Berzeviczy-Pallavicini Friedrich, ab ca. 1938 Pallavicini Federico, Gestalter, Designer und Grafiker. Geb. Lausanne (Schweiz), 12. 4. 1909; gest. New York City, New York (USA), 11. 11. 1989; röm.-kath. Sohn von Gabrielle, geb. Markgräfin Csáky-Pallavicini, und Georg von Berzeviczy; ca. 1928–33 in Partnerschaft mit Eduard Josef Wimmer-Wisgrill lebend, ab 1936 mit Klára Demel (gest. Wien, 19. 4. 1965) verheiratet, Nichte und Erbin der Hofzuckerbäckerei-Inhaberin Anna Demel. – Nach dem Besuch des (damals als Realschule geführten) Theresianums in Wien schrieb sich Berzeviczy-Pallavicini 1926 an der Kunstgewerbeschule in der Allgemeinen Abteilung Zeichnen & Formen nach der Natur bei →Victor Schufinsky ein. Als Nebenfach belegte er Ornamentale Handschrift/Heraldik bei →Rudolf von Larisch und wählte die Werkstätte für Textilarbeit und Modewesen. 1927 wechselte er in die Mode- und Textilfachklasse Eduard Josef Wimmer-Wisgrills, der sein Mentor und Förderer wurde. Er reiste 1929 zur Weltausstellung nach Barcelona, anschließend nach Paris, München und Berlin. Bis 1931 hielt er sich in Paris auf. Ab 1932 war Berzeviczy-Pallavicini durch Vermittlung von →Josef Hoffmann und Wimmer-Wisgrill für die grafische Gestaltung und Innenausstattung der Hofzuckerbäckerei Demel in Wien zuständig. Als die Kunstgewerbeschule ihr 60-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie feierte, beteiligte sich der junge Berzeviczy-Pallavicini mit dem überaus auffallenden Beitrag „Das Boudoir einer eleganten Dame“. Bei der 1932 vom Gewerbeförderungsinstitut der Handelskammer Wien ausgerichteten Ausstellung Raum und Mode war er mit zwei Beiträgen vertreten; er zeichnete für das Speisezimmer und das Zimmer der Dame in dem Haus „For Two“ verantwortlich. 1935 nahm er an einer Ausstellung in der Wiener Galerie Würthle mit zwei Bühnenbildentwürfen für →Franz Grillparzers Stück „Der Traum ein Leben“ teil und begann im Winter jenes Jahres mit der Arbeit an Dekorentwürfen für die Porzellanmanufaktur Augarten. Einige von ihm entworfene Stücke wurden auf der Weltausstellung 1937 in Paris gezeigt. Von 1934 bis 1937 entwarf Berzeviczy-Pallavicini mehrere Bühnenbilder und Kostüme für das Theater für 49 in Wien, eine der ersten Kleinkunstbühnen der Stadt im Souterrain des Hôtel de France. Als das Theater 1937 übersiedelte, übernahm er die Innenraumgestaltung von Foyer und Zuschauerraum des nunmehrigen Modernen Theaters am Schwarzenbergplatz. 1938 verließ Berzeviczy-Pallavicini Wien aufgrund der politischen Entwicklung. Bis 1950 lebte er auf Capri und später in Mailand. Für die Arbeitsbewilligung und aus praktischen Gründen nahm er den Mädchennamen seiner Mutter an und nannte sich von da an Federico Pallavicini. Auf Capri entwarf er Stoffmuster, die er nach Mailand verkaufte. Als grafischer Gestalter und Illustrator arbeitete er für die Architekturzeitschrift „Domus“ und das Stylemagazin „Aria d’Italia“. Für das Magazin „Bellezza“ gestaltete er die Modeseiten. 1949 traf Pallavicini in Mailand auf die US-Amerikanerin Fleur Cowles, die ihn als Art Director für ihr Magazin „Flair“ in New York engagierte. Daraufhin übersiedelte er 1950 in die Vereinigten Staaten, wechselte aber 1951 zum Lifestylemagazin „Look“, um dort als Stylist und Setdesigner zu arbeiten. Für Hollywood produzierte er verschiedene Kostüme und Designarbeiten. 1952 stellte er in den Räumlichkeiten des Galeristen Alexandre Iolas aus. Weitere Ausstellungen bei Hugo, Brown und Bodley in New York folgten. 1955 war er als Art Director bei Elizabeth Arden und 1956–65 bei Helena Rubinstein beschäftigt, für die er als Innenarchitekt und künstlerischer Berater tätig war. Um 1956 hielt sich Berzeviczy-Pallavicini in Europa auf und gestaltete nochmals die Salons der Zuckerbäckerei Demel um. Von 1957 bis 1959 wurden seine Wandmalereien öfter als Hintergrund bei Fotoshootings für die „Vogue“ genutzt und von ihm entworfene Einrichtungsaccessoires als Geschenkideen angepriesen. Nach dem Tod seiner Frau 1965 ging er nach Wien und übernahm die Geschäftsführung der Konditorei Demel. Die von ihm gestalteten Schaufensterinszenierungen galten als „Theater der Straße“. 1972 entschloss er sich zum Verkauf des Demel und kehrte nach New York zurück. Im Oktober 1975 fand in der Galerie Würthle in Wien eine ihm gewidmete Retrospektive statt. Im folgenden Jahr erschien das Buch „Die k. k. Hofzuckerbäckerei Demel. Ein Wiener Märchen“, herausgegeben von Christian Brandstätter. 1978 beauftragte ihn die Wiener Staatsoper mit der Ausstattung für die komische Oper „Der junge Lord“. 1982 fand in der Zentralsparkasse und Kommerzialbank Wien die Ausstellung „Die verlorenen Österreicher 1918‒1938“ statt, in der auch Arbeiten von Berzeviczy-Pallavicini gezeigt wurden. Einen Großteil seiner Gemälde, Entwürfe und Probemuster überließ der Künstler 1986 der Kunstsammlung der Universität für angewandte Kunst Wien. 1988 fand eine Einzelausstellung zu Berzeviczy-Pallavicini mit dem Titel „Poesie der Inszenierung“ im Ausstellungszentrum Heiligenkreuzerhof in Wien statt, die 1994 in etwas abgeänderter Form an das Kunstgewerbemuseum Budapest wanderte. Unter dem Titel „Der Hausfreund. Eine Wiederentdeckung des exzentrischen Werks von Friedrich von Berzeviczy-Pallavicini“ folgte 2019 eine Ausstellung in der Universitätsgalerie der Universität für angewandte Kunst, Heiligenkreuzerhof Wien. Berzeviczy-Pallavicini erhielt 1982 die Ehrenmitgliedschaft der Universität für angewandte Kunst in Wien.

) 