zum Kriegsausbruch („Die europäischen Kriegshandlungen“). Nach Kriegsende wurde er Korrespondent für das „Wolff’sche Telegraphenbüro“ und die „Kölnische Zeitung“ beim Völkerbund in Genf und Vizepräsident des internationalen Journalistenverbands der beim Völkerbund akkreditierten Journalisten. Im Zusammenhang mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund wurde er vom Auswärtigen Amt im Rang eines Konsuls als deutscher Vertreter für die Informationsabteilung des Völkerbunds nominiert. Beer genoss das Vertrauen von Außenminister Gustav Stresemann, während die sozialistische Presse ihm wegen seiner Kritik am Völkerbund in den Jahren davor kritisch gegenüberstand. Nach längeren Auseinandersetzungen trat Beer im Februar 1930 von seiner Funktion in der Informationsabteilung zurück. Da der von ihm angestrebte Wechsel ins Auswärtige Amt scheiterte, blieb er als Korrespondent der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ in Genf. Im Frühjahr 1932 erschien sein Buch „Die Reise nach Genf“, in dem er die Gründung, Verfassung und Realität des Völkerbunds unter Berücksichtigung seiner persönlichen Ansichten kritisch verarbeitete. Von 1933 bis 1939 war Beer von Genf aus für angesehene Schweizer, österreichische und französische Blätter tätig. Für die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtete er im Herbst 1934 aus dem Saarland von der Volksabstimmung. In seinem 1934 in Zürich erschienenen Buch über „Die Auswärtige Politik des Dritten Reiches“ analysierte er die außenpolitische Isolierung Deutschlands und glaubte daraus Schlussfolgerungen ziehen zu können, die sich nicht bewahrheiten sollten. Seit der Gründung des World Jewish Congress (WJC) im August 1936 in Genf gehörte er zum engeren Mitarbeiterstab in dessen politischer Abteilung und war für den diplomatischen Kontakt und den journalistischen Informationsdienst zum Völkerbund, dem Freien Frankreich und zu einigen Exilregierungen verantwortlich. 1939 übersiedelte Beer mit dem Büro des WJC nach Paris, wo er das außenpolitische Ressort der dem französischen Außenministerium nahestehenden Zeitschrift „Zukunft“ leitete; außerdem war er zeitweise Mitarbeiter der Jüdischen Telegraphen Agentur und Herausgeber des „Bulletin“ des WJC, das jüdische Leser:innen in alliierten und neutralen Ländern mit Informationen über alliierte Kriegsanstrengungen versorgen sollte. Daneben lehrte er an der École libre des hautes études in New York und war für das französische Informationsministerium tätig. Nach der Niederlage Frankreichs konnte er sich dem Zugriff der Gestapo entziehen und lebte bis zu seiner Flucht in die USA im Untergrund. Im März 1940 traf Beer in den USA ein und erhielt aufgrund eines vom Präsidenten des American Jewish Congress Stephen Wise ausgestellten Affidavits Aufenthaltsstatus. Auch nach seiner Übersiedlung unterhielt Beer im Auftrag des WJC weiterhin sehr enge Kontakte zu Vertretern des Freien Frankreich in New York. Er war Mitarbeiter der Zeitschrift „France-Amérique“ und ständiger Kolumnist der französischen Zeitschrift „La Voix de France“. Anfang 1942 nahm Beer auch an Verhandlungen zwischen dem WJC und Vertretern österreichischer Exilgruppen mit dem Ziel der Bildung einer Vertretung des gesamten österreichischen Exils in den USA teil, die aber scheiterten. Seit der Gründung der Vereinten Nationen war er als UN-Korrespondent in New York tätig, 1946–50 als Berichterstatter für den „Aufbau“ in New York sowie 1945–47 als Herausgeber des „Information Bulletin“ des WJC. Beer gehörte nach 1945 dem bei der UNO akkreditierten Korrespondentenstab und einige Jahre der Informationsabteilung der UNO an. Als Vizepräsident der International League for the Rights of Men und deren Kontaktmann bei der UNO nahm er seit 1950 regelmäßig an Sitzungen der Menschenrechtskommission teil und beharrte auf dem umfassenden Schutz von Menschenrechten. Besondere Erwähnung verdient sein Einsatz für Informationsfreiheit und die Kritik an Chinas Unterdrückung der Tibeter 1959 sowie sein Engagement gegen Antisemitismus. Als Vizepräsident der United Nations Correspondents Association (UNCA) gelang es ihm 1955, in einem Abkommen mit UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, den zur Errichtung eines Pressehauses beim Völkerbund zweckgewidmeten Goldfonds an die UNCA zu übertragen, der einem Presseclub am Sitz der UNO diente. Seit 1953 war Beer UN-Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“, ab 1955 auch der deutschsprachigen Zeitschrift „Vereinte Nationen“. Beer unterstützte 1956 die Etablierung des Sitzes der Internationalen Atombehörde in Wien, wofür ihm, auf Antrag von Außenminister Bruno Kreisky, 1959 das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen wurde. 1957 erhielt er das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, das er nach antisemitischen Äußerungen eines an der UNO akkreditierten deutschen Diplomaten zurückgab.

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