Berg, Karl Friedrich (1908–1997), Erzbischof

Berg Karl Friedrich, Erzbischof. Geb. Radstadt (Salzburg), 27. 12. 1908; gest. Mattsee (Salzburg), 1. 9. 1997 (begraben: Bischofsgruft, Salzburger Dom); röm.-kath. Sohn des Rechnungsunteroffiziers I. Klasse beim Artillerieregiment Nr. 10 in Olmütz und späteren Steueramtsdirektors Josef Berg (geb. Neudorf, Mähren / Nová Ves, Tschechien, 14. 3. 1861; gest. Radstadt, Salzburg, 6. 1. 1927) und seiner Frau Katharina Berg, geb. Kratochwil (geb. 3. 11. 1871; gest. Radstadt, 1956). – Als Schüler zog Berg nach Salzburg und maturierte am Borromäum; darauf studierte er Theologie in Rom. Seine acht Jahre am Collegium Germanicum führten zu zwei Doktoraten; unter seinen Studienkollegen an der Gregoriana war Franz König, später Kardinal und Amtsbruder im österreichischen Episkopat. Sie wurden im Oktober 1933 in Sant’Ignazio gemeinsam zu Priestern geweiht; seine Primiz feierte Berg in Rom zu Allerheiligen. Nach der Rückkehr in sein Heimatbistum folgten Jahre der Pfarrseelsorge, bis er 1937 Subregens im Priesterseminar und 1945 Regens wurde. 1961 avancierte er zum Ordinariatskanzler und Personalreferenten, 1969 zum Generalvikar der Erzdiözese. Im Dezember 1972 wurde er zum Erzbischof gewählt und im Februar des Folgejahres von seinem Amtsvorgänger Andreas Rohracher zum Bischof geweiht. Berg war 1985–88 Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, als Nachfolger von Kardinal König; dieser predigte bei Bergs 80. Geburtstag und attestierte ihm Fleiß, Gewissenhaftigkeit und Bescheidenheit. Nach Annahme seines Rücktrittsgesuchs (1988) durch Papst Johannes Paul II. leitete Berg die Erzdiözese bis Februar 1989 als Administrator. Er spendete seinem Nachfolger Georg Eder die Bischofsweihe. Bergs Amtszeit stand ganz im Zeichen des II. Vatikanums; er wollte ein Bischof des „Aggiornamento“ sein. Die Salzburger Diözesansynode von 1968 (er war damals Generalvikar) gab ihm in seiner Amtsführung maßgebliche Orientierung. Liturgie war ihm (als Sänger und Chorleiter seit der Seminarzeit) ein Anliegen; nicht zufällig wurde das neue deutsche Messbuch von den zuständigen Bischöfen während einer Zusammenkunft in Salzburg approbiert. Ebenso hielt Berg die Caritas für prioritär, wie auch die Einheit innerhalb der Erzdiözese und unter den getrennten Kirchen. Bergs Aussagen über die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion und seine moraltheologische Toleranz gegenüber Verhütungsmitteln wurden im Kontext der vatikanischen Bischofssynode von 1985 weitläufig rezipiert. Er hatte sich seit Jahrzehnten mit Moraltheologie beschäftigt, wie sein lobzollender Nachruf auf den traditionsverpflichteten Moraltheologen Arthur Vermeersch im „Salzburger Kirchenblatt“ dokumentiert. Berg kritisierte Landeshauptmann →Wilfried Haslauer wegen der Störung der Arbeitsruhe zu Mariä Empfängnis (8. Dezember); mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß geriet Berg über die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf in Konflikt und nahm selbst an Protestveranstaltungen teil. Bergs Nachfolge wurde in der Öffentlichkeit häufig kommentiert, da sich die Neubesetzung ungewöhnlich lang hinzog; Georg Eder sei als umstrittener Landpfarrer mit konservativen Ansichten vom Domkapitel nicht erwünscht. Dieses erklärte öffentlich, dass die Kanoniker die erste Auswahl des Heiligen Stuhls nicht angenommen hätten, doch wurde vom Heiligen Stuhl keine neue Dreier-Auswahl vorgelegt. Medial wurden Berg und Eder als Gegenpole dargestellt und die Nachfolge als Beendung einer von Berg eingeleiteten Epoche gesehen. Anlässlich seines Todes nannte ein Nachruf Berg eine „Säule der nachkonziliaren Kirche Österreichs“. Berg erhielt 1988 ein Ehrendoktorat der Universität Salzburg und wurde zum Ehrenbürger von Salzburg, Radstadt, Rattenberg und Kufstein ernannt. Er war weiters Großoffizier des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und Träger zahlreicher hoher in- und ausländischer Auszeichnungen.

L.: New York Times, 1. 12. 1985; Dr. Karl Berg. Festschrift zur Vollendung des 75. Lebensjahres, zur Feier des goldenen Priesterjubiläums und zum zehnjährigen Wirken als Erzbischof von Salzburg, 1983 (mit Bild); Uni trinoque Domino. Karl Berg. Bischof im Dienste der Einheit. Eine Festgabe. Erzbischof Karl Berg zum 80. Geburtstag, ed. H. Paarhammer, 1989, S. 11ff.; H. Boberski, in: Die Furche 53, 1997, Nr. 49, S. 8; Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 138, 1998, S. 658; ÖStA Wien / AVA Audiovisuelle Sammlung, Bundespressedienst, Nr. 900.002; Archiv der Erzdiözese Salzburg, Pfarre Radstadt, beide Salzburg.
(Alkuin Schachenmayr)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)