Berry, Walter; Ps. Fred Hedin (1929–2000), Sänger

Berry Walter, Ps. Fred Hedin, Sänger. Geb. Wien, 8. 4. 1929; gest. Wien, 27. 10. 2000 (ehrenhalber gewidmetes Grab: Heiligenstädter Friedhof); röm.-kath. Sohn von Hildegarde Berry, geb. Jelinek (geb. Wien, 28. 2. 1898; gest. 16. 2. 1982), und Franz Berry, Fußpfleger (geb. 19. 9. 1897), Vater des Sängers, Komponisten, Produzenten und Lehrers Wolfgang Marc Berry (geb. Wien, 4. 3. 1959; gest. 18. 1. 2022); in 1. Ehe (1957–70) mit der Opern- und Konzertsängerin Christa Ludwig (geb. Berlin, Deutsches Reich/Deutschland, 16. 3. 1928; gest. Klosterneuburg, Niederösterreich, 24. 4. 2021), in 3. Ehe mit der Sopranistin und Gesangspädagogin Elisabeth Flechl verheiratet. – Aufgewachsen in Wien-Alsergrund, wandte sich Berry schon früh der Musik zu. Hermann Gallos war 1946–50 sein Lehrer an der Wiener Musikakademie, weiteren Unterricht nahm der Bass-Bariton bei Hans Duhan, Josef Witt und Endré Koréh. Bereits während der Studienzeit fand er Gelegenheit zu Auftritten und Tonaufnahmen (für Schallplatten mit Unterhaltungsliedern wählte er das Pseudonym Fred Hedin). Ab 1950 wirkte Berry beim Opernstudio des Wiener Senders RAVAG (u. a. Bürgermeister in Lortzings „Zar und Zimmermann“). Im selben Jahr erfolgte seine Verpflichtung an die Wiener Staatsoper (in den Ausweichquartieren Theater an der Wien und Volksoper), an der er vorläufig in Nebenrollen in Oper und Operette auftrat. Nach seinem ersten Papageno 1952 rückte er ins Erste Fach auf. 1955, beim Eröffnungsfest der wiederaufgebauten Wiener Staatsoper, stellte er die Titelfigur in →Alban Bergs „Wozzeck“ dar, eine Rolle, die er durch Jahrzehnte beibehielt und in der er auch international hohe Anerkennung fand. Berry wurde aufgrund seiner außergewöhnlichen Musikalität und künstlerischen Intelligenz bald ein weltweit gefragter Sänger. Im Mozartfach glänzte er als Figaro, Leporello, Guglielmo und Papageno, womit er allmählich das Rollenfach seines Vorgängers Erich Kunz übernahm. Ab 1953 wirkte er bei den Salzburger Festspielen mit, wo er als Masetto in der von Wilhelm Furtwängler geleiteten „Don Giovanni“-Aufführung debütierte. Dort war er nicht nur als Mozartsänger, sondern oft auch in Produktionen moderner Opernkunst (Werner Egk, Gottfried von Einem, Rolf Liebermann, Heimo Erbse) zu erleben. Neben Dirigenten wie Furtwängler waren es u. a. Clemens Krauss, Herbert von Karajan, Otto Klemperer, Karl Böhm und Leonard Bernstein, die ihn mit bedeutenden Aufgaben betrauten. Berry zeichnete sich auch als Konzert- und Liedersänger aus. Bei Liedern von →Gustav Mahler wurden er und Christa Ludwig von Bernstein auf dem Klavier begleitet. Ein weiterer Liedbegleiter war Erik Werba, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Wichtige Aufgaben fielen Berry mit den Basspartien in Oratorien und Messen zu. Er trat in ca. 120 Opernpartien auf, als Glanzpunkt seiner Darstellungskunst galt neben dem Wozzeck der Färber Barak in „Die Frau ohne Schatten“ von →Richard Strauss. Einen seiner letzten Auftritte an der Wiener Staatsoper hatte er in der Rolle des Wiesener in Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“ im Mai 1990. Trotz vieler auswärtiger Angebote hielt Berry Wien und dem Wiener Opernhaus die Treue. Ab 1990 unterrichtete er als geschätzter und erfolgreicher Lehrer an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, eine seiner Schülerinnen war Angelika Kirchschlager. Nahezu alle seine großen Opernpartien sang Berry auch für Schallplatten-Aufnahmen, ebenso vieles aus seinem reichen Liedrepertoire. Selbst das Wienerlied fehlte darin nicht („Kremser Alben“ mit Heinz Zednik und den Philharmonia Schrammeln). Als Mitglied der Mozartgemeinde Wien fungierte er 1992/93 als deren Präsident. Sein Nachlass befindet sich in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus. 1963 zum Kammersänger ernannt, erhielt Berry die Mozart-Medaille der Mozart-Gemeinde Wien (1969), das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (1970) und die Ehrenmedaille in Gold der Stadt Wien (1980). An ihn erinnert seit 2007 der Walter-Berry-Weg in Wien-Döbling.

L.: WZ, 14. 8. 1992; Der Standard, 28. 10. 2000; Grove; Grove, Opera; Kutsch–Riemens; MGG II; oeml; Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien, Jahresbericht, 1960, S. 86, 413; P. Lorenz, Christa Ludwig – Walter Berry, 1968 (mit Bildern); H. Kretschmer, in: Wiener Figaro. Mitteilungsblatt der Mozartgemeinde Wien 57/6, 2000, H. 4, S. 6f.; E. Birnbaum, Walter Berry, 2001; Wien Geschichte Wiki (mit Bild, Zugriff 20. 9. 2023); WStLA / Bundespolizeidirektion Wien, Historische Meldeunterlagen, Prominentensammlung; Vorstellungen mit Walter Berry an der Wiener Staatsoper: archiv.wiener-staatsoper.at/search/person/314/page/2 (Zugriff 20. 9. 2023).
(Clemens Höslinger)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)