Bettac Ulrich (Ulrich Ewald Bertold), Schauspieler, Regisseur und Politiker. Geb. Stettin, Deutsches Reich (Szczecin, Polen), 2. 5. 1897; gest. Wien, 20. 4. 1959 (Ehrengrab: Zentralfriedhof, ab 2020 historische Grabstätte mit Obhut); evang. HB. Sohn von Julie Bettac, geb. Riechert, und Emil Bettac, Kaufmann; verheiratet mit Elfriede Bettac, geb. Schwahn. – Bettac erhielt 1916–17 eine Schauspielausbildung an der Reinhardtschule des Deutschen Theaters Berlin, 1917–18 wirkte er am Hoftheater Oldenburg, 1919–21 am Neuen Theater in Frankfurt am Main und an Berliner Bühnen, u. a. am Lessingtheater. 1921–27 war er neben seiner Berliner Tätigkeit auf Gastspielen in den Niederlanden und der Schweiz. 1927 engagierte ihn Franz Herterich als „ersten jugendlichen Bonvivant“ an das Wiener Burgtheater. 1933 verlängerte Direktor Hermann Röbbeling, der seitens der vorgesetzten Behörde zu Personalreduktionen angehalten war, seinen Vertrag nicht mehr. Auf Druck der Nationalsozialisten, v. a. des späteren Kurzzeitdirektors Mirko Jelusich, aber auch aufgrund der großen Beliebtheit des Schauspielers beim Publikum hielt Röbbeling Bettac, der seine erhöhten Honorarforderungen zurückzog und mit einem Dreimonatsvertrag zufrieden war, im Ensemble. Da sein Wiederengagement 1934 ihm nur wenig Beschäftigung ermöglichte, begab er sich für den Rest des Jahres auf eine Südamerika-Tournee. Ab 1933 Mitglied der illegalen Nationalsozialistischen Betriebszellen-Organisation SA-Brigade 6, deren Leiter Fred Hennings war, trat Bettac am 1. Mai 1938 der NSDAP bei. Im selben Jahr wurde er stellvertretender Landesleiter der Reichstheaterkammer. Im August 1938 löste er Jelusich auf Goebbels’ Wunsch als provisorischer Leiter des Burgtheaters ab, an dem er seit 1936 auch als Regisseur tätig war. Bis Ende April 1939 führte er als Platzhalter für Lothar Müthel, der die Direktion infolge eines Autounfalls nicht hatte antreten können, das Burgtheater auch finanziell erfolgreich, bis Ende Oktober 1939 blieb er als stellvertretender Direktor Müthels Berater. 1939–44 war er Ratsherr der Stadt Wien. Während dieser Jahre führte er auch Dialogregie beim Film, u. a. in den Streifen „Die Geliebte von Paris“ (1936, unvollendet), „Manege“ (1937) sowie „Die große und die kleine Liebe“ (1938). Nach Registrierung im Dezember 1945, Voruntersuchung der Staatsanwaltschaft und Beschwerdeschrift des Innenministeriums vom September 1946 wurde am 25. Juni 1947 die Voruntersuchung beim Volksgericht Wien offiziell eingestellt: Bettac galt als „minderbelastet“. Dabei trug man „der Stimmung des gesamten Personals des Burgtheaters“ und prominenten Entlastungszeugen Rechnung. Bereits seit Oktober 1946 war Bettac wieder Ensemblemitglied, 1952 wurde er zum Kammerschauspieler ernannt. In den 1950er-Jahren übernahm er zahlreiche Nebenrollen in Filmen („Das Jahr des Herrn“, 1950; „Der fidele Bauer“, 1951) und arbeitete beim Hörfunk. Als Regisseur war er mit Lustspielen erfolgreich, etwa mit Calderons „Dame Kobold“ (1955). Als „verlässliche Stütze“ des Ensembles spielte er frische vornehme Jünglinge im Gesellschaftslustspiel, wie in Walter Hasenclevers „Ein besserer Herr“ (1927) oder als Dr. Valentine in George Bernard Shaws „Man kann nie wissen“ (1939). Später sah man Bettac in Charakterrollen, etwa als Bischof von Bamberg in Goethes „Götz von Berlichingen“ (1950), Richter Danforth in Arthur Millers „Hexenjagd“ (1954) oder Max in →Franz Grillparzers „Ein Bruderzwist im Hause Habsburg“ (1957), sowie als alternden Bonvivant in Komödien und Konversationsstücken. Seinen letzten Auftritt hatte er als Kardinal Rosso in Reinhold Schneiders Drama „Der große Verzicht“ im April 1959. Bettac war Vorsitzender der Bühnengewerkschaft und ab 1949 geschäftsführender Präsident der von Hilde Wagener initiierten Aktion Künstler helfen Künstlern. 1934 wurde er für seinen Einsatz als Personalvertreter von der Kollegenschaft mit dem neu geschaffenen Ehrenring des Burgtheaters ausgezeichnet.

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