Berg Werner (Hans Werner), Maler und Landwirt. Geb. Elberfeld, Deutsches Reich (Wuppertal, Deutschland), 11. 4. 1904; gest. Rutarhof (Kärnten), 7. 9. 1981; röm.-kath. Sohn der Kauffrau Mathilde Clara Berg, geb. an der Heiden (geb. Elberfeld, Preußen / Wuppertal, Deutschland, 20. 5. 1870; gest. Rutarhof, 7. 2. 1949), und des Technikers Joseph Berg (geb. Elberfeld, 14. 12. 1858; gest. Elberfeld, 12. 7. 1917); verheiratet mit Amalie Kuster, genannt „Mauki“ (geb. 23. 4. 1930; gest. 1970). – Berg, dessen Mutter ein Spielwarengeschäft in Elberfeld betrieb, wollte schon als Kind Maler werden. Aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse konnte er diesem Wunsch zunächst nicht nachgehen. 1917 fiel sein älterer Bruder Alfred im Krieg, kurz darauf verstarb auch sein Vater. 1922 begann er eine Handelslehre in einer Fabrik in Elberfeld-Sonnborn, ein Jahr später nahm er das Studium der Handelswissenschaften in Köln auf. 1923 übersiedelte Berg nach Wien, um an der Universität Staatswissenschaften zu studieren. Dort lernte er Amalie Kuster, seine spätere Frau, kennen. Beide schlossen 1927 ihr Studium ab. Doch anstatt eine Universitätslaufbahn zu ergreifen, begann Berg im Oktober jenes Jahres an der Akademie der bildenden Künste in Wien das Studium der Malerei. Sein Professor →Karl Sterrer fühlte sich der reformorientierten katholischen Neulandbewegung verbunden, der sich auch einige von Sterrers Studenten anschlossen, wie etwa Rudolf Szyszkowitz, →Leopold Birstinger oder Max Weiler. Mit Szyszkowitz und Birstinger unternahm Berg 1928 ausgedehnte sommerliche Wanderungen durch die Salzburger Bergwelt. Von 1929 bis 1931 setzte er sein Kunststudium an der Münchner Akademie bei Karl Caspar fort. Nach der Heirat erwarb Berg mit seiner Frau den Rutarhof, einen Bergbauernhof im Kärntner Unterland in der heutigen Gemeinde Gallizien, wohin die Familie 1931 gemeinsam mit dem befreundeten Dichter Curt Sachsse übersiedelte. Auf dem Rutarhof war Berg als Bauer und Maler gleichermaßen tätig, Kunst und Leben bildeten für ihn eine untrennbare Einheit. In vielen seiner Motive spiegelt sich der bäuerliche Alltag wider, häufig finden sich Darstellungen des Bauernhofs, des Gartens und der Haustiere. Trotz seines abgeschiedenen Wirkungsbereichs hielt er stets engen Kontakt mit Künstlerkollegen in Deutschland, etwa mit Emil Nolde, den er 1932 und 1933 in Berlin besuchte. Sehr bald stellte Berg v. a. in deutschen Städten aus, etwa in Elberfeld, Essen und Berlin, sein Bekanntheitsgrad wuchs zunehmend. Doch widersprachen seine absichtsvoll einfach gestalteten Bilder und Motive der damals herrschenden nationalsozialistischen Kunstdoktrin, 1935 wurde eine Personalausstellung im Kölner Kunstverein polizeilich gesperrt und einige Gemälde Bergs wurden 1939 auf der Wiener Station der berüchtigten Schmähausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. 1940 ließ sich Berg zum Sanitäter ausbilden und leistete von 1942 bis 1945 Dienst als Kriegsmaler und als Sanitäter in Finnland und Norwegen. In diesen Jahren war seine Darstellungsweise dem Zeitstil entsprechend deskriptiver geworden und hatte mehr Plastizität angenommen. Nach dem Krieg kehrte Berg zu einem flächigen, die Konturlinien betonenden Stil zurück. Trotz dieser Vereinfachung und Stilisierung wich er nicht von einer grundsätzlich gegenständlichen Darstellungsweise ab. Charakteristisch für seine Arbeitsmethode war auch das Anfertigen zahlreicher Bleistiftskizzen, die Berg unmittelbar vor den Motiven in Sekundenschnelle zu Papier brachte. Dörfer und ländliche Straßen wurden zu seinen bevorzugten Arbeitsplätzen. Sein gestalterisches Prinzip einer flächigen Darstellung setzte Berg auch in zahlreichen Holzschnitten um. Im Wechselspiel von hellen und dunklen Flächen erzielte er effektvolle formale Spannungen und Kontraste, wobei die gegenständlichen Formen oft weitgehend aufgelöst erscheinen. 1947 erhielt Berg die österreichische Staatsbürgerschaft und wurde im selben Jahr Mitglied des Art Club in Wien. 1950 war er Teilnehmer der Biennale von Venedig. Seit 1951 verband ihn eine enge Beziehung mit der Kärntner Dichterin Christine Lavant, deren herausragendes literarisches Talent er als einer der Ersten erkannte. Die Komplexität dieser Beziehung war jedoch einer der Gründe für den 1955 erfolgten physischen wie psychischen Zusammenbruch des Künstlers, dem ein mehrmonatiger Spitalsaufenthalt folgte. Die nächsten Jahre waren von zunehmenden künstlerischen Erfolgen geprägt. 1956 zeigte die Österreichische Galerie in Wien eine Personale, 1957 folgte eine Ausstellung in der Moderna galerija Ljubljana und 1961 eine umfangreiche Schau im Münchner Lenbachhaus. Weitere Ausstellungsprojekte lehnte Berg jedoch ab, weil sie ihn zu sehr aus seinem Schaffensrhythmus rissen. 1968 wurde auf Initiative des befreundeten Lebzelters Gottfried Stöckl und mit Unterstützung des Landes Kärnten in Bleiburg die städtische Werner-Berg-Galerie eingerichtet – eines der ersten monografischen Museen in Österreich. Bergs künstlerische Leistung besteht u. a. in seiner geradezu provokanten Wahl der Gestaltungsmittel. Aus dem Wesen des Expressionismus schöpfend, fand er zu einer kühnen Reduktion der formalen Darstellung bei zugleich größtmöglicher Intensivierung der Farbigkeit. Diesen Parametern entspricht die eigenwillige Wahl der Bildmotive, die seine unmittelbare Lebenswelt widerspiegelt. Mit einem eindrucksvollen Werk von über 1.300 Gemälden wurde er zum Chronisten der Kärntner slowenischen Bevölkerung, ein Maler der Bauern, Jahrmarktbesucher, Kirchgänger, Eisschützen, Busreisenden und am Bahnhof Wartenden. Berg erweist sich als hellhöriger Seismograf einer Umbruchszeit, die jahrhundertealte ländliche Traditionen einem rapiden, technischen Fortschritt geopfert hat. Nach seinem Tod wurde die Werner-Berg-Galerie in eine dauerhafte Stiftung überführt, das heutige Werner Berg Museum widmet sich ihm in einer umfassenden ständigen Werkschau und in zahlreichen wechselnden Sonderausstellungen. Werke in öffentlichen Sammlungen finden sich u. a. in der Österreichischen Galerie Belvedere, in der Albertina, im Leopold Museum, im Museum Moderner Kunst Kärnten, in der Neuen Galerie Graz (Universalmuseum Joanneum), in der Landesgalerie Niederösterreich und in der Moderna galerija Ljubljana. Berg war Mitglied des Deutschen Künstlerbunds (1931), des Kärntner Kunstvereins (1946) und des Art Club (1947). Er wurde mit dem Nürnberger Albrecht-Dürer-Preis (1935), dem Preis der Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst in Wien (1949), dem Ersten Kunstpreis des Landes Kärnten und dem Theodor Körner Preis Wien (1951), dem Kulturpreis des Landes Kärnten (1973) und dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1981) ausgezeichnet. Zudem war Berg Professor h. c. (1956) sowie Ehrenbürger von Slovenj Gradec (1966), Bleiburg (1969) und Gallizien (1971).

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Werner Berg